Reservespieler bei der WM : Verteidiger Antonio Rüdiger: "Angst werde ich nie haben"

Kevin Trapp, Antonio Rüdiger und Leon Goretzka (v.l.) auf der deutschen Bank bei der Nationalhymne.
Kevin Trapp, Antonio Rüdiger und Leon Goretzka (v.l.) auf der deutschen Bank bei der Nationalhymne.

Antonio Rüdiger hat beim FC Chelsea viel gelernt und will das auch bei der Weltmeisterschaft in Russland zeigen.

shz.de von
21. Juni 2018, 15:35 Uhr

Sotchi | Früher beim VfB Stuttgart galt er als tickende Zeitbombe. Antonio Rüdiger spielte Fußball mit viel Kraft und Athletik. Und die Emotionen gingen gelegentlich mit ihm durch, er übertrieb die Aggressivität und ließ sich auch von anderen provozieren. "Ich wäre fast in eine Rambo-Schublade geraten. Aber ich habe in Italien und in England bewiesen, dass ich mich auch beherrschen kann", sagte Rüdiger zuletzt der Berliner Morgenpost. Der Verteidiger hat viel gelernt. Und wartet bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland auf seine Chance bei Bundestrainer Joachim Löw.

Und die ist nicht unrealistisch. Wie die von Niklas Süle oder Matthias Ginter, Leon Goretzka, Ilkay Gündogan und Sebastian Rudy. Sie bieten sich jeden Tag im Training an, brennen auf den Einsatz und geben sich trotz des Frusts, Ersatzspieler zu sein, hundertprozentig motiviert. Julian Brandt, Mario Gomez und Marvin Plattenhardt hatten schon zum Auftakt erste Einsatzzeiten.

Kreuzbandriss im Trainingslager

Rückblende. Erstes Training in Evian les Bains. Es sollte auch seine Europameisterschaft werden. Antonio Rüdiger liegt nach einem harmlosen Zweikampf mit Thomas Müller verletzt auf dem Rasen. Kreuzbandriss lautet noch am Abend die niederschmetternde Diagnose. Keine Europameisterschaft, keine Etablierung in der Nationalmannschaft. Schicksal? Antonio Rüdiger nahm es in die Hand.

Bis 2015 stand er beim VfB unter Vertrag, dann wechselte er in die Serie A zum AS Rom. Bis 2017 spielte er dort, dann erfolgte der Wechsel zum FC Chelsea. Dort ist er als Innenverteidiger unumstrittener Stammspieler und gewann zuletzt den FA Cup. Mit der Nationalmannschaft gewann er 2017 den Confederations Cup in Russland. Wenn man ihn fragt, wo er zuletzt am intensivsten gelernt habe, dann antwortet er sofort: "Durch Luciano Spalletti habe ich eine Welt kennengelernt, die mir völlig neu war." Überzeugte er vorher fast ausschließlich im physischen Bereich, weihte ihn Spalletti in die taktischen Finessen des Fußballs ein. "Ich bin defensiv stabiler geworden. Ich habe mehr Selbstvertrauen, wenn ich den Ball am Fuß habe."

Rüdiger: "Mich zieht nichts zurück nach Deutschland"

Über die Bundesliga äußert sich der insgesamt eher wortkarge 25 Jahre alte Verteidiger inzwischen eher kritisch: "Mich zieht momentan nichts nach Deutschland zurück. Für mich ist die Premier League bisher die herausragende Liga der Welt." Solche Sätze wären dem Berliner früher in Stuttgart nicht über die Lippen gekommen.

Reservespieler zu sein, wurmt ihn. Wer ist schon gern ein Vertreter der zweiten Reihe. Bundestrainer Joachim Löw hält ihn jederzeit für eine Alternative in der Innenverteidigung. Wie Niklas Süle. Aber Antonio Rüdiger kann auch variabel auf den beiden Außenverteidiger-Positionen eingesetzt werden. Aber dafür muss der Weltmeister erst einmal im Turnier bleiben.

Löw schätzt Rüdigers Qualitäten

Rüdiger hat einmal erzählt, dass er Löwen bewundert. "Ich setze mich im Zoo gerne vor den Löwenkäfig und beobachte ihn. Der Löwe hat eine Aura, in ihm sieht man nur Stärke, keine Schwäche. Er hat keine Angst." Und ergänzt: "Egal, wer vor mir steht, Angst werde ich nie haben." Was man ihm früher beim VfB Stuttgart schon geglaubt hat. Aber er hat sich fußballerisch, technisch und spielerisch enorm verbessert. Weiß auch der Bundestrainer. Deshalb hat er ihn mitgenommen nach Russland. Rüdiger ist eine jederzeit abrufbare defensive Option für Joachim Löw. Und Rüdiger hofft weiter auf seine Chance in Russland. Wie die anderen.

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