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19. November 2017 | 22:51 Uhr

Umdenken : Mit dem Klima wandelt sich der Städtebau

vom

Ob Beton, Mörtel oder Dichtungen - Baustoffe können nur bei bestimmten Temperaturen verarbeitet werden. Die Richtlinien werden aufgrund der extremeren Witterung jetzt neu berechnet.

shz.de von
erstellt am 30.Jul.2011 | 07:14 Uhr

Während Politiker noch darum ringen, wie der Klimawandel gebremst werden kann, akzeptieren die für den Städtebau Verantwortlichen schon ganz konkret, dass ihnen Veränderungen ins Haus stehen: Normen und Richtlinien für Bauherren werden an steigende Temperaturen, Starkregen sowie zunehmende Eis- und Schneelast angepasst. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung überarbeitet gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst den Klima-Datensatz, der diesen Vorschriften zu Grunde liegt.
Bisher basieren Vorgaben wie etwa die DIN-Normen auf dem Witterungsverlauf von 1961 bis 1990. "Das spiegelt mittlerweile nicht mehr die Realität wider", sagt Uwe Wienert, Sachgebietsleiter für Angewandte Klimatologie beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Erst um 1990 herum nämlich seien schleichende Veränderungen des Klimas spürbar geworden. Also haben die Fachleute jetzt mit jüngeren Messwerten und Szenarien für die künftige Entwicklung des Klimas neu gerechnet. "Die Ergebnisse sollen mindestens 30 Jahre bis zur nächsten Renovierung durchhalten", unterstreicht Wienert. "Es gilt, heute so zu bauen, dass die Räume in drei Jahrzehnten noch nutzbar sind."
Im Sommer kommt keine Wärme rein - im Winter keine Kälte raus
Den Anfang machte ein vom Bundesbauministerium in Auftrag gegebenes Forschungsprojekt über die Frage, wie mit mehr Wärme umzugehen ist. "Die Entwicklung der Temperatur lässt sich mit größerer Sicherheit vorhersagen als etwa die Windlast", nennt Wienert einen Grund für diese Auswahl. Konkret geht es um Empfehlungen für die Anpassung von Kühlung, Heizung und Lüftung. Dämmung und eine intelligente Steuerung von Gebäudeöffnungen sind ein großes Thema – "so, dass im Sommer keine Wärme rein und im Winter keine Wärme herauskommt", formuliert Wienert die Ideal-Philosophie.
Auch die Bautätigkeit selbst wird vom Wetter beeinflusst. So können Beton, Mörtel, Abdichtungen, Kleber oder Anstriche nur in bestimmten Temperaturbereichen verarbeitet werden. Über Einzelgebäude hinaus, so betonen die Experten vom Wetterdienst in ihrer Studie, müsse sich auch die komplette Stadtplanung umstellen: vom Ausbau von Frischluftschneisen über mehr Grün- und Wasserflächen bis zu einer aufgelockerten Bauweise. Letzteres wird auch erforderlich sein, um das Versickern von Starkregen zu ermöglichen – ein Gebiet, auf dem die Stadtplaner nach Einschätzung Wienerts "noch besonders viel zu tun bekommen werden". So genannte Stark-Niederschlags--ereignisse könnten sich laut DWD von heute deutschlandweit 20 pro Jahr auf 40 zur Mitte des Jahrhunderts erhöhen.
Einen Trost hat der DWD für die Baubranche auch parat: Die Zahl der Tage mit so genannter, durch zu kalte Witterung hervorgerufene "erschwerter Bautätigkeit" wird pro Jahr um drei abnehmen. Heute sind es in Norddeutschland im Schnitt 20 Tage.
(fju, shz)

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