Sorge um Nahrungsmittel : Kommt verstrahltes Essen aus Fernost?

Nichts wird mehr sein wie früher: Die befürchtete Verstrahlung wird auch viele Lebensmittel treffen - dem berühmten Tokioter Fischmarkt drohen schwere Zeiten. Foto: dpa
Nichts wird mehr sein wie früher: Die befürchtete Verstrahlung wird auch viele Lebensmittel treffen - dem berühmten Tokioter Fischmarkt drohen schwere Zeiten. Foto: dpa

Verbraucherschützer warnen: Eine Überwachung von Lebensmitteln aus Japan könnte notwendig werden. Höhere Radioaktivitätswerte werden über Jahre erwartet.

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16. März 2011, 11:26 Uhr

Kiel/Hamburg | Kommt radioaktive Strahlung durch Lebensmittel aus Japan zu uns nach Deutschland? Diese Frage beunruhigt derzeit viele Menschen. Gudrun Köster (55), Expertin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale in Kiel: "Wir beziehen kaum Lebensmittel aus Japan, was sich aus den geographischen Gegebenheiten des Landes erklärt. Es hat im Verhältnis zur Bevölkerung nur wenige landwirtschaftliche Flächen, Japan braucht seine Produkte selbst, importiert viel." Die Zerstörungen verschärfen diese Situation. Trotzdem gibt es japanische Produkte in Deutschland. Laut Verbraucherzentrale sind es getrocknete Pilze, Tee und spezielle Gewürze. Köster: "Im Moment sind sie keine Gefahr, denn alle wurden vor der Katastrophe hergestellt und verschickt." Je nach Entwicklung in den Atom-Reaktoren müsste in den kommenden Wochen allerdings über die Kontrolle von Importen nachgedacht werden. "Das gilt auch für Waren aus Ländern, die möglicherweise von eine radioaktiven Wolke verseucht wurden."
Was ist mit den Fischen vor Japans Küste? Sie sind vermutlich nach den Havarien im Kernkraftwerk Fukushima kontaminiert. "Größe und Strömungen des Pazifiks machen eine Belastung im gesundheitsgefährdenden Bereich zum jetzigen Zeitpunkt aber eher unwahrscheinlich", sagte Ulrich Rieth, zuständig für Fischereiökologie beim staatlichen Johann Heinrich von Thünen-Institut. Sie würden zwar radioaktives Jod aufnehmen, doch das sei ein Beta-Strahler mit einer Halbwertszeit von etwa acht Tagen.
Probleme bei Cäsium
Sollte mehr Cäsium freigesetzt werden wie beim Gau von Tschernobyl, würde die lokale Fischerei vor den Küsten Japans jedoch vermutlich große Probleme bekommen. "Vor allem in Zuchtanlagen für Sushi-Algen, aber auch in Muscheln werden dann hohe Belastungen zu finden sein", sagte Rieth. Auch weiter draußen im Meer würden dann bei Fischen noch über Jahre höhere Werte zu messen sein, jedoch nicht im gesundheitsgefährdenden Bereich. Für die Abschätzung einer Cäsium-Belastung von Fischen würden die Wissenschaftler Daten aus der Zeit des Reaktorunglücks von Tschernobyl nutzen, ihr Institut ist seit 1986 Leitstelle für die Überwachung der Umweltradioaktivität in Fischen und Fischereiprodukten. Anhand dieser Daten könne bei einer größeren Freisetzung von Cäsium die Vergiftung der Fische gut abgeschätzt werden.
Der Fisch, der in Schleswig-Holstein in Sushi-Restaurants verarbeitet wird, stammt laut Kieler Verbraucherzentrale nicht aus Japan. "Er wird nur auf japanische Art zubereitet", so Köster, die auch davor warnt, Jodtabletten zu schlucken. "Das brauchen wir in Schleswig-Holstein nicht. Über Luft und Lebensmittel sind wir damit gut versorgt."
(dpa, ge, shz)

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