Vulkanasche aus Island : Flugverbote in Hamburg, Lübeck und Bremen

Die Aschewolke des Vulkanausbruchs am Grimsvötn wird Norddeutschland erreichen. Foto: dpa
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Die Aschewolke des Vulkanausbruchs am Grimsvötn wird Norddeutschland erreichen. Foto: dpa

Die Asche des isländischen Vulkans Grímsvötn hat die deutschen Küsten erreicht. Die Flughäfen Hamburg, Lübeck, Bremen und Berlin wurden für mehrere Stunden geschlossen.

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25. Mai 2011, 11:28 Uhr

Wegen der Aschewolke des isländischen Vulkans Grímsvötn mussten am Mittwoch iele Flieger an norddeutschen Flughäfen am Boden bleiben. Seit 5 Uhr galt in Bremen ein Flugverbot, in Hamburg und Lübeck durften zwischen 6 und 12 Uhr keine Flieger mehr starten oder landen. Auch der Berliner Luftraum wurde von 11 bis 14 Uhr gesperrt.
Zunächst war der Hamburger Flughafen von einer Sperrung bis 17 Uhr ausgegangen. Insgesamt waren für den Tag am Hamburg Airport 453 Starts und Landungen geplant. Betroffen waren weit über 20.000 Flugreisende. Zahlreiche Passagiere warteten am Boden auf eine Reisemöglichkeit. Für sie stellte der Hamburger Flughafen nach eigenen Angaben Betten und Wasser bereit.
Flughafen Hannover bleib offen

Der Flughafen Hannover war nicht betroffen. Der Airport liegt nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DSF) "genau an der Grenze des kontaminierten Luftraums", so dass hier zunächst keine Prognose möglich sei. Die Flugsicherung empfahl allen Passagieren, die einen Flug gebucht haben, ihre Airline zu kontaktieren. Anderen großen Flughäfen in Deutschland wie Frankfurt/Main, Düsseldorf oder München drohten laut DFS keine Flugverbote.

Am Dienstag war überwiegend der britische Luftraum betroffen
Bereits am Dienstag hatte die Aschewolke vor allem in Großbritannien zu zahlreichen Flugausfällen geführt. Nach Angaben der europäischen Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol wurden europaweit 500 Flüge gestrichen - darunter auch einige wenige in Deutschland. Die Lufthansa annullierte zwei Flüge von Frankfurt am Main beziehungsweise Düsseldorf nach Edinburgh in Schottland. Auch ein Flug von Frankfurt/Hahn nach Edinburgh fand nicht statt. Zumeist waren jedoch britische Flüge von oder nach Schottland oder Nordengland betroffen.
Angesichts von täglich rund 29.000 Starts und Landungen in Europa blieben die Auswirkungen der Aschewolke am Dienstag insgesamt aber eher gering. Die britische Flugaufsicht Nats erwartete für Mittwoch eine Normalisierung des Flugbetriebs, da die Aschekonzentration im britischen Luftraum nachlasse.
Experte: Ausbruch des Grimsvötn heftiger, aber auch "nasser"
Der Grimsvötn stieß unterdessen weiter Asche aus, aber weniger stark als in den vergangenen Tagen. Er ist der aktivste Vulkan Islands und liegt unter dem Vatnajökull-Gletscher. Seine vergangenen Ausbrüche - der letzte ereignete sich 2004 - hatten keinen großen Einfluss auf den Flugverkehr gehabt.
Der Geophysiker Bernd Zimanowski von der Universität Würzburg sagte, die Menge der Asche, die der Grimsvötn derzeit ausspucke, sei größer als damals. Allerdings sei der Ausbruch nicht nur heftiger als der 2010, sondern - weil er in der Umgebung eines großen Gletschersees stattgefunden habe - auch nasser und die Asche dadurch klumpiger. Das könne dazu führen, dass weniger feiner Staub in die höheren Luftschichten gelange, wo er den Luftverkehr behindern könnte. Außerdem regne die Asche womöglich früher ab, sodass sich die Wolke nicht so schnell ausbreiten könne.
Ob dieser Effekt am Ende für eine geringere Beeinträchtigung des Luftverkehrs sorgt, bleibe abzuwarten. Das hänge auch von der Windrichtung ab. Auch wie lange der Vulkanausbruch noch dauern werde, sei derzeit noch nicht abzuschätzen, sagte Zimanowski.
Piloten kritisieren Grenzwerte
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat bereits am Montag eine sogenannte Allgemeinverfügung in Kraft gesetzt, die verbindliche Grenzwerte für den Flugverkehr in aschebelasteter Luft festschreibt. Bis zu einem Messwert von 0,2 Milligramm Asche pro Kubikmeter Luft sind keinerlei Einschränkungen vorgesehen. Bis Dienstagmittag wurde für Deutschland keine Überschreitung festgestellt.
Die Pilotenvereinigung Cockpit hat das Bundesverkehrsministerium wegen der Grenzwerte kritisiert. Sie seien zwar sinnvoll, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg am Dienstag den Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe. Das Problem sei aber, dass diese Grenzwerte nicht für ganz Europa gelten. Außerdem kritisierte Handwerg das Zustandekommen der Grenzwerte: "Die jetzt geltenden Werte wurden nicht im Test ermittelt." Man habe "konservative Werte zugrunde gelegt, einen Sicherheitspuffer drauf gelegt und ein wenig gerechnet".
"Ryanair" absolvierte erfolgreichen Testflug
Auch ein Jahr nach dem Chaos auf den europäischen Flughäfen nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull seien keine "konkreten Tests" zur Ermittlung der Gefahr von Vulkanasche für die Flugzeuge durchgeführt worden. "Die Werte könnten durchaus zu niedrig, aber auch zu hoch angesetzt sein", sagte Handwerg. "Wir beobachten die Lage sehr genau", sagte Ramsauer. Dazu stehe ein flächendeckendes Messnetz von 52 Stationen des Deutschen Wetterdienstes in ganz Deutschland bereit. "Außerdem wird ein Messflugzeug starten, das die Aschekonzentration und deren Konsistenz untersucht." Nähere Angaben zu dem Flugzeug machte er zunächst nicht.
Die britische BBC berichtet, ein Flugzeug der irischen "Ryanair" habe einen Testflug über Schottland absolviert und dabei "keine sichtbare Vulkan-Aschewolke oder Rückstände von Asche am Flugzeugkörper, an den Flügeln oder Triebwerken" festgestellt.
(dapd, dpa, rtn, shz)

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