ARD-Recherche : Doping im brasilianischen Fußball? Profis besuchten dubiosen Mediziner

Die ARD enthüllt neue Doping-Vorwürfe - dieses Mal in Brasilien. Foto: imago/Sven Simon
Die ARD enthüllt neue Doping-Vorwürfe - dieses Mal in Brasilien. Foto: imago/Sven Simon

Laut "ARD"-Recherchen haben sich Spitzensportler bei einem Arzt in Brasilien mit Dopingmittel ausstatten lassen.

shz.de von
02. Juli 2018, 13:11 Uhr

Hamburg | Nach Recherchen der ARD-Dopingredaktion haben in den vergangenen Jahren ehemalige brasilianische und auch aktive Fußballprofis die Praxis eines Arztes in Sao Paulo besucht, der Athleten offenbar beim Doping unterstützt. Die ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping: Brasiliens zwölfter Mann - Tricksereien im Land des Fußballs" berichtete am Sonntagabend über Spitzensportler, die sich in dem südamerikanischen Land über einfache Zugangsmöglichkeiten verbotene Mittel und Präparate verschaffen. Unter diesen Sportlern soll auch der peruanische Fußball-Nationalspieler und Ex-HSVer Paolo Guerrero sein, der bei der WM trotz Dopingsperre spielen durfte.

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Die ARD-Redaktion schleuste einen Lockvogel ein, der sich bei einem dubiosen brasilianischen Arzt als "Kunde" vorstellte und von diesem mit leistungssteigenden und teilweise verbotenen Substanzen ausgestattet wurde. Außerdem vermittelte der Arzt den Lockvogel offenbar an Doping-Dealer weiter.

Diese und ähnliche Praktiken passen laut ARD zu aktuellen Statistiken der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA: Demnach sei Doping im Fußball in keinem anderen Land der Welt derart verbreitet wie in Brasilien. Zuletzt habe es 17 registrierte Fälle innerhalb eines Jahres gegeben - damit liegt das Land des Rekordweltmeisters an der Spitze vor Italien, dem Iran und Malta. Zuletzt hatte Nationalspieler Fred, der auch im WM-Kader Brasiliens steht, eine entsprechende Sperre abgesessen. Er war 2015 positiv auf die verbotene Substanz Hydrochlorothiazid getestet worden.

Als Ausrede bei positiven Doping-Befunden würden sich Spieler immer wieder auf verunreinigte Medikamente berufen. Der Portugiese Luis Horta, der die brasilianische Anti-Doping-Agentur mit aufbaute, hält diese Argumentation jedoch für wenig stichfest: "Es ist unmöglich, dass das so häufig passiert", wird er von der ARD zitiert.


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