Aufstand der "Kleinen" : Die Favoriten stolpern bei der WM

Auch Neymar konnte seine Weltklasse noch nicht in Tore und Siege ummünzen.Foto: Aflosport/Imago
Auch Neymar konnte seine Weltklasse noch nicht in Tore und Siege ummünzen.Foto: Aflosport/Imago

Die WM 2018 ist noch nicht das Turnier der Favoriten. Neben der DFB-Elf kamen auch andere Teams ins Straucheln.

shz.de von
19. Juni 2018, 16:37 Uhr

Sotchi | Zumindest befindet sich die deutsche Mannschaft in illustrer Gesellschaft. Zwar muss kein anderer der Mitfavoriten genauso schlimm um den Einzug ins Achtelfinale bangen wie die Löw-Elf, seinen Status als Kandidat auf den WM-Thron konnte aber kaum ein Team in Gänze bestätigen. Dafür ist ein Dreiklang aus Gründen verantwortlich.

1. Die Torhüter : Die Brasilianer waren drauf und dran, ihren Anspruch auf WM-Titel Nummer sechs mit einem imposanten Sieg gegen die Schweiz zu feiern. Dachten sie zumindest. Frühe Führung, Kabinettstückchen, Chancen - alles sprach für die Brasilianer. Nur nicht Yann Sommer. Der Keeper gab den widerborstigen Torsteher, wies Neymar und Co. wieder und wieder ab.

Weil die Schweizer ihrerseits den Ball irgendwie ins Tor murmelten, blieb den Brasilianern nur ein mickriges Pünktchen. Auf der anderen Seite machte sich der spanische Keeper David de Gea schuldig am Resultat gegen Portugal. Sein Team drängte den Gegner mehr und mehr in die eigene Hälfte, ehe er einen harmlosen Schuss Cristiano Ronaldos passieren ließ. Letztlich zeugt der Endstand von 3:3 ebenso von einem spektakulären Spiel wie auch von permeablen Abwehrreihen.

Schließlich noch der Isländer Hannes Halldorsson, der mit seinen Paraden die Argentinier verzweifeln ließ und unter anderem einen Elfmeter von Lionel Messi hielt. Die Belohnung: ein 1:1 gegen den Favoriten.

2. Schwäche der Stars: Cristiano Ronaldo hat bestätigt, warum er sich zurecht als besten Fußballer des Planeten sieht. Der Rest der Superhelden aber zeigte sich vornehm zurückhaltend. Messi wollte gegen limitierte Isländer ebenso wenig gelingen, wie Frankreichs stürmischem Trio. Der Dreizack Mbappé-Griezmann-Dembelé blieb eine stumpfe Waffe. Wohl dem, der zur Rettung einen Paul Pogba in seinen Reihen weiß. An außergewöhnlichen Spielern mangelt es auch den Brasilianern nicht. Ausgerechnet aber der brillanteste der Ihrigen geizte mit seinen Fähigkeiten. Möglicherweise aber nimmt sich Neymar auch an Superhelden der Marke Spiderman ein Vorbild. Die setzen ihre Fähigkeiten auch nur ein, wenn es die Umstände unbedingt verlangen.

3. Die Gegner: Berti und Rudi wussten es schon vor Jahrzehnten. Es gibt keine Kleinen mehr. Gegner, die sich liechtensteinesk abschießen lassen, sucht man bei einer WM vergeblich. Was den deutschen Spielern lästige Pflicht ist, ist Tugend der Außenseiter: solide Abwehrarbeit. Dass sich daran manch Favorit ergebnislos abarbeitet, soll nicht Island, Australien und Co. angelastet werden.

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