Umzug nach Sotchi : Neuer vor "Endspiel" gegen Schweden: "Es hat geknallt"

Nach der Auftaktpleite gegen Mexiko wurde laut Manuel Neuer Klartext im deutschen Team gesprochen. Foto: imago/Schüler
Nach der Auftaktpleite gegen Mexiko wurde laut Manuel Neuer Klartext im deutschen Team gesprochen. Foto: imago/Schüler

Vor dem Umzug nach Sotchi stellte sich Manuel Neuer der Presse. Die musste zuvor allerdings lange auf den Torwart warten.

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19. Juni 2018, 18:40 Uhr

Moskau | Die Jobbeschreibung Manuel Neuers sieht Pünktlichkeit während der Ausübung seiner Arbeit vor. Wiederholtes verspätetes Eintreffen bei Flanken oder Schüssen würde ihn die Zertifizierung als Weltklassetorhüter kosten. Sein Erscheinen weit nach dem anberaumten Zeitpunkt dürfte allerdings wohlwollend von den Fans zur Kenntnis genommen werden.

Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft kam nicht etwa zu spät einem auf ihn zustürmenden Angreifer entgegen. Er ließ die versammelte Journalistenschar 50 Minuten auf sich warten. Bemerkenswert für die Verspätung war der Grund. "Wir hatten noch eine Teamsitzung, die länger gedauert hat", entschuldigte er sich bei den wartenden Reportern. Inhalt der Mannschaftsbesprechung waren nicht Laufwege und taktische Formationen, sondern Grundsätzliches. "Wir nehmen kein Blatt vor den Mund, damit es gegen Schweden besser wird. Wir haben viel miteinander geredet. Solche Sitzungen tun gut, es ist ein befreiendes Gefühl", berichtete Neuer über die Stimmung innerhalb der Mannschaft.



Nicht nur die Anhänger hatten das Gefühl, dem Team hätte es im Eröffnungsspiel an den Basistugenden gefehlt. Auch Jerome Boateng sah eine Leistung, die ein Scheitern in der Vorrunde als realistisches Szenario erscheinen lässt: "Zumindest teilweise hat uns die Leidenschaft gefehlt. Man kann mal schlecht spielen, solche Tage gibt es. Aber der Kampf muss da sein. Fußball ist immer noch ein Spiel, bei dem sich zwei Mannschaften bekämpfen." Gegen Mexiko sei davon in der ersten Halbzeit zu wenig davon gesehen zu wesen. Dass diese offensive Kritik auf der verbandseigenen Homepage geäußert wurde, überrascht. Dort wird ansonsten eher beschönigt und relativiert. Doch dafür war der Auftritt gegen Mexiko in sämtlichen Facetten zu schwach. Boateng zählte eine imposante Mängelliste auf. „Wir müssen zielstrebiger nach vorne spielen. Das war zu viel Querpass, zu viel rückwärts, zu wenig Bewegung, zu wenig Überraschung."

Neuer Elan an der Schwarzmeer-Küste?

Gepaart mit mangelnder Leidenschaft zieht das die nun gedrückte Stimmung im Mannschaftsquartier der Deutschen als Konsequenz hervor. Jenes Quartier verlegten die Mannschaft noch am gestrigen Dienstag von Moskau nach Sotschi. Die frühzeitige Abreise aus der russischen Hauptstadt war von jeher so geplant gewesen. Am Schwarzen Meer soll nun der Elan geschöpft werden, der am vergangenen Sonntag gefehlt hat. Während des Confed-Cups im vergangenen Jahr sammelte die Mannschaft in Sotschi durchweg positive Erfahrungen. Palmen und wohlige Erinnerungen allein werden die Mannschaft aber nicht in die Erfolgsspur führen. Immerhin hat Neuer auch schon im Training eine forschere Herangehensweise seiner Mitspieler ausgemacht. "Es hat geknallt. Die Spieler, die nicht gespielt haben, haben sich voll reingehauen."

Druck auf die arrivierten Spieler wächst

Der Druck auf die arrivierten Spieler wächst also. Neben Neuer dürfen sich zwar Mats Hummels, Boateng und Kroos noch als gesetzt fühlen. Alle anderen langjährigen Säulen des Teams aber haben ihren Anspruch auf einen Stammplatz verloren. Sami Khedira und Thomas Müller schwächelten extrem, Mesut Özil erlangte nie die Deutungshoheit über das Spielgeschehen. Mit Julian Brandt, Ilkay Göndogan, Leon Goretzka und vor allem Marco Reus drängen hoch veranlagte Spieler in die erste Reihe.


Auch im WM-Studio wurden die Fehler der Nationalmannschaft analysiert:


So lau das Verhalten auf dem Platz gegen Mexiko, so sehr lobt Neuer die Reaktion auf das Spiel. "Da zieht sich keiner aus der Verantwortung. Wir haben schon nach dem Spiel im Bus viel geredet, bei jedem Essen. Wir versuchen, Punkte zu finden, wo wir ansetzen können, uns ehrlich die Meinung zu sagen.“

Nachdem nun alle Meinungen ausgetauscht wurden dürften sämtliche Spieler auf dem selben Stand sein. Abstimmungsprobleme wie gegen Mexiko sollten der Vergangenheit angehören. Ansonsten wird Neuer wieder vor die Presse treten müssen. Dann aber als Kapitän einer deutschen Nationalmannschaft, die in der Vorrunde ausgeschieden ist.

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