Erstes Spiel als Zweitligist : Euphorie verflogen: Hamburger SV landet hart in der Realität

Das war anders geplant. Hamburgs Khaled Narey kann es nicht fassen, während in seinem Rücken die Kieler den 3:0-Auswärtssieg bejubeln.
Das war anders geplant. Hamburgs Khaled Narey kann es nicht fassen, während in seinem Rücken die Kieler den 3:0-Auswärtssieg bejubeln.

Nach der 0:3-Niederlage zum Auftakt gegen Kiel herrscht beim HSV bereits wieder Katerstimmung.

shz.de von
04. August 2018, 08:43 Uhr

Hamburg | Kurz vor Schluss war es soweit. Die Fans waren euphorisch und sangen inbrünstig "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey". Die Stimmung unter den Anhängern hätte besser nicht sein können, allerdings waren es die Fans von Gast Holstein Kiel, die am Freitagabend im Volksparkstadion Party machten. Der Hamburger SV verpatzte sein Debüt in der 2. Bundesliga nach allen Regeln der Kunst und ist nach der deutlichen Pleite im ersten Spiel schneller als erwartet auf dem harten Boden der Realität gelandet.

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Eigentlich war vor dem Spiel alles wie immer. Die erwartungsvollen Fans des ehemaligen Bundesliga-Dinos pilgerten bei hochsommerlichen Temperaturen aus allen Richtungen zum Volksparkstadion. Nach dem ersten Abstieg aus der Bundesliga in der Vereinsgeschichte der Rothosen hingen die Köpfe nur kurz. In der Sommerpause war eine regelrechte Aufbruchstimmung in der Hansestadt zu spüren. Die Fans hielten dem Verein die Treue. Mehr noch: Der HSV vermeldete satte 7500 neue Mitglieder seit dem Abstieg. Es wurden 25.000 Dauerkarten verkauft.

Also alles wie in der Bundesliga. Nur ging es nicht gegen Bayern oder Dortmund sondern "nur" gegen den Nachbarn aus Kiel. Das sollte doch machbar sein, dachten sich die Fans. Holstein scheiterte zwar in der vergangenen Saison erst in den Relegationsspielen am VfL Wolfsburg und wäre um ein Haar aufgestiegen, aber die "Störche" hatten nach ihrer Sensations-Saison als Aufsteiger einen großen Aderlass zu beklagen. Nicht nur Trainer Markus Anfang verließ die Förde, sondern auch drei Leistungsträger (Drexler, Czichos und Ducksch).

Doch eines war beim HSV dann doch anders als sonst. Das obligatorische Einheizer-Lied "Hamburg, meine Perle" wurde nicht wie sonst von Kult-Singer und HSV-Fan "Lotto King Karl" gesungen, sondern vom Band abgespielt. "Lotto" ließ sich in einem abgespielten Video entschuldigen. Dringender Arbeitstermin. Vielleicht hatte er geahnt, wie es dem HSV am Freitag ergehen sollte. Auch die eindrucksvolle Choreographie der Hamburger Nordkurve brachte nicht die nötige Sicherheit ins Team. Dort stand in großen Lettern geschrieben: "Dies ist die Geschichte eines Vereins der fällt... aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung. Nur der HSV!"

Doch die Elf von Trainer Christian Titz konnte nur in der Anfangsviertelstunde überzeugen. "Es tut mir besonders leid für unsere treuen Fans, die uns so toll unterstützt haben. Jetzt weiß aus meiner Mannschaft auch der letzte Spieler Bescheid. Das wird ein hartes Stück Arbeit", so Titz nach dem Spiel.

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Das Jubel der Anderen: Im Hamburger Volksparkstadion freuten sich nur die Gäste aus Kiel. Der HSV landet beim Saisonstart in Liga 2 hart. Foto: imago/Claus Bergmann
CB
Das Jubel der Anderen: Im Hamburger Volksparkstadion freuten sich nur die Gäste aus Kiel. Der HSV landet beim Saisonstart in Liga 2 hart. Foto: imago/Claus Bergmann

Nach der torlosen ersten Halbzeit und paar guten Gelegenheiten für den HSV übernahmen die Gäste mehr und mehr die Initiative. Das Traumtor von Kiels Neuzugang Jonas Meffert zog dann bei den Rothosen den Stecker. Ausgerechnet Meffert. Der ehemalige Karlsruher hatte noch eine Rechnung mit den Hamburgern offen, nachdem er mit dem KSC 2015 so denkbar knapp am HSV in der Relegation scheiterte.

Die HSV-Nordkurve steuerte eine eindrucksvolle Choreographie bei. Foto: imago/Claus Bergmann
Claus Bergmann
Die HSV-Nordkurve steuerte eine eindrucksvolle Choreographie bei. Foto: imago/Claus Bergmann

Zwar versuchte der HSV noch einmal alles, doch die Kieler waren einfach die bessere Mannschaft und erhöhten in der Schlussphase sogar noch auf 3:0. Zu diesem Zeitpunkt waren einige der HSV-Fans schon auf dem Weg zum Parkplatz. Sie hatten genug gesehen.


Am Ende des Tages musste der HSV wieder einmal den Spott über sich ergehen lassen. In den sozialen Netzwerken stellten viele User genüsslich fest, dass der HSV nun Tabellenletzter sei und der direkte Durchmarsch in die 3. Liga schon beschlossene Sache. Doch so weit ist es natürlich nicht. Dennoch war es alles andere als ein guter Start. Mit einem klaren Sieg hätte das Team die Euphorie rund um den Neuanfang mitnehmen können, so stehen sie schon beim ersten Auswärtsspiel der Saison beim SV Sandhausen mächtig unter Druck. Passend dazu auch die Worte von Kapitän Lewis Holtby, der den verletzten Aron Hunt vertrat: "Wir haben heute als Kollektiv versagt. Wir wussten dass die Liga schwer wird. Jetzt sind wir angekommen ..."

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