WM 2018 : Jogis Jungs: Der deutsche WM-Kader in der Analyse

Mission Titelverteidigung: Mit diesen 23 Spielern will Bundestrainer Joachim Löw bei der WM in Russland den Titel verteidigen.
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Mission Titelverteidigung: Mit diesen 23 Spielern will Bundestrainer Joachim Löw bei der WM in Russland den Titel verteidigen.

Der WM-Kader des DFB-Teams ist sowohl qualitativ als auch quantitativ hochwertig. Dennoch gibt es Schwächen.

shz.de von
11. Juni 2018, 15:24 Uhr

Hamburg | Bei der endgültigen Kadernominierung zeigte sich einmal mehr, wie wichtig es Bundestrainer Joachim Löw ist, dass die Chemie in seiner Mannschaft stimmt. Fast keiner hatte damit gerechnet, dass ausgerechnet der in England groß aufspielende Leroy Sané noch aus dem Kader gestrichen wird. Die Entscheidung pro Julian Brandt anstatt Sanés ist aber ein typischer Schritt vom Bundestrainer. Löw hat alle Positionen mindestens doppelt besetzt und setzt bei seiner dritten Weltmeisterschaft als Cheftrainer auf einen ausgeglichen Kader mit erfahrenen Weltmeistern und hungrigen Talenten.

Tor

Manuel Neuer geht als Nummer eins ins Turnier und wird, sollte er sich nicht verletzen, am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko im Tor stehen. Noch gerade rechtzeitig ist der Kapitän fit geworden. Auch wenn ihm die Matchpraxis fehlt, hält Löw an ihm fest. Neuer deutete bereits im Testspiel gegen Österreich an, dass er nichts verlernt hat. Mit zunehmender Turnierdauer könnte Neuer wieder zum großen Rückhalt des DFB-Teams werden. Sollte der Bayern-Keeper wider Erwarten doch Schwächen zeigen, stünde ein exzellenter Ersatz bereit. Marc-Andre ter Stegen würde in jeden anderem Nationalteam wohl die Nummer eins sein. Der Keeper des FC Barcelona spielte eine bärenstarke Saison bei den Katalanen und ist einer der besten Torhüter der Welt. Trotzdem musste er Neuer Platz machen und wird sich ohne Murren auf die Bank setzen. Keeper Nummer drei ist etwas überraschend Kevin Trapp von Paris St. Germain. Er war beim französischen Topclub in der abgelaufenen Saison nur Ersatz. Trapp wird aber wahrscheinlich ohnehin ohne Einsatz in Russland bleiben.

Abwehr

Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien bildeten Jerome Boateng und Mats Hummels die Innenverteidigung. Auch vier Jahre später setzt Bundestrainer Löw auf die beiden Weltklasse-Verteidiger. Boateng war am Ende der Saison zwar verletzt, wird aber wohl gerade noch rechtzeitig fit und kann gegen Mexiko spielen. Sollte seine Fitness nicht reichen, steht sein Teamkollegen aus dem Verein, Niklas Süle, als Ersatz bereit. Auch der vierte Innenverteidiger Antonio Rüdiger stellt nicht unbedingt ein Qualitätsverlust da. Auf den Außenbahnen haben Joshua Kimmich (rechts) und Jonas Hector (links) ihre Platz unter den ersten Elf sicher. Als Ersatz stünden Matthias Ginter und Marvin Plattenhardt bereit. Ginter sieht sich eher als Innenverteidiger, kann aber auch die Außenverteidiger-Position spielen. Der Herthaner Plattenhardt ist etatmäßigen Linksverteidiger ist hat seine Stärke vor allem in der Offensive.


Schlüsselspieler im DFB-Team: Toni Kroos. Foto: imago/DeFodi
Ralf Treese/DeFodi.eu
Schlüsselspieler im DFB-Team: Toni Kroos. Foto: imago/DeFodi



Mittelfeld

Das Prunkstück des Kaders ist zweifelsohne das Mittelfeld. Egal ob defensiv oder offensiv, kreativ oder zweikampfstark – Löw hat kaum Qualitätsverlust auf den einzelnen Positionen. Dennoch wird er höchstwahrscheinlich auf bewährte Kräfte setzen. Einen Platz sich unter den ersten Elf haben Sami Khedira, Toni Kroos und wohl auch der aktuell etwas schwächelnde Mesut Özil. Auf den zentralen Positionen hat Löw zudem noch starke Spieler in der Hinterhand wie zum Beispiel Ilkay Gündogan oder Leon Goretzka. Auch auf den Außenbahnen im Mittelfeld ist die Mannschaft exzellent aufgestellt. Thomas Müller, Marco Reus, Julian Draxler oder auch Julian Brandt machen es jeder Abwehr schwer. Mit Sebastian Rudy steht Löw zudem noch ein Allrounder zur Verfügung. Der Bayern-Spieler kann in der Zentrale alle Positionen bekleiden und kommt im Notfall auch für die Rechtsverteidiger-Position in Frage.

Sturm

Wie schon bei der WM in Brasilien ist der Sturm mit nur zwei Spielern nicht gerade üppig besetzt. Löw wird aber wahrscheinlich nur auf eine Spitze setzen. Timo Werner hat hier wohl zumindest im Auftaktspiel gegen Mexiko die Nase gegenüber Mario Gomez vorn. Als hängende Spitze könnten zudem auch noch Thomas Müller, Marco Reus oder auch Mesut Özil agieren.
 

Timo Werner ist im Sturm der DFB-Elf zumindest für das erste Spiel gegen Mexiko gesetzt. Foto: imago/Camera 4
Tilo Wiedensohler
Timo Werner ist im Sturm der DFB-Elf zumindest für das erste Spiel gegen Mexiko gesetzt. Foto: imago/Camera 4


Taktik

Der Bundestrainer hat in den vergangenen Monaten immer wieder experimentiert. Seine Grundausrichtung ist das 4-2-3-1-System mit nur einer Spitze und drei offensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern. Situationsabhängig kann das DFB-Team in der Abwehr aber auch mit einer Dreierkette spielen. Dann würde ein dritter Innenverteidiger spielen und die beiden Außenverteidiger bei Ballbesitz ins Mittelfeld rücken.

Ausblick

Die Mission Titelverteidigung geht Bundestrainer Joachim Löw mit einem qualitativ als auch quantitativ hochwertigen Kader an. Das Gerüst bilden die Weltmeister von 2014. Dazu kommen hochveranlagte Spieler wie Leon Goretzka, Ilkay Gündogan oder Timo Werner. Die Achse, auf die Löw sich verlässt, bilden Torwart Neuer, Mats Hummels, Toni Kroos. Der Kader ist auf allen Position doppelt besetzt und fällt höchstens auf den beiden Außenverteidiger-Positionen qualitativ ab. Löw betonte trotzdem, „ das alles passen muss“, sollte es mit dem fünften Titelgewinn klappen. Der viel zitierte Teamgeist war vor vier Jahren eines der Erfolgsgeheimnisse. Es wird entscheidend sein, ob die neun Weltmeister im Kader die Gier nach einem weiteren WM-Erfolg noch nicht verloren haben und ob die Neuen in der Mannschaft den Etablierten Konkurrenz machen können. Nur dann kann es mit der Titelverteidigung klappen, das gelang übrigens in der Geschichte erst zwei Teams Brasilien (1958/1962) und Italien (1934/1938).
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