Nationalspieler im "Bild"-Interview : Kroos: "Wer nur Lobeshymnen hört, tut sich schwer, wenn er auf der Bank sitzt"

Am Mittwochabend verlor Toni Kroos mit Real Madrid das europäische Supercup-Finale in Talinn gegen den Stadtrivalen Atletico Madrid nach Verlängerung mit 2:4. Foto: imago/ZUMA Press
Am Mittwochabend verlor Toni Kroos mit Real Madrid das europäische Supercup-Finale in Talinn gegen den Stadtrivalen Atletico Madrid nach Verlängerung mit 2:4. Foto: imago/ZUMA Press

Kroos prangert das Defensivverhalten des DFB-Teams an. Trotzdem sollte die Mannschaft die Spielphilosophie beibehalten.

shz.de von
16. August 2018, 10:16 Uhr

Berlin | Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss nach Meinung von Toni Kroos zwar wieder besser in der Defensive werden, sollte aber ihre grundsätzliche Spielweise trotz des erstmaligen Vorrunden-Aus bei einer WM nicht ändern. "Wir müssen als Mannschaft, gemeinsam mit dem Trainerteam, einen Weg finden, damit wir unsere Philosophie – den Ball haben zu wollen – wieder mit erfolgreichem Fußball verbinden", sagte der gebürtige Greifswalder und Fußballer des Jahres in einem Interview der "Bild"-Zeitung (Donnerstag-Ausgabe).

Kroos verlangte, "dass wir wieder gieriger und zwingender werden, was das Toreschießen angeht". Dazu muss der Gegner wieder das Gefühl bekommen, dass er ungern gegen Deutschland spielt, fügte der Mittelfeldspieler von Real Madrid hinzu. "Wir müssen wieder unangenehmer werden im Defensivverhalten als Mannschaft. Das müssen wir verbessern – ohne dabei nur aufs Verteidigen aus zu sein."

"Wir müssen im Spiel bessere Lösungen finden"

Die bei der Weltmeisterschaft in Russland zu beobachtende Konzentration der Teams auf die Defensive mit dem Setzen von Nadelstichen nach vorn sieht Kroos nicht als Mittel für die DFB-Auswahl. "Diese Entwicklung sollten wir nicht mitgehen. Wir müssen in unserem Spiel bessere Lösungen finden. Die Qualität dafür bringen wir nach wie vor mit, davon bin ich überzeugt", sagte Kroos.

Gleichzeitig forderte er, man müsse wieder dahin kommen, dass jeder in der Mannschaft sein Ego in den Hintergrund stelle. Das werde in den Zeiten von Social Media, einigen ausschließlich lobenden Beratern und anderen Einflüssen allerdings nicht einfacher. "Wer nur auf Lobeshymnen hört und dann denkt, er ist der Beste, Tollste und Schönste, der tut sich schwer damit, wenn er plötzlich auf der Bank sitzt", sagte Kroos.

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