Pilotfilm im ZDF : Feuertaufe für den neuen Landarzt

Neues Schild vor der Praxis: Im TV-Dorf Deekelsen gibt Wayne Carpendale ab sofort als Landarzt gute Ratschläge. Foto: dpa
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Neues Schild vor der Praxis: Im TV-Dorf Deekelsen gibt Wayne Carpendale ab sofort als Landarzt gute Ratschläge. Foto: dpa

Dr. Uli Teschner ist Vergangenheit: Seit Donnerstagabend ist Wayne Carpendale, alias Dr. Jan Bergmann, in Deekelsen aktiv. Unsere TV-Kritikerin Hildegard Filz hat den neuen Landarzt unter die Lupe genommen.

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09. Januar 2009, 11:25 Uhr

Ein Rettungswagen rast durch Hamburg. Martinshorn bis zum gläsernen Privatklinik-Tempel. Zoff zwischen zwei Weißkitteln: Vater und Sohn. Der junge ist Wayne Carpendale. Dr. Jan Bergmann, unser neuer Landarzt, der sich mit dem Vater überwirft, raus will, weil sein Weg fürs Fantasie-Städtchen Deekelsen vorbestimmt ist. Der flotte Landarzt für den Drehort Kappeln. Schnelle Action-Schnitte wie noch nie seit dem Sendestart 1987. Und so smart war keiner vor ihm in bislang 240 Folgen. Es ist DER Generationswechsel in der Geschichte von Deutschlands längster TV-Serie. Nach den gestandenen Theaterkönnern Christian Quadflieg (endete als Landarzt mit 46 Jahren) und Walter Plathe (58) startete das ZDF jetzt die 18. Staffel mit Wayne Carpendale, 31, ehemals Soap-Teilnehmer und Old Surehand bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg. Vorab: Der Kerl ist nicht bloß hübsch. Der kann wirklich was.
Nach 15 Minuten "Alles auf Anfang": Der heimliche Hauptdarsteller kommt ins Spiel. Die Schlei-Landschaft. Auf dem Weg zur neuen Oberarzt-Stelle ins dänische Arhus hat das Navigationsgerät Dr. Bergmann von der Autobahn gelenkt. Ein Malheur bringt Auto und Pferde-Anhänger zum Erliegen, der adrette Kerl muss hoch zu Ross voran. Ankunft in Deekelsen. Schon kommt die Zufalls-Theatralik: Beinahe-Kollision mit der charmanten Maren, die ihm ein Bett im eigenen Gasthof anbietet (das Café Krog in Ulsnis), flache Witzchen ("Ich wollte eigentlich mit meinem Pferd tanzen gehen"), Bergmanns erster Einsatz für die schwangere Tochter des neuen Pastors (erfrischend: 007-Gastschauspieler Ludger Pistor als Hannes Kolbe), ein paar Sätze Küchen-Philosophie mit dem Geistlichen über Vater-Kind-Konflikte in der Nikolaikirche. Da wiederholt sich manches: Schon Pastor Eckholm (als verlässliche Größe immer noch dabei) war geschieden und Vater einer selbstbewussten Tochter.
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Über allem liegen Geigenklänge. Dazu Hubschrauber-Flüge über Kappelns romantischen Hafen und Rapsblütenfelder. Da ticken die Uhren eben anders, wie im Pilotfilm rührend oft betont wird. Mittendrin Carpendale/Bergmann. Der neue Sympath. Ein charmanter Spieler der Gefühls-Klaviatur: standhafter Gegner des abgebrühten Vaters, Zuhörerder Pastoren-Tochter, kesser Gegenspieler zu Deekelsens Originalen wiedem alten Hinnerk. Ins bilderbuchschöne Herrenhaus Lindauhof ist ein neuer Typ eingezogen. Für Wayne Carpendale gibt es keinen Grund, den Vorgängern Quadflieg und Plathe hinterher zu hinken. Ein bisschen Kitsch darf sein. Carpendale zeigt Charisma, um diesen Kitsch glaubwürdig zu tragen. Einer seiner letzten Sätze: "Ich bin der neue Landarzt, wenn’s recht ist." Recht so.
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