Karriere-Rückblick : Dirk Nowitzki: Der bescheidene Basketball-Superstar wird 40

Dirk Nowitzki hat die Messlatte für jeden anderen deutschen Sportler ziemlich hoch gelegt, und das nicht nur aus sportlicher, sondern auch und vor allem aus menschlicher Sicht.
Dirk Nowitzki hat die Messlatte für jeden anderen deutschen Sportler ziemlich hoch gelegt, und das nicht nur aus sportlicher, sondern auch und vor allem aus menschlicher Sicht.

Dirk Nowitzki ist trotz seiner vielen Erfolge auf dem Boden geblieben. Ein Rückblick auf seine 20-jährige Laufbahn.

shz.de von
19. Juni 2018, 15:50 Uhr

Dirk Nowitzki ist einer der erfolgreichsten Basketballspieler, die dieses Spiel jemals spielten – der erfolgreichste Europäer ist er ohnehin schon längst und wird es wohl auch auf absehbare Zeit bleiben. Trotzdem blieb der Würzburger stets bodenständig, nahbar und einfach sympathisch. Eigenschaften, die heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr im Profisport sind. Heute wird der Weltstar von nebenan 40 Jahre alt. Grund genug, um einen Blick zurück auf seine märchenhafte Karriere zu werfen.
 

Würzburg/Dallas | Das "German Wunderkind" sog den Sport quasi mit der Muttermilch auf, denn seine Mutter sowie seine Schwester waren Basketball-Nationalspielerinnen. Dirk kam über Turnen und Tennis erst im Alter von 13 Jahren zum Basketballsport und folgte somit nicht seinem Vater, der Profi-Handballer in der 2. Bundesliga war, sondern der weiblichen Familienseite.

Die ersten Schritte

Richtig los ging es für Nowitzki 1998. Neben seinem Bundeswehrdienst verhalf er dem Zweitligisten DJK Würzburg zum Aufstieg in die Bundesliga. Das ließ die Scouts aus Übersee bereits aufhorchen. Mit seiner Leistung beim jährlichen Nike Hoop Summit in San Antonio – eine Junioren-Weltauswahl, die gegen die größten US-Talente spielt – überragte der 19-Jährige sämtliche seiner Kollegen.

Nachdem er diese Leistung nur kurze Zeit später bei der U22-Junioren-Basketball-Europameisterschaft in Italien bestätigte, wurde er beim NBA-Draft an neunter Stelle von den Milwaukee Bucks ausgewählt, die ihn kurz darauf an die Dallas Mavericks abgaben. Ein Deal, den zumindest in Dallas heute niemand bereuen dürfte.

Aufstieg zum Führungsspieler

In seinem ersten NBA-Jahr tat der damals erst 20-Jährige sich noch schwer. Doch diese Unsicherheit hatte Nowitzki schnell überwunden und avancierte zum absoluten Führungsspieler – In den USA sagt man "Franchise-Player". Im Jahr 2001 führte er die "Mavs" nach elf Jahren Abstinenz wieder in die Playoffs, wo sie fortan Dauergast sein sollten.

Sein Spielstil war einzigartig, vor allem seine Würfe waren so gut wie kaum zu verteidigen. Dabei stieß sich der 2,13 Meter Mann nach hinten ab, ließ den Ball am höchsten Punkt los und warf ihn im hohen Bogen meistens mitten in die Reuse – Eine völlige Neuinterpretation des "Fadeaway". Ein Wurf, den er gemeinsam mit seinem Mentor Holger Geschwinder – ein Ex-Basketballer sowie studierter Mathematiker und Physiker, der den "perfekten Wurf" für Nowitzki errechnete – jahrelang entwickelt und verfeinert hatte.

Dirk Nowitzki.
dpa

Dirk Nowitzki.


Der Weg zum Titel

Nachdem Nowitzki die Dallas Mavericks in der Saison 2005/06 – unter anderem mit 50 Punkten in Spiel 5 der Conference-Finals gegen die Phoenix Suns – zum ersten Mal überhaupt in der Vereinsgeschichte in die NBA-Finals führte, unterlagen die Texaner dort den Miami Heat, obwohl sie in der Best-Of-Seven-Serie bereits mit 2:0 führten, noch mit 4:2 Siegen. Ausgerechnet Nowitzki vergab 3,4 Sekunden vor dem Ende von Spiel 3 mit einem missglückten Freiwurf die Chance zum Ausgleich und somit vorentscheidenden Sieg.

Der erste herbe Rückschlag für den Familienmensch Nowitzki, von dem er sich aber nicht aufhalten lassen sollte, auch wenn die Revange eine Zeit dauern würde. Um genau zu sein, fünf Jahre. Im Jahr 2011 kam es zur Neuauflage der Endspielserie von 2006 mit den Superstars LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh. Obwohl Nowitzki seit Spiel 1 mit einem Sehnenriss im linken Mittelfinger und in Spiel 4 mit schwerem Fieber zu kämpfen hatte, gewannen er und sein Team den NBA-Titel zum ersten Mal. Nowitzki war endlich am Ziel und ganz Deutschland freute sich mit dem erfolgreichsten deutschen Basketball-Export aller Zeiten.

Dirk Nowitzki.
dpa

Dirk Nowitzki.


Bescheidenheit geht vor

Trotz seiner unzähligen Erfolge ist Dirk Nowitzki stets demütig geblieben. Star-Allüren sind dem Würzburger fremd, ebenso wie dicke Autos oder auffällige Kleidung. Eine Anekdote, die aus der Anfangszeit von Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks überliefert ist, besagt beispielsweise, dass sich der Power Forward nur unter Protest von seinem ersten Auto, einem Golf II, trennen wollte.

Aber auch in Interviews und Talkshows gibt sich Nowitzki immer bescheiden, stellt das Team in den Vordergrund und sich zurück. So auch bei seinen Vertragsverhandlungen, bei denen er einen sogenannten "Max-Deal" ausschlug und auf 16 Millionen Euro Gehalt verzichtete. Als Gegenleistung wurde vereinbart, dass das dadurch eingesparte Geld für Neuzugänge verwendet wird, die den Mavericks beim Titelkampf helfen sollen. Weiterhin unterstützt "Dirkules" diverse karitative Organisationen wie die Kinderhilfsorganisation Unicef, die ihn sogar zum Botschafter ernannte.

 
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