Fluglotsen : KOMMENTAR: Es geht um Macht

Zu Lasten der Urlauber: Der Tarifkonflikt der Fluglotsen zeugt von Rücksichtslosigkeit, meint Thomas Habicht.

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09. August 2011, 10:49 Uhr

Nach der Frankfurter Gerichtsentscheidung wird sich der Nervenkrieg um die Forderungen der Fluglotsen beim er warteten Schlichtungsverfahren noch Wochen fortsetzen. 50 Urlaubstage und ein Jahresgehalt von durchschnittlich 120 000 Euro, bei wöchentlicher Arbeitszeit von 25 Stunden lassen die 6,5-Prozent-Forderung der Gewerkschaft GdF als maßlos erscheinen. Hunderttausenden auf diesem Wohlstandsniveau den Urlaub verderben zu wollen, zeugt von Rücksichtslosigkeit. Daran ändern auch berechtigte Klagen der Lotsen über die falsche Personalplanung der Flugsicherungsanstalt nichts, zumal Überstunden infolge des Lotsenmangels erstklassig bezahlt werden.
Eigentlich geht es aber bei dem Arbeitskampf um die Entscheidung der Europäischen Union, der veralteten, teuren und nicht ungefährlichen Kleinstaaterei am europäischen Luftfahrthimmel endlich Einhalt zu gebieten. Brüssel hält alle nationalen Flugsicherungen zu niedrigeren Gebühren an - und langfristig zu Personaleinsparungen. Für diese Auseinandersetzung wollen die Lotsen ihren Einfluss auf die Unternehmensleitung per Arbeitskampf stärken.
Intelligentere Formen des Arbeitskampfes
Wie die Lokführer der GdL oder Piloten der Vereinigung Cockpit, können auch GdF-Lotsen im Prinzip auf die Sympathie von Passagieren rechnen, die sich nur gut motivierten Männern und Frauen anvertrauen wollen. Aber die besonders große Streikwirkung im Transportwesen verführt kleine Spezialisten-Gruppen eben immer wieder dazu dazu, ihre Stellung auszunutzen und sich nicht zuletzt gegenüber anderen Beschäftigten im selben Betrieb Vorteile zu verschaffen. In diesen Auseinandersetzungen geht es nicht mehr um Existenzfragen, für die das Streikrecht gedacht ist. Es geht um Macht.
Lufthansa-Vorstandsmitglied Stefan Lauer fordert deshalb mit gutem Grund neue gesetzliche Spielregeln für Unternehmen aus Infrastruktur und Daseinsvorsorge. So wie Streiks bei der Wasser- und Stromversorgung in zivilisierten Ländern unvorstellbar wurden, sollte es auch im Transportwesen intelligentere Formen des Arbeitskampfes geben.
(shz)

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