Gift-Eier : Schleswig-Holsteins Geflügelbauern bleiben gelassen

 Angesichts des Skandals um Dioxin in Eiern hat Schleswig-Holsteins Verbraucherzentrale dazu geraten, zunächst Produkte aus dem Land und Bio-Eier zu kaufen
Angesichts des Skandals um Dioxin in Eiern hat Schleswig-Holsteins Verbraucherzentrale dazu geraten, zunächst Produkte aus dem Land und Bio-Eier zu kaufen

Wie kam das Dioxin ins Hühnerfutter? Staatsanwälte, Kriminalpolizei und Laborexperten treibt diese Frage um. Die Justiz ermittelt gegen die Leitung einer Firma aus Uetersen.

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05. Januar 2011, 08:36 Uhr

Bis Dienstagabend sah es so aus, als seien Betriebe in Schleswig-Holstein nicht vom Dioxin-Skandal betroffen. Doch dann kam um 17.30 Uhr der Anruf aus der Hamburger Umweltbehörde. Ein Mischfutterwerk aus der Elbmetropole, das dioxinbelastete Fette verarbeitet haben soll, hat auch Futter nach Schleswig-Holstein geliefert. "Bei uns im Norden sind 55 landwirtschaftliche Betriebe und sieben Genossenschaften beliefert worden", bestätigte Gerald Finck aus dem Kieler Umweltministerium. Nach dem Eingang der Hamburger Warnmeldung standen die Telefone im Ministerium nicht mehr still. Alle betroffenen Betriebe im Norden wurden angerufen und den Besitzern untersagt, das möglicherweise verunreinigte Futter an ihr Vieh zu verfüttern. Heute soll dann laut Finck geprüft werden, ob der Dioxin-Grenzwert tatsächlich überschritten wird.
"Bei den diversen Verarbeitungsschritten kommt es zu einer deutlichen Verdünnung der dioxinhaltigen Fette. Deshalb steht noch nicht fest, ob die Futtermittel nicht mehr verkehrsfähig sind", erläuterte Finck. Was exakt mit den Bauernhöfen und Genossenschaften passiert, sollte sich herausstellen, dass der Dioxin-Gehalt ihres Mischfutters zu hoch ist, stand am Abend noch nicht fest.
Aus Niedersachsen lagen indes erste Testergebnisse vor: Bei 15 von 18 untersuchten Geflügel-Höfen lag die Dioxin-Menge in den Eiern unterhalb der erlaubten Höchstgrenze. In einem Betrieb war der Grenzwert aber überschritten, bei zwei anderen Beständen wurden kritische Dioxin-Werte ermittelt.
"Transportkosten sind zu hoch"
Die Geflügelbauern in Schleswig-Holstein bleiben dennoch gelassen. "Es ist definitiv so, dass keine belasteten Fettsäuren an Futtermittelhersteller in Schleswig-Holstein geliefert wurden!" Dies erklärte gestern Hans-Peter Goldnick, Vorsitzender des Geflügelwirtschaftsverbandes Schleswig-Holstein/Hamburg, gegenüber dem sh:z. Er beruft sich auf das Kieler Umweltministerium und auf die Auskünfte der fünf Tierfutter-Produzenten im Land. Zudem hält er es für unwahrscheinlich, dass Mitgliedsbetriebe seines Verbandes Futtermittel außerhalb Schleswig-Holstein geordert haben. "Dafür sorgt schon die Marktferne, die Transportkosten sind zu hoch." Sicher ist sich Goldnick aber auch aus einem ganz anderen Grund: Die 60 mittelständischen Legehennen-Farmen in Schleswig-Holstein sind bemüht, Eier der Klassen L und XL zu produzieren. Denn die Kunden der gut aufgestellten Lebensmittelmärkte legen Wert auf große Eier mit einem schönen großen Dotter. Entsprechend lassen sich höhere Preis erzielen. Damit Hennen größere Eier (mehr als 63 Gramm) legen, wird das Futter mit Linolsäure angereichert. Dies wirkt stimulierend auf die Tiere, die gelegten Eier können so wenige Gramm mehr wiegen - was den großen Unterschied zur nächsten Handelsklasse ausmacht. Da die mit Dioxin verseuchten Fettsäuren nur einen geringen Linolsäure-Anteil enthalten, ist Goldnick sicher, dass Schleswig-Holsteins Geflügelbetriebe nicht betroffen sind.
Er selbst hält in seinem Betrieb in Nehms bei Bad Segeberg jeweils 20.000 Hennen im Freiland und in der Bodenhaltung, zudem vermarktet er die Eier von 15.000 Biohennen. Jeden Tag verlassen etwa 80.000 Eier den Hof, beliefert wird der Handel in Schleswig-Holstein und Hamburg.

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