Port Olpenitz GmbH : Insolvenz als Chance für Neuanfang?

Der erste Bauabschnitt des Konversionsprojektes aus der Vogelperspektive. Foto: Peter Mai
Der erste Bauabschnitt des Konversionsprojektes aus der Vogelperspektive. Foto: Peter Mai

Gesellschafter der Port Olpenitz GmbH geben sich nach dem Insolvenzantrag optimistisch. Die Sorgen um offene Handwerker-Rechnungen bleiben jedoch bestehen.

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21. Oktober 2011, 09:07 Uhr

Kappeln | Am Tag nach dem Insolvenzantrag der Port Olpenitz GmbH regiert bei den beteiligten Stellen überwiegend Zuversicht. In einer ersten Einschätzung sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Rainer Eckert am Donnerstag: "Port Olpenitz ist ein viel versprechendes Projekt in einer absoluten Zukunfts- und Wachstumsbranche." Er sei daher zuversichtlich, "dass wir das Insolvenzverfahren dazu nutzen können, die vorliegenden Hindernisse aus dem Weg zu räumen und das Projekt wieder in Gang zu bringen".
Für Jaska Harm, Gesellschafter und ehemaliger Geschäftsführer der Port Olpenitz GmbH, kam der Insolvenzantrag "absolut überraschend". Es gebe eine große Nachfrage für das Objekt. "Jedes Wochenende hatten wir durchschnittlich 20 bis 40 Anfragen." Zwar sei das Geld immer ein bisschen knapp gewesen, "aber wir haben immer Immobilien verkauft". Seit dem Bekanntwerden des Streits innerhalb der Gesellschaft sei das aber nicht mehr der Fall gewesen. Hinzu komme, dass nach seiner vorläufigen Absetzung als Geschäftsführer die Gesellschaft wochenlang keinen Geschäftsführer hatte. Und auch der Umgang mit den Gläubigern sei zuletzt nicht optimal gewesen. Die Zukunft des Projektes sieht Harm dennoch optimistisch. "Der Wert des Projekts ist um ein Vielfaches höher als die aktuellen Verbindlichkeiten." Die Größe des Projektes hat laut Harm mit den jetzigen Problemen nichts zu tun.
"Der Insolvenzantrag ist ein Segen"
Dr. Rainer Staubach, der den amerikanischen Mehrheitsgesellschafter, die EQK Port Olpenitz, Inc., vertritt, sieht den Insolvenzantrag der beiden Notgeschäftsführer als folgerichtige Entscheidung an. "Die Verbindlichkeiten betrugen nicht wie angenommen 12 oder 14 Millionen Euro, sondern abzüglich des Darlehens der Amerikaner 27,2 Millionen Euro." Sein Mandant, die EQK, sei über den Insolvenzantrag nicht glücklich gewesen, sagte der Anwalt. Er selber sehe dies jedoch anders. "Der Insolvenzantrag ist, so negativ das auch klingen mag, ein Segen." Nun könne eine vernünftige Fortsetzung des Projektes "ohne die im hohen Maße bedenklichen Geschäftspraktiken von Herrn Harm" ermöglicht werden. Auch potenzielle Partner, mit denen Stau bach im Gespräch sei, seien durch die neue Entwicklung alles andere als abgeschreckt worden. "Ich bin da sehr optimistisch."
Kreispräsident Eckhard Schröder sagte in einer ersten Stellungnahme: "Wir vom Kreis Schleswig-Flensburg bedauern, dass dieses große Konversionsprojekt nun ins Stocken geraten ist." Er glaube aber, dass dieses Projekt durch seine außergewöhnliche Lage an der Ostsee auch für andere Investoren von Interesse sein werde. Wie bei anderen Konversionsprojekten zeige dieses Beispiel, dass man sich auf längere Zeiträume und bei neuen Investoren vielleicht auch veränderte Formen einrichten müsse.
Bewegung zuletzt nur in den Medien und vor Gericht
Die stellvertretende Vorsitzende des Wirtschaftskreises Pro Kappeln (WPK), Helga Thurau, sagte, dass sie eine Insolvenz bereits seit dem Urteil des Schleswiger Oberverwaltungsgerichtes befürchtet habe. "Diese zusätzlichen Kosten waren sicherlich nicht ohne Weiteres zu tragen. Hinzu kommt die zeitliche Verzögerung, die auch Geld gekostet haben wird." In dem Insolvenzantrag sieht sie jetzt aber auch die Chance auf einen Neuanfang. "Zuletzt hat sich bei dem Projekt außer in den Medien und vor Gericht wenig bewegt", so Thurau. Sie hofft, dass das Projekt für die Marinewaffenschule schneller verwirklicht wird.
Bürgervorsteher Jürgen Seemann hatte nicht mit einem Insolvenzantrag der Port Olpenitz GmbH gerechnet. "Eine Insolvenz zeichnete sich vorher nicht ab. Ansonsten hätte man doch nicht den komplizierten Weg gehen müssen und vorher vom Gericht noch Notgeschäftsführer einsetzen lassen." Zur Zukunft des Projektes sagte Seemann: "Ich kann nur hoffen, dass sich bald eine Gesellschaft findet, die das Konzept weiterführen will, denn eine Umplanung würde eine weitere Verzögerung bedeuten." Der Bürgervorsteher hofft, dass die Angestellten, von denen viele aus der Region kämen, weiter beschäftigt werden. Und wichtig sei ihm, dass die Handwerker jetzt ihr Geld bekommen, sofern sie es noch nicht hätten.
Dagegen wollte Insolvenzverwalter Eckert nicht ausschließen, dass Handwerksfirmen auf offenen Rechnungen sitzen bleiben. Dies sei aber allgemein bei Insolvenzverfahren möglich. Der Vorstandschef des Baugewerbeverband Schleswig-Holstein, Thorsten Freiberg, geht davon aus, dass die Rechnungen der Firmen beglichen werden. "Das geschieht offenbar auch, da ja angeblich genügend Masse da ist." Er gehe zudem davon aus, dass die Insolvenz kaum Bauunternehmer betreffe. Denn die Probleme des Projektes seien früh bekannt gewesen. Freiberg: "Gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Schleswig haben wir die Betriebe aufgefordert, Aufträge nur mit Zwischenabnahmen und entsprechenden Zahlungen anzunehmen. Damit sollte das Risiko für jeden Betrieb minimiert werden."

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