TV-Tipp : Die Muse des Mörders

Schriftstellerin Madeleine Montana (Christiane Hörbiger) und ihr Sohn Oliver Sandberg (Florian Teichtmeister) können es nicht fassen, als die Geschichten im Buch plötzlich Wirklichkeit werden. /ZDF/dpa
Schriftstellerin Madeleine Montana (Christiane Hörbiger) und ihr Sohn Oliver Sandberg (Florian Teichtmeister) können es nicht fassen, als die Geschichten im Buch plötzlich Wirklichkeit werden. /ZDF/dpa

Die besten Tage liegen schon hinter der Autorin Madeleine Montana. Doch dann gelingt der Krimi-Diva ein unerwartetes mörderisches Comeback.

Avatar_shz von
22. Juni 2020, 00:01 Uhr

Madeleine Montana war mal ein Star, eine berühmte Bestsellerautorin. Sie wurde hofiert von ihrem Verleger, der ihr zu viel Geld verhalf - und umgekehrt. Heute lebt die alte Dame verarmt in ihrem Bungalow, liest höchstens mal vor einer Handvoll Rentner in einem trostlosen Wiener Café.

Doch dann kommt es in der österreichischen Hauptstadt zu spektakulären Morden exakt nach Mustern aus ihren Romanen. Was die Autorin, die sich Mado nennt, zwar entsetzt. Was ihr aber auch erlaubt, sich höchst durchtrieben wieder als glamouröser Mittelpunkt in Szene zu setzen.

Die Frau, die diese bissige Exzentrikerin in der Krimi-Wiederholung «Die Muse des Mörders» am Montag um 20.15 Uhr im ZDF spielt, ist alles andere als ein vergessener Star: Christiane Hörbiger, gefeiert bereits als Gräfin in der ZDF-Serie «Das Erbe der Guldenburgs» (1987-1990), gehört nach wie vor zu den Größten ihrer Branche.

Bei «Die Muse des Mörders» führte Hörbigers einziges Kind Sascha Bigler («Kommissar Pascha») Regie. «Für mich ist er als Regisseur ganz wunderbar, weil er eine besonders humorvolle und liebenswürdige Art mit allen Schauspielern hat», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur anlässlich der Erstausstrahlung im Herbst 2018.

In blassgrauen Farben malt Bigler das Bild der Stadt Wien, deren Bewohner hier oft in aus der Zeit gefallenen Räumen hausen. Blutrünstig inszeniert er die Morde, die den Fall nur bedingt zur Familienunterhaltung machen. So liegt eingangs die Leiche einer bestialisch abgeschlachteten Prostituierten in der Liliputbahn im Prater.

Später entdeckt die Kamera ein Auge unter dem Abflussgitter einer blutbeschmierten Badeanstalt - zu den Klängen des Popsongs «Love Letters Straight From Your Heart». Überhaupt kennzeichnen Brüche die Machart dieses raffinierten Krimis, in dem die Verbrechen sowie massive Probleme im zwischenmenschlichen Bereich von den Beteiligten mit Sarkasmus, aber amüsant augenzwinkernd in Worte gefasst werden.

Hauptattraktion des Films ist natürlich die Hörbiger (81), die von sich sagt, sie lese Krimis privat «nur im äußersten Notfall, wenn ich nicht schlafen kann». Sie scheut sich in einer Szene nicht, ihr ungeschminktes, faltiges Gesicht auszustellen. «Auch noch da», lautet lakonisch dazu ihr Kommentar beim morgendlichen Blick in den Spiegel.

© dpa-infocom, dpa:200618-99-469304/3

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert