Kieler Woche : Puppenspieler mit Liebe zum Detail

Marc Schnittger zwischen Adam (Johannson, rechts) und Eva (Baxter, links) – zwei Charaktere aus dem Stück 'Der Garten der Lüste'. Foto: Smit
Marc Schnittger zwischen Adam (Johannson, rechts) und Eva (Baxter, links) – zwei Charaktere aus dem Stück "Der Garten der Lüste". Foto: Smit

Marc Schnittger ist ein Allround-Talent: Er entwirft und gestaltet die Figuren und haucht ihnen auf der Bühne Leben ein. Der renommierte Puppenspieler aus Kiel tritt beim Kieler Woche-Hoftheater auf.

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23. Juni 2011, 09:24 Uhr

Kiel | Im sechsten Jahr zeigt das Kieler Hoftheater hochkarätiges Figurentheater auf der Kieler Woche, seit 2009 in Pagodenzelten im Hiroshima Park. In diesem Jahr ist der künstlerische Leiter, Andreas Schauder vom lüdemann-theater, besonders stolz. Der Figurenbildner und Puppenspieler Marc Schnittger wird mit seinem Kompagnon Arne Bustorff in drei Vorstellungen am Sonnabend, 25. Juni, eine angepasste Version von "Die entführte Prinzessin" zeigen.
"Wir können unser Glück kaum fassen und freuen uns sehr, einen so renommierten Künstler dabei zu haben", erklärte Schauder. Schon im vergangenen Jahr habe er den Wunsch gehabt. Aber da tourte Marc Schnittger gerade durch Brasilien. Schnittger ist Kieler. Schon mit sechs Jahren begann er, sich bunt gemischte Materialien zu suchen und erste Puppen daraus zu bauen. Auf dem Gymnasium entdeckte der Kunstlehrer sein Talent und stellte ihn mit 16 Jahren frei, damit er Seminare des Puppenbauers Peter Röders besuchen konnte. In Röders privaten Räumen trafen sich internationale Figurenbildner und Spieler und tauschten sich aus. "Hier habe ich Blut geleckt, hier hat sich mir die ganze Welt geöffnet", erinnert sich Schnittger. In wenigen Jahren belegte er 23 Seminare, lernte wie man kleine Puppen und große Figuren aus Hartschaum und anderem bauen kann oder wie das Schattentheater funktioniert - einfach alles rund um das Figurentheater. "Davon zehre ich heute noch", berichtet er.
Auch Inszenierungen für Erwachsene
Nach dem Zivildienst studierte Schnittger zwei Jahre an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, wechselte dann an die Schauspielschule nach Hamburg. Nebenbei entstand sein erstes Stück "Die Weltreise für Kinder und Erwachsene", das er vorwiegend an Schulen aufführte. Inzwischen ist sein Repertoire auf zehn Stücke angewachsen, sechs davon Inszenierungen für Erwachsene. Er arbeitet mit einem Inszenierungsstab, je nach Stück zuständig für Regie und Ausstattung, und wird gefördert durch das Land Schleswig-Holstein sowie das Kulturamt der Landeshauptstadt und dem Fonds Darstellende Künste. Schnittger erhielt 2003 mit "Hamlet" den Grand Prix auf einem internationalen Solo-Puppenspieler-Festival in Lódz/Polen und machte Gastspielreisen nach Frankreich, Belgien, Holland, Bulgarien, Brasilien und Israel. Auf Einladung des Goethe-Instituts in Kairo/Ägypten gab er dort fünf Vorstellungen eines Szenenprogramms für Erwachsene und verschiedene Workshops.
Marc Schnittger ist ein Allround-Talent: Er entwirft die Figuren, gestaltet sie aus verschiedenen Materialien, bearbeitet sie mit flüssigem Latex oder Leder und haucht ihnen auf der Bühne Leben ein. Ob bei der Gestaltung von Fingerfiguren oder lebensgroßen Charakteren, bei der Sprache, der Gestik, vor allem aber im Spiel selbst - das Markenzeichen des 45-Jährigen ist die Liebe zum Detail. Die Sprache ist dabei oft zweitrangig, der Geh- und Sprechrhythmus, die Bewegungen und die Blicke lassen die Situation entstehen. Er will die Komik über das Groteske zeigen. "Die Domäne des Puppentheaters ist nicht der Naturalismus, sondern das Absurde und Groteske", erklärt der Künstler.
Schnittger: "Kinder sind die Kunstschätzer von morgen"
Auch bei der Umarbeitung für die Aufführungen im Hoftheater legt Schnittger nur ganz vorsichtig Hand an und passt auf, dass kleine, aber feine Details nicht verloren gehen. "Kinder gucken viel feiner. Und sie haben das Recht darauf, gute Kunst zu erleben. Schließlich sind sie die Kunstschätzer von morgen", sagt er.
Schnittger freut sich, dass im Hoftheater ein Querschnitt dessen gezeigt werde, was es an guter Figurentheaterszene in Deutschland gibt, und hofft darauf, dass diese Serie noch lange fortgesetzt wird. "Der Ort, die Ausstattung, das Programm - das Hoftheater hat sich von Jahr zu Jahr gesteigert", erklärt er. Aber er gibt auch seiner Hoffnung Ausdruck, für "sein Handwerk" einen noch weiter optimierten Rahmen in seiner Heimatstadt zu bekommen: "Vielleicht einmal mit einem kleinen Festival außerhalb der Kieler Woche".
Marc Schnittger, Arne Bustorff: "Die entführte Prinzessin", Sonnabend, 25. Juni: 14.45 Uhr, 16 Uhr und 17.15 Uhr im Hoftheater.
Weitere Informationen unter www.marcschnittger.de
(dod, shz)

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