Mobilität : E10-Debakel zeigt: "Grüner" Verkehr ist noch Utopie

Professor Ferdinand Dudenhöffer
Professor Ferdinand Dudenhöffer

Das E10-Debakel war absehbar. Schon vor zwei Jahren hatten die Autofahrer Sorgen um ihre Motoren. SPD-Minister Gabriel erklärte daraufhin das Aus für den Treibstoff.

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07. März 2011, 10:46 Uhr

Berlin | Das Gedächtnis in der Politik ist oft kurz. Dabei zeigt ein Blick in den April 2008, dass das E10-Debakel absehbar war. Damals verkündete Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) das vorläufige Aus für die E10-Pläne und begründete dies mit den Sorgen der Verbraucher um die Motoren ihrer Autos. Genau dieses Problem hat nun sein CDU-Nachfolger Norbert Röttgen. Und der muss sich scharfe Kritik von allen Seiten gefallen lassen. FDP-Fraktionsvize Patrick Döring vermisst bei ihm Sensibilität für Stimmungen in der Bevölkerung, die skeptisch gegenüber dem Sprit ist - auch weil es verwirrende Angaben zur Verträglichkeit gibt. Röttgen selbst weilte am Vortag des heutigen Benzingipfels noch im Skiurlaub.
Kommt es zum Aus für E10, sind die Verbraucher wahrscheinlich die Verlierer. Die Strafzahlungen für eine Rückkehr zum alten Super mit fünf Prozent Ethanol würde etwa 2 Cent pro Liter betragen. Gewinner wäre mit zusätzlichen Millioneneinnahmen ausgerechnet der für die Misere mitverantwortliche Staat. Die Konzerne haben bereits angekündigt, Strafzahlungen auf den Preis aufzuschlagen.
Lieblose Umsetzung bisheriger Ansätze
Zweiter Verlierer scheint in der jetzigen E10-Debatte der Umwelt- und Klimaschutz zu sein. Denn ohne mehr Biosprit tut sich bei aller Kritik an den Nebenwirkungen und der umstrittenen Klimabilanz noch weniger. Der Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Uni Duisburg-Essen, Professor Ferdinand Dudenhöffer, betont: "E10 ist ein Beispiel dafür, dass Deutschland keine Strategie hat, um auf umweltfreundliche Fahrzeuge und Kraftstoffe umzuschwenken."
Darin unterscheide sich die Bundesrepublik von Ländern wie Brasilien, Italien, Schweden, USA, China oder Japan. Die Umsetzung der bisherigen Ansätze sei lieblos und scheitere seit gut 10 Jahren "wie ein Rohrkrepierer". Über 99 Prozent der Fahrzeuge seien Benziner oder Diesel. Erdgas gehe fast gar nicht, so Dudenhöffer. Gerade mal 4988 Erdgasautos seien 2010 verkauft worden.
Frankreich zahlt 5000 Euro Prämie für ein E-Auto
Dabei erlaube Erdgas eine CO2-Einsparung bis zu 20 Prozent gegenüber dem Benzinmotor. Auch bei dem anderen Klima-Hoffnungsträger, den Hybrid-Autos, sieht es mau aus: Nur 10.319 Hybrid-Neuwagen oder 0,4 Prozent aller Neuwagen wurden in Deutschland 2010 verkauft. In den USA waren es gut 250.000 Hybrid-Fahrzeuge. Und dann ist ja noch das viel gepriesene Elektroauto. Aber auch hier hinkt Deutschland hinterher. Von den 100.000 E-Autos, die laut Prognose in diesem Jahr weltweit verkauft werden, "werden in Deutschland mit viel Glück 800 bis 1000 auf die Straße gebracht", sagt Dudenhöffer. 2010 waren es gerade 309. Dagegen würden wohl allein in Frankreich gut 5000 Elektroautos in diesem Jahr zugelassen. Aber: Hier gibt es auch Kaufprämien in Höhe von 5000 Euro, in Deutschland will die Regierung keine E-Auto-Prämien, Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnt vor einem Subventionswettlauf in Europa.
(dpa, shz)

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