"Nicht akzeptabel" : Özil-Berater mit Rundumschlag gegen DFB, Nationalspieler und Bayern-Bosse

Mesut Özil sorgt nach wie vor für Gesprächsstoff. Foto: imago/Focus Images
Mesut Özil sorgt nach wie vor für Gesprächsstoff. Foto: imago/Focus Images

Neuer, Kroos, Hoeneß und Co.: Sie alle werden von Erkut Sögüt teilweise harsch kritisiert.

shz.de von
18. September 2018, 14:04 Uhr

London | Mesut Özil sorgt auch vier Monate nach seinem umstrittenen Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan für Gesprächsstoff. Nun hat sich sein Berater Erkut Sögüt zu Wort gemeldet und mit einem regelrechten Rundumschlag gegen Medien und mehrere Größen aus dem Fußballgeschäft ausgeteilt. Özils Nationalmannschaftskollegen Manuel Neuer, Toni Kroos und Thomas Müller bekommen ebenso ihr Fett weg wie die Verantwortlichen des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß.

Sögüt über Neuer-Aussage: "Nicht akzeptabel"

"Mesut hat keinen Fehler gemacht, dabei bleibt es", sagt Sögüt im Magazin "11 Freunde". "Es ist eine Frage des Respekts, den Präsidenten zu treffen, wenn dieser darum bittet", erklärt der Berater. "Die beiden haben sich in all den Jahren immer wieder getroffen, das war nie ein Problem in der deutschen Öffentlichkeit." Die Vorwürfe, Özil habe mit dem gemeinsamen Foto mit dem türkischen Präsidenten Wahlkampfwerbung betrieben, weist Sögüt größtenteils zurück. "Das kann so aussehen. Aber in Wirklichkeit hat die deutsche Presse mit ihren ausufernden Berichten dem Präsidenten viel mehr geholfen. Viele Wahlberechtigte in Deutschland haben gedacht 'Jetzt erst recht!'" Von den rund 1,4 Millionen wahlberechtigten Türken in der Bundesrepublik hatte im Juni ungefähr die Hälfte an der Wahl teilgenommen. 65 Prozent der Stimmen fielen dabei auf Erdogan.

Angesprochen auf Manuel Neuer, Toni Kroos und Thomas Müller, gerät Sögüt in Rage. "Neuer wirft Mesut indirekt vor, nicht mit Stolz das deutsche Nationaltrikot getragen zu haben. Das ist nicht akzeptabel." Thomas Müller unterstellt er, die Diskussion gar nicht erst verstanden zu haben. Und von Kroos, der den via Twitter verkündeten und mehrteiligen Rücktritt Özils inhaltlich mit "einem hohen Anteil an Quatsch" bezeichnet hatte, fordert Sögüt: "Als gestandener Nationalspieler soll Kroos erklären, was er mit Quatsch meint." Die Worte der drei Spieler seien "mehr als enttäuschend und deplatziert." Sögüt weiter: "Für die Aussagen der drei gibt es nur zwei Erklärungen: Sie sind entweder naiv oder berechnend."

Vetternwirtschaft beim FC Bayern?

Überhaupt hätte sich Sögüt für seinen Schützling mehr Rückhalt des DFB gewünscht. Die von Özil geäußerten Rassismusvorwürfe seien nicht so wahrgenommen worden, wie sie gemeint waren: Der Bundestrainer verteidigt sich gegen einen Vorwurf, der nie erhoben wurde. Mesut wurde nicht im Team, sondern von der Mitte der Gesellschaft rassistisch angefeindet – da hätte ihn der DFB schützen müssen."

Özil-Berater: "Herr Hoeneß, Sie sind eine Schande für Deutschland"

Zuguterletzt teilt Sögüt noch gegen die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß aus. Letzterer hatte Özil bereits mehrfach öffentlich harsch kritisiert und unter anderem behauptet, Özil würde seit Jahren "einen Dreck" spielen. Über Hoeneß und Rummenigge sagte Sögüt: „Wenn hier irgendjemand ablenken will, dann sind es diese beiden. Und zwar von der Leistung ihrer eigenen Spieler, von ihrer Steuerhinterziehung, ihren unverzollten Rolex-Uhren und von der Vetternwirtschaft in ihrem Verein. Rummeniges Bruder Michael und Hoeneß` Bruder Dieter sind als Spielerberater aktiv. Michael wollte vor einigen Jahren Mesut abwerben."

Zudem erwähnt Sögüt einen öffentlichen Skandal, der sich in Folge der Özil-Diskussion in München ereignet hatte: Werner Steer, Geschäftsführer des Deutschen Theaters in München, hatte Özil damals auf Twitter schwer beleidigt. "Hallo du Idiot, du hast in der deutschen Nationalmannschaft nichts zu suchen. Verpiss dich nach Anatolien", hieß es in einem Tweet. In einem anderen schrieb Steer an Özil gerichtet: "Spiel doch bei deinem türkischen Hitler."

Steer entschuldigte sich später für seine Ausraster: "In meinen letzten Tweets zum Thema Ilkay Gündogan und Mesut Özil habe ich mich in meiner Wortwahl vergriffen und diese daher gelöscht", teilte Steer später mit.

An Hoeneß und Rummenigge gerichtet sagt Özil-Berater Sögüt in dem Interview: "Ich habe kein Wort von den Bayern gehört zu den rassistischen Ausfällen des Theaterchefs in ihrer Stadt. Äußert euch doch mal dazu!"

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen