Bundeswehrreform : Kampf um die Kasernen im Norden

Die Bundeswehrstandorte in Schleswig-Holstein. Grafik: sh:z
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Die Bundeswehrstandorte in Schleswig-Holstein. Grafik: sh:z

Bangen und Hoffen: Heute verkündet der Verteidigungsminister, welche Bundeswehrstandorte geschlossen werden. Dem Norden droht ein Kahlschlag bei den Kasernen.

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26. Oktober 2011, 10:52 Uhr

Die Eiderkaserne mitten in Rendsburg und die Feldwebel-Schmidt-Kaserne am Stadtrand standen bereits leer, als der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im vergangenen Jahr die nächste Bundesreform angekündigte. Und plötzlich schien auch das Lufttransportgeschwader 63 in Gefahr zu sein – die letzte Einheit in der Nähe der einstigen Garnisonsstadt Rendsburg.
"Wir müssen uns für unsere Soldaten einsetzen", sagte der Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul (CDU) und rief die Initiative "LTG 63 – unsere Truppe" ins Leben. Innerhalb weniger Wochen hatten fast alle Kommunen rund um Hohn Resolutionen zum Erhalt des Geschwaders verabschiedet und mehr als 7000 Menschen mit ihrer Unterschrift Unterstützung demonstriert. "Militärische, wirtschaftliche und menschliche Gründe sprechen für den Erhalt des Standortes mit seinen 1300 Soldaten und 200 Zivilangestellten", sagte Rendsburgs Bürgermeister Andreas Breitner, der es nach eigenem Bekunden satt hat, Abschiedsreden für die Bundeswehr zu halten. Die Initiative nutzte ihre Verbindungen nach Kiel und Berlin, um politischen Druck aufzubauen. Verbunden damit war die Hoffnung, dass die vielen Menschen, die sich in Vereinen, Gemeindevertretungen und Hilfsorganisationen engagieren in der Region bleiben – und mit ihnen ein Großteil der rund 30 Millionen Euro, die die LTG-Beschäftigten jährlich an Gehalt und Sold ausgezahlt bekommen.
Damoklesschwert über anderen Kommunen
Wie erfolgreich der Einsatz war, wird sich erst heute herausstellen, wenn Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bekannt gibt, welche Bundeswehrstandorte erhalten bleiben. Für Hohn scheint derzeit nur eines sicher: Das neue Transportflugzeug A400M wird hier nicht mehr starten. Und so bleibt allein die Hoffnung, noch einige Jahre mit den alten Transall-Maschinen weiterfliegen zu dürfen, bis diese endgültig ausgemustert werden. Im schlimmsten Fall werden die Hohner Flugzeuge auf die Standorte Wunstorf (Niedersachsen) und Penzing (Bayern) verteilt. Aber daran will in der Region noch niemand denken.
Das mögliche Aus für die heimische Kaserne lastet auch über anderen Kommunen Schleswig-Holsteins wie ein Damoklesschwert. Mit der Info-Broschüre "Lütjenburg – Garnisonsstadt mit Herz" versuchte man im Kreis Plön, eine Standortschließung zu vermeiden. Sollten die 648 Soldaten und 63 Zivilangestellten abziehen, wäre das ein herber Schlag für die 5500-Einwohner-Stadt.
Rettungsanker Konversion
Während sich Boostedts Bürgermeister Rüdiger Steffensen am Tag vor der Entscheidung nicht an Spekulationen beteiligen wollte, gab sich John Witt im Norden des Landes gestern kämpferischer: "Ich bin nach wie vor guter Hoffnung, dass ein Teil der Marine in Glücksburg bleibt", sagte der für Glücksburg zuständige Flensburger Stadtrat. Seit Monaten hält sich das Gerücht, dass das Flottenkommando von der Flensburger Förde nach Kiel oder Rostock verlegt wird, weil die Marine ihrer zersplitterten Führungsstruktur ein Ende bereiten will. "Eine komplette Aufgabe wäre für Glücksburg der Super-Gau. Dann würden wir sofort beginnen, zu prüfen, welche Fördermittel es für mögliche Konversionsnutzungen gibt", erklärte Witt.
Konversion – das ist der Rettungsanker, an den sich viele Städte und Gemeinden bereits nach den vorangegangenen Bundeswehrreformen geklammert haben. Tatsächlich gibt es gute Beispiele, wie einstiges militärisches Terrain auch anders genutzt werden kann. Der Ausbildungspark Blankensee in Lübeck ist ein solches Erfolgsmodell. Dort entstand ein Lern- und Lebenszentrum für junge Menschen. Auch in Flensburg gelang die Umwandlung von Kasernen in Wohnquartiere. In Eckernförde entsteht ebenfalls gerade auf der Carlshöhe ein neuer Stadtteil. Doch längst nicht überall führte die Konversion zum Erfolg. Das ambitionierteste Projekt im Norden sorgte zuletzt nur noch für negative Schlagzeilen: Die Investoren des geplanten Ferienresorts auf dem ehemaligen Marine-Stützpunkt Kappeln-Olpenitz meldeten vergangene Woche Insolvenz an.

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