Hamburg : Proteste gegen Einheits-Feier weitgehend friedlich

Rund 1500 linke Demonstranten ziehen durch Hamburgs Straßen. Mindestens viermal so viele Polizisten schirmen sie ab. Foto: dpa
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Rund 1500 linke Demonstranten ziehen durch Hamburgs Straßen. Mindestens viermal so viele Polizisten schirmen sie ab. Foto: dpa

Eine deutsche Fahne wurde verbrannt - ansonsten blieb die Demo gegen die Feier zum Tag der Deutschen Einheit friedlich. In Hamburgs Hafencity feiern die Menschen ausgelassen.

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03. Oktober 2008, 04:26 Uhr

Rund 1600 Demonstranten aus dem linken Spektrum haben in Hamburg gegen die Feier zum 18. Jahrestag der Deutschen Einheit protestiert. Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften oder andere Zwischenfälle habe es nicht gegeben, sagte Polizeisprecher Ralf Meyer. "Alles ist ruhig geblieben". Für den Abend rechneten die Beamten aber mit möglichen Ausschreitungen im Schanzenviertel oder Störungen beim Bürgerfest zum Tag der Einheit in der Hafencity. "Wir beobachten die Lage weiterhin aufmerksam", sagte Meyer.
Die Teilnehmer der Demonstration unter dem Motto "Hart Backbord - Kein Grund zum Feiern" hatten sich am Mittag in der Hafenstraße im Stadtteil St. Pauli versammelt. Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot zogen sie anschließend durch die Innenstadt. Das Ziel des Protestzuges lag in unmittelbarer Nähe des Bürgerfests in der Hafencity. Etwa 1000 Polizisten waren bei der Demonstration im Einsatz. In ganz Hamburg sind es laut Meyer rund 3600.
Während des Protestzugs verbrannten die überwiegend schwarz gekleideten Demonstranten eine Deutschlandfahne und riefen Parolen wie "Nie wieder Deutschland" und "No Border, No Nation" (keine Grenzen, keine Nation). Man wolle mit der Veranstaltung gegen den "reaktionären Einheitstaumel" demonstrieren, sagte eine Sprecherin der Organisatoren bei der Schlusskundgebung.
"Wir wollen unsere Meinung auf die Straße bringen"
Die Polizei hat sich nach eigenen Angaben auf "gewaltsame Störaktionen" eingestellt. Ein Sprecher der Veranstalter der Demonstration sagte, man rechne nicht mit Gewalttaten. "Wir haben kein Interesse an einer gewalttätigen Demonstration. Wir wollen unsere Meinung auf die Straße bringen", sagte er.
Diesen Eindruck hat auch shz.de-Reporter Peter Wüst. "Die angezündete Deutschlandfahne zu Beginn des Protestzugs hat die Polizei schnell mit Wasserwerfern gelöscht", berichtet Wüst. Ansonsten verlief der Protestzug ruhig. Wüst: "Es wurde höchstens mal krakehlt". Die Menschen in der Hafencity bringt das nicht vom Feiern ab. "Da ist die Stimmung super", so Wüst.
Ole von Beust eröffnete zentrale Feier
Mit einer Rede über das Wir-Gefühl der Deutschen hat der amtierende Bundesratspräsident und Erste Bürgermeister Hamburgs, Ole von Beust (CDU), den zentralen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit eröffnet. "Umfragen haben gezeigt, dass der Begriff Nation bei unseren Jugendlichen positiv besetzt ist", sagte von Beust nach einem vorab veröffentlichten Redemanuskript im Hamburger Theater im Hafen. Dies sei ermutigend, denn es könne gelingen, sich der eigenen Geschichte bewusst und zugleich im Reinen mit Deutschland zu sein.
Vor rund 1300 geladenen Gästen, darunter Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), betonte Beust, das Motto der diesjährigen Feier, "Kulturnation Deutschland", stehe für das Gemeinschaftsgefühl der Deutschen: "Kultur fragt nicht nach Abstammung und Herkunft, sondern nach Empfindungen." Kultur zeichne ein buntes und einzigartiges Bild des Landes und präge "unsere Identität".
Die Kultur habe in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, die Deutsche Einheit gedeihen zu lassen. "Die Mauer in den Köpfen und Herzen ist fast abgetragen", sagte von Beust. Daher könne das Land gemeinsam "noch lebenswerter" gemacht und Vielfalt erlebt werden, "auch dank der Einflüsse von außen und von Menschen aus anderen Kulturen".

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