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24. November 2017 | 09:59 Uhr

Donald Trump : „Schließlich bin ich der Präsident“

vom

Trotz CNN-Prügelvideo und zunehmender Kritik: Anhänger sehen Trump weiter als Kämpfer – und nicht als Täter

Vier bis fünf Stunden, so ließen Insider aus dem Weißen Haus durchsickern, sitze Donald Trump täglich vor dem Fernseher und praktiziere das sogenannte „Hass-Zuschauen“: Das Konsumieren von Nachrichtenkanälen, die kritisch gegenüber ihm eingestellt sind. Und das TV-Verhalten des Präsidenten erklärt wohl auch den letzten Fauxpas in einer nicht enden wollenden Kette von Fehltritten. Das jetzt veröffentlichte Video mit einer symbolischen Prügelattacke auf CNN stieß auf breite Kritik nicht nur in den amerikanischen Medien und bei Presseverbänden, sondern sogar auch bei einigen Parteifreunden Trumps. Immer lauter wird zudem die Frage gestellt, wie vereinbar sein Verhalten mit seiner Vorbildfunktion als Präsident sei und wie stark es seiner internationalen Glaubwürdigkeit schade.

Doch Donald Trump verspürt wenig Lust, seine Attacken zu reduzieren – und stößt dabei auf Zustimmung bei seiner Kernwähler-Schicht. Am Sonnabend gab es bei der Ehrung von Kriegsveteranen im Kennedy-Center stehende Ovationen, nachdem Trump die Medien erneut ins Visier genommen hatte. Die „Lügenpresse“ versuche, ihn und seine Anhänger zum Schweigen zu bringen, so Trump, aber das werde er nicht zulassen. „Denn schließlich bin ich der Präsident und sie nicht.“

Bei Trump-Anhängern kommt auch an, dass First Lady Melania kürzlich verlauten ließ, ihr Gatte wehre sich eben, wenn er angegriffen werde. CNN hat dabei das Problem, dass der Sender kürzlich drei Redakteure nach einer zweifelhaften Berichterstattung über einen Trump-Freund und dessen vermeintliche Russland-Verbindungen zum Rücktritt zwang und anschließend eine Korrektur veröffentlichte – ein Vorgang, der für Trump ein gefundenes Fressen war. CNN wird seitdem von ihm nur noch als „FNN“ – was für „Fake News Network“ steht – bezeichnet.

Der „fake news“-Vorwurf kam schon im Wahlkampf an bei einer Wählerschicht, bei der die führenden US-Medien als Teil des verhassten politischen Establishments gesehen werden. Umfragen zeigen deshalb seit Amtsantritt, dass der harte Kern der Trump-Anhänger ihr Idol trotz seiner oft irrational wirkenden Twitter-Attacken nicht als Täter, sondern als Kämpfer gegen ein verkrustetes und manipulatives System sieht, das es aufzubrechen gilt. Zwar lehnen derzeit 52 Prozent der US-Bürger das Verhalten Trumps ab – aber 48 Prozent offensichtlich nicht.


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