Für Babynahrung geeignet : Bestnote für Schleswigs Trinkwasser

Im leergepumpten Wasserspeicher im Friedrichsberg: Geologe Dr. Peter Hempel (l.) mit Jürgen Augustin, Abteilungsleiter Anlagentechnik bei den Stadtwerken.  Foto: Jennert
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Im leergepumpten Wasserspeicher im Friedrichsberg: Geologe Dr. Peter Hempel (l.) mit Jürgen Augustin, Abteilungsleiter Anlagentechnik bei den Stadtwerken. Foto: Jennert

Ein Geologe untersuchte die Qualität und Versorgungssicherheit des Schleswiger Grundwassers. Sein Fazit: Das Wasser könnte als Mineralwasser vermarktet werden.

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08. Februar 2011, 09:30 Uhr

Schleswig | Das Schleswiger Grundwasser ist so hervorragend, dass es als Mineralwasser vermarktet werden könnte. Dies hat der Kieler Geologe Dr. Peter Hempel den Stadtwerken bescheinigt. Im Auftrag des Versorgers untersuchte er die Aspekte Qualität, Versorgungssicherheit und Wasserherkunft. Dabei stellte er fest, dass das kühle Nass aus den Schleswiger Brunnen die höchsten vom Gesetzgeber vorgegebenen Qualitätskriterien erfüllt: Es ist für die Zubereitung von Babynahrung geeignet.
Dabei sieht das Grundwasser zunächst wenig appetitlich aus, wenn es aus einer Tiefe zwischen 60 und 75 Metern an die Oberfläche gepumpt wird. Es ist leicht gelblich gefärbt - eine Folge des in Schleswig-Holstein typischen hohen Eisen- und Mangangehalts. Eisen und Mangan werden herausgefiltert (siehe Info-Kasten). Anschließend ist das Wasser rein.
Eine Schicht aus Geschiebemergel schützt das Grundwasser
Die hohe Qualität des Trinkwassers ist dabei nur zu einem geringen Teil den Eisen- und Manganfiltern zu verdanken. Einen weitaus größeren Anteil an der Reinheit hat ein natürlicher Filter, der sich zwischen Oberfläche und Grundwasserschicht befindet: Eine 40 Meter dicke Schicht aus Geschiebemergel und Ton schützt das Grundwasser vor Verunreinigung. Geologen sprechen von einer wasserundurchlässigen Schicht, auch wenn sie das gar nicht ist. Sie ist sehr wohl wasserdurchlässig, allerdings muss man hierbei in anderen zeitlichen Dimensionen denken. Geologe Dr. Hempel: "Das Schleswiger Wasser hat mindestens 2500 Jahre benötigt, um von der Oberfläche in den Untergrund zu gelangen." Oder anders formuliert: Aus den Wasserhähnen fließt der Regen, der 500 Jahre vor Christi Geburt über dem heutigen Schleswiger Stadtgebiet niedergegangen ist.
1,7 Millionen Kubikmeter Wasserverbrauch pro Jahr
Das Grundwasser-Einzugsgebiet ist dabei weitaus kleiner als früher vermutet. Dr. Hempel räumt mit der Ansicht auf, dass das Schleswiger Wasser über unterirdische Kanäle aus Skandinavien stammt. Das tatsächliche Einzugsgebiet geht über das südliche Angeln nicht hinaus. Das haben Probebohrungen gezeigt. Sie haben ebenfalls ergeben, dass das kühle Nass in ausreichender Menge im Untergrund vorhanden ist. Die Stadtwerke entnehmen nur die Menge, die nachfließt. Für den Raum Schleswig sind das 1,7 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Wäre der 85 Meter hohe Wikingturm ein gigantischer Wasserbehälter, würde man ihn mit dieser Menge fast siebenmal füllen können.
Zum 1. April fördern die Stadtwerke nur noch in ihrem Wasserwerk I am Baumhofsgang sowie an zwei 2009 gebohrten Brunnen auf dem früheren östlichen Kasernengelände. Die Brunnen am Wasserwerk II hinter dem "Roten Elefanten" sollen zum 1. April außer Betrieb genommen werden. Die Stadtwerke wollen die Wasserwerkstechnik aus wirtschaftlichen Gründen am Baumhofsgang konzentrieren. Im Friedrichsberg bleiben jedoch zwei Wasserspeicher mit einer Größe von jeweils 500 Kubikmetern erhalten, die derzeit saniert werden. Zusammen mit dem Wasserspeicher in der Altstadt (2500 Kubikmeter) reicht das aus, um Schleswig bei einem Ausfall aller Brunnen für zwölf Stunden zu versorgen.
Monokulturen in der Landwirtschaft belasten das Wasser
Sorgenfrei können die Stadtwerke jedoch nicht in die Zukunft blicken. Monokulturen in der Landwirtschaft wie der Maisanbau für Biogasanlagen werden das Grundwasser auf lange Sicht mit Nitrat belasten. Das wachsende Interesse an Erdwärmeanlagen könnte das Grundwasser ebenfalls belasten. Denn jede Bohrung durchstößt die wasserundurchlässigen Schichten. Dr. Hempel vergleicht die Löcher mit Fahrstühlen. Die "Fahrtdauer in den Untergrund" würde sich darin für den einzelnen Wassertropfen erheblich verkürzen: Statt 2500 Jahre würde sie nur noch zwei bis drei Jahre dauern.

Info: Eisen und Mangan im Trinkwasser

Eisen und Mangan im Grundwasser gelten zwar als nicht gesundheitsgefährdend. Würde man die Stoffe jedoch im Wasser belassen, würde das kühle Nass metallisch schmecken und noch dazu von leicht gelblicher Farbe sein. Gemäß Trinkwasserverordnung filtern die Stadtwerke beide Stoffe aus dem Wasser heraus. Dies geschieht auf folgende Weise: Das Wasser wird mit Sauerstoff versetzt. Eisen und Mangan kommen mit dem Sauerstoff in Verbindung und oxidieren zu einer schwerlöslichen Form. Es bilden sich Körnchen und Flocken, die in großen Quarzsandbehältern herausgefiltert werden. Anschließend ist das Wasser rein und kann in das Schleswiger Leitungsnetz eingespeist werden.

(shz , dj)

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