Revanche in EM-Qualifikation : Heimserie gerissen: Deutschland unterliegt Niederlande verdient mit 2:4

Deutschland führte zunächst, doch die Niederländer drehten das Spiel. Foto: imago images/MIS

Deutschland führte zunächst, doch die Niederländer drehten das Spiel. Foto: imago images/MIS

Was für ein Dämpfer: Joachim Löws junge Nationalmannschaft ist auf dem Weg zur EM wieder unter Zugzwang.

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06. September 2019, 08:41 Uhr

Hamburg | 93000 Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft haben in den vergangenen Monaten über die neue Tormusik bei Länderspielen abgestimmt. Bei seiner Premiere im Hamburger Volksparkstadion war die Elektrohymne „Kernkraft 400“ von Zombie Nations zwei Mal zu hören. Dennoch verlor die DFB-Elf das EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande mit 2:4.

Im ersten Länderspiel seit dem 8:0 gegen Estland im Juni vertraute Joachim Löw auf bekannte Gesichter. Der Bundestrainer, der die beiden letzten Partien wegen einer Trainingsverletzung verpasst hatte, setzte auf einen Block von vier Bayern-Spielern um Torwart und Kapitän Manuel Neuer. Die offensive Dreierreihe bildeten Marco Reus, Timo Werner und Serge Gnabry, der beim 3:2 in den Niederlanden im März ein Traumtor erzielt hatte. Sie bekamen es auf der anderen Seite mit Europas Fußballer des Jahres Virgil van Dijk in der niederländischen Innenverteidigung zu tun.

Gnabry staubt früh zur Führung ab

In den ersten Minuten bestimmten aber kurz noch andere Akteure das Geschehen. Die Gäste hatten sehr viel Ballbesitz auf dem erstaunlich holprigen Hamburger und kamen nach einem schlimmen Fehlpass von Nico Schulz zur ersten Chance. Den Versuch von Memphis Depay parierte Neuer sicher – und rund eine Minute später stand es 1:0. Nach einem Traumpass von Joshua Kimmich hatte Lukas Klostermann freie Bahn. Den unplatzierten Abschluss des Leipzigers wehrte Torwart Jasper Cillessen ab, den Abpraller verwertete Gnabry aber zur frühen Führung (9.).

Holland hat den Ball, Deutschland die Chancen

Am Verlauf änderte das Tor nichts. Die DFB-Elf überließ den Niederländern das Feld, um dann bei Ballgewinnen den Versuch zu starten, schnell umzuschalten. Bei einer dieser Gelegenheiten versuchte es Gnabry mit einem leichtfertigen und viel zu tief angesetzten Heber (27.). In einer mäßigen und recht tempoarmen ersten Hälfte behielten die Gäste insgesamt die Spielkontrolle, hatten allerdings wenig Ideen und kamen so nicht zu großen Gelegenheiten. Drei Minuten vor der Pause hatte Reus dann nach feinem Pass von Toni Kroos noch einen guten Abschluss, den Cillessen stark parierte.

Das Spiel kippt nach der Pause

Löws Taktik war zwar nicht unbedingt schön anzusehen, aber sie war eben zunächst erfolgreich und machte auch Sinn. Für das schnelle Umschalten agierten in der Spitze die richtigen Spieler, defensiv gab es aber einige Ballverluste und Fehlpässe. Und die Niederländer drückten nach dem Seitenwechsel weiter auf den Ausgleich. Zunächst wehrte Neuer einen Schuss von Georginio Wijnaldum noch hervorragend ab (56.). Drei Minuten später war der deutsche Keeper aber auch machtlos. Der zuvor unauffällige Frenkie de Jong war bei einer Hereingabe vor Schulz am Ball und hatte so viel Platz, um den verdienten Ausgleich zu erzielen.

Niederlande einfach entschlossener

Und es kam noch schlimmer. Bei einer Ecke köpfte van Dijk scharf aufs Tor – wieder war Neuer zur Stelle. Doch die Niederländer waren einfach entschlossener und behielten den Ball. Der überaus aktive Depay spielte flach nach innen und von Jonathan Tahs Fuß prallte das Spielgerät ins Tor.

DFB-Elf kommt kurz zurück

Das Spiel war nun endgültig zu Gunsten der Gäste gekippt – und doch kam die deutsche Mannschaft zurück. Nach einem Zweikampf mit Schulz bekam Matthijs de Ligt den Ball im Strafraum an die Hand. Schiedsrichter Artur Soares Dias entschied auf Elfmeter, den Kroos sicher verwandelte. Ein Treffer, der dem Team trotz weiterhin fehlerhaften Spiels vor 51299 Zuschauern im ausverkauften Stadion kurz Auftrieb gab.

Wijnaldum hat das letzte Wort

Die besseren Fußballer an diesem Abend waren aber ganz klar die Niederländer – und sie belohnten sich. Nach einem weiteren Fehlpass von Matthias Ginter schloss der eingewechselte Donyell Malen einen Angriff über mehrere Stationen in der 80. Minute zur erneuten Führung ab. Es war der Schlusspunkt einer nun unterhaltsamen Partie, die einen verdienten Sieger hatte und auf der anderen Seite einige wertvolle Erkenntnisse für die deutsche Mannschaft. Gute Ansätze auf dem Weg zurück in die Weltspitze sind zu erkennen, aber es gibt noch jede Menge zu tun. Am Montag wartet mit Nordirland der nächste unangenehme Gegner, der in Qualifikationsgruppe C bisher alle Spiele gewonnen hat.

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