Entführung im Familienkreis : Nigeria-Star Obi Mikel offenbart tragisches Geheimnis

John Obi Mikel spielt derzeit in China bei Tianjin Teda.
John Obi Mikel spielt derzeit in China bei Tianjin Teda.

Nigerias Superstar John Obi Mikel hatte vor dem Gruppenspiel gegen Argentinien ganz andere Sorgen als Fußball.

shz.de von
03. Juli 2018, 17:39 Uhr

Hamburg | Nigerias Kapitän John Obi Mikel hat wenige Tage nach dem Ausscheiden seiner Mannschaft bei der Fußball-WM ein schockierendes Geheimnis offenbart: Der ehemalige Spieler des FC Chelsea sagte im "Guardian", dass er wenige Stunden vor dem entscheidenden Gruppenspiel der "Super Eagles" gegen Argentinien von der Entführung seines Vaters zu Hause in Nigeria erfuhr.

"Ich musste an mein Land denken"

"Ich spielte, während mein Vater in den Händen von Banditen war", sagte der 31-Jährige wenige Tage nach den Ausscheiden der Afrikaner bei der WM. "Vier Stunden vor dem Anstoß erhielt ich den schlimmen Anruf meiner Familie. Sie sagten mir, ich müsse die Entführer anrufen." Als Obi Mikel dem Folge leistete sei ihm aufgetragen worden, Lösegeld zu bezahlen.

An Fußball war für Obi Mikel da nicht zu denken – oder doch? "Ich war emotional abgelenkt und musste mich entscheiden, ob ich mental stark genug sein würde, um zu spielen." Nigeria hätte gegen die Südamerikaner ein Unentschieden gereicht, um ins Achtelfinale der WM einzuziehen. "Ich war verwirrt und wusste nicht, was ich tun sollte, aber am Ende wusste ich, dass ich 180 Millionen Nigerianer nicht im Stich lassen konnte. Ich musste es einfach aus meinem Kopf kriegen und zuerst an mein Land denken."

John Obi Mikel behielt die Hiobsbotschaft weitgehend für sich –aus gutem Grund. "Ich konnte es den Mitspielern, dem Trainer und dem Verband nicht verraten, nur ein paar enge Freunde wussten davon. Denn am Telefon wurde mir gesagt, dass sie meinen Vater erschießen würden, wenn ich mich an die Behörden wenden würde. Ich wollte aber ohnehin nicht mit dem Trainer darüber reden, das hätte ihn vor diesem wichtigen Spiel nur abgelenkt."

John Obi Mikels Sorgen sind nicht beendet

Auch wenn das Drama für Mikel und seine Nationalmannschaft sportlich nicht gut endete – Nigeria schied nach einer 1:2-Niederlage gegen die Gauchos aus – hatte die Entführung ein Happy End: Mikels Vater wurde nach knapp einer Woche von seinen Entführern gegen eine Zahlung von zehn Millionen Naira (umgerechnet rund 24.000 Euro) freigelassen, berichtet "AFP Africa".

Die Sorgen seines Sohnes sind damit aber nicht beendet: Obi Senior befindet sich derzeit im Krankenhaus in medizinischer Behandlung: Er war während seiner Entführung von seinen Peinigern misshandelt worden. Bereits im Jahr 2011 war der Mann entführt worden, auch damals nahm das Drama mit der Befreiung ein gutes Ende.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen