Tarifkonflikt an den Damp-Kliniken : Kündigung im Blümchen-Umschlag

Streik bei den Damp-Kliniken: Der Helios-Konzern reagiert mit Kündigung sämtlicher Verträge für die Damper Servicegesellschaft ZSG. Foto: Staudt
Streik bei den Damp-Kliniken: Der Helios-Konzern reagiert mit Kündigung sämtlicher Verträge für die Damper Servicegesellschaft ZSG. Foto: Staudt

Die Damp-Kliniken setzen 1000 Service-Mitarbeiter "vorsorglich" vor die Tür. Ein Insider sagt: Der Konzern Helios sucht "marktgerechte Lösungen".

Avatar_shz von
23. Juni 2012, 12:17 Uhr

Damp/Schleswig | Große Sprünge sind mit 8,67 Euro Stundenlohn nicht zu machen. Ein Berufseinsteiger in der Wäscherei der Damp-Gruppe kommt bei einer 40-Stundenwoche damit auf einen Monatsverdienst von 1490 Euro. Brutto - Sozialabgaben und ein kleinerer Obolus für den Finanzminister gehen davon noch ab.
Eigentlich wollen die rund 1000 Mitarbeiter, die bei der Damper Servicegesellschaft ZSG angestellt sind und sich um die Verpflegung, die Hygiene, aber auch um frische Wäsche, sterile medizinische Gerätschaften und den Fahrdienst an den acht Standorten kümmern, mit ihrem Streik eine Gehaltserhöhung von 7,5 Prozent durchsetzen. Doch womöglich überweist ihnen die ZSG im Juli zum letzten Mal das Gehalt. Danach droht vielen Mitarbeitern der Gang zum Arbeitsamt, denn gestern steckte die Kündigung im Briefkasten - im Blümchen-Umschlag!
ZSG-Preise - "weit über Marktniveau"?
Und das begründet der neue Eigentümer der Damp-Gruppe, der Helios-Konzern, so: Da das konzerneigene Tochterunternehmen ZSG streikbedingt nicht mehr in der Lage sei, vertraglich vereinbarte Leistungen zu erbringen, habe Helios die Verträge mit der "Zentralen Service-Gesellschaft Damp" (ZSG) gekündigt und deren 1000 Mitarbeitern "vorsorglich" ebenfalls. Darunter auch allen Betriebsratsmitgliedern. Rechtswidrig - wie die Gewerkschaft behauptet - sei die Kündigung nicht, versichert Regionalgeschäftsführer Jörg Reschke. "Aufgrund des Streiks ist der Betriebsrat nicht zu beteiligen. Das muss auch Verdi bekannt sein."
Kenner der Branche vermuten, dass hinter der Eskalation handfeste wirtschaftliche Interessen des Gesundheitsdiscounters Helios stehen, der nach der erfolgreichen Übernahme der Damp-Gruppe (500 Millionen Euro) jetzt auch die Klinikkette Rhön (3,2 Milliarden Euro) schlucken will und Geld für diese Finanztransaktion braucht. "Helios will sich deshalb nicht länger durch existenzsichernde Tarifverträge binden lassen, sondern setzt auf sogenannte marktgerechte Lösungen - Stundenlöhne unter acht Euro sind dabei nicht ausgeschlossen", fürchtet ein Insider. Schon im Mai - nur einen Monat nach Übernahme durch Helios - sind deshalb neue GmbHs gegründet worden. Dafür spricht auch die Ankündigung, die Reschke am Freitag machte: Der Konzern will bereits ab der kommenden Woche "betroffene Mitarbeiter über mögliche Beschäftigungsverhältnisse bei neuen Dienstleistern von Helios informieren". Zuvor hatte Reschke mehrfach bemängelt, dass die ZSG "mit ihren Preisen weit über Marktniveau liegt" und die Bilanz der früheren Damp-Kliniken dadurch "in Millionenhöhe belastet" worden ist.
Neue Gespräche am Montag
Finn Petersen von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hält die Behauptung, ZSG-Kräfte seien zu teuer, für falsch und vorgeschoben. Schon unter der alten Führung der Damp-Holding sei die Servicegesellschaft "arm gerechnet worden", indem der Mutterkonzern der Tochtergesellschaft ZSG hohe Verwaltungskosten in Rechnung gestellt habe. Viel schlimmer und bedenklicher sei jedoch, "dass der neue Eigentümer Helios den Menschen ihr Grundrecht auf Streik raubt", kritisiert Petersen. Für ihn stellt sich die Frage: "Was ist denn der Marktwert eines Menschen? 6,50 Euro, 5,50 Euro oder geht es noch billiger?"
Trotzdem: Für Montag sind neue Gespräche geplant. Beide Seiten wollen trotz der neuen Entwicklung daran teilnehmen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen