Kampen auf Sylt : 4,8 Millionen Euro für 30 Quadratmeter

Nur etwas größer als ein Toilettenhäuschen: Das reetgedeckte Sylter Millionen-Küken in bester Wattlage. Foto: syltpicture
Nur etwas größer als ein Toilettenhäuschen: Das reetgedeckte Sylter Millionen-Küken in bester Wattlage. Foto: syltpicture

Es dürfte das teuerste Haus der Welt sein: 160.000 Euro pro Quadratmeter verlangt ein Immobilienhändler für das "Wattküken" in Kampen auf Sylt. Es ist eine 30 Quadratmeter kleine Reetdach-Kate.

shz.de von
08. August 2009, 02:14 Uhr

Kampen | Bescheiden blickt das "Waterküken" übers Watt. Wie gemalt fügt sich das winzige Reetdach-Häuschen aus rotem Backstein zwischen Bäumen, Heide und Heckenrosen in die Sylter Naturlandschaft ein. Im krassen Gegensatz zu dieser Idylle steht der von wirtschaftlichen Interessen angetriebene Konflikt, der um das nur 30 Quadratmeter große Schmuckstück mit 2400 Quadratmeter großem Grundstück in bester Wattlage des Luxus-Ferienortes Kampen entbrannt ist.
Für die dortigen Liebhaberobjekte sind satte Millionenpreise nichts besonderes. Doch 160.000 Euro pro Quadratmeter ist nicht nur für die Insel der Reichen und Schönen, sondern auch weltweit ein einmalig hoher Immobilienpreis. Doch exakt diese astronomische Summe - 4,8 Millionen Euro - verlangt der Immobilienhändler Matthias Haase für das "Waterküken". Er selbst kaufte das Bilderbuch-Häuschen mit einem Wohnraum, winziger Küche, Nasszelle und einem Schlafraum unterm Reetdach vor acht Jahren für lediglich 1,2 Millionen Euro.
Keine Genehmigung für Aus- oder Neubau
Den Wert des Objektes mache laut Haase die Lage aus - und die von ihm angestrebte Erweiterung. Doch in diesem Punkt hat sich der Immobilienhändler, dessen Büro mitten in Kampen liegt, trotz intensiver Sylt-Erfahrung offensichtlich verspekuliert. Grund: Das "Waterküken" liegt im Außenbereich von Kampen. "Dort wird es keine Genehmigung für einen Aus- oder gar einen Neubau geben", sagt Kampens Bürgermeisterin Steffi Böhm. Die Natur sei das größte Potenzial der Insel, besonders für den Tourismus. "Diesen Schatz werden wir hüten - egal welche Geschenke uns angeboten werden", betont Böhm.
Gemeint ist die beeindruckende Summe, die der jetzige Besitzer für gemeinnützige Zwecke spenden will, wenn die Gemeinde denn einer Erweiterung zustimmt. "Wir sind doch keine Bananenrepublik - Kampen ist nicht käuflich", stellt die Bürgermeisterin unmissverständlich klar. Zumal Haase in diesem Fall auf keinen Euro der bisher verlangten 4,8 Millionen Euro verzichten würde. Denn speisen würde sich die Spende durch den nach einem Ausbau nochmals saftig gestiegenen Kaufpreis. Um 15 Quadratmeter soll das Haus wachsen, für jeden davon soll es um 100 000 Euro teurer werden - der angepeilte Kaufpreis liegt also bei 6,3 Millionen Euro.
Rechtliche Möglichkeiten ausgeschöpft
Doch der Traum vom größeren Küken scheint ausgeträumt. Die rechtlichen Möglichkeiten hat Haase bis zum Oberverwaltungsgericht Schleswig ausgeschöpft - und verloren. "Das Grundstück befindet sich planungsrechtlich im Außenbereich. Erweiterungen oder gar eine Neubebauung sind nicht zulässig", hat jetzt auch nochmal Hartmut Pohl, Sprecher des Kreises Nordfriesland, bestätigt.
Ohne eine Erweiterung droht das Häuschen am Watt aber wohl zum Ladenhüter zu werden. Zu seinen prominentesten Kauf-Interessenten zählte vor einem Jahr Johannes B. Kerner. Doch der gewiefte Moderator hatte sich per Klausel im Kaufvertrag zusichern lassen, die Millionen nur für die vergrößerte Immobilie zu überweisen.
"Das Häuschen ist so wie es ist ein Traum - mit der Betonung dieser Stärke und einem angemessenen Preis dürfte sich schnell ein Käufer finden", sagt Steffi Böhm. Als "absoluten Unsinn, der Kampen schlechte Schlagzeilen beschert", bezeichnet Kampens Tourismus-Chefin Birgit Friese die Spekulationen um das "Waterküken". Dieses blickt von den Bestrebungen, zur goldenen Gans gemacht zu werden, scheinbar unberührt weiter klein und bescheiden aufs Watt.

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