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Fall für Thorsten Falke : „Zorn Gottes“: Neuer „Tatort“ handelt von Schleusern und IS-Terror

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In seinem siebten „Tatort“-Fall ermittelt Wotan Wilke Möhring als Bundespolizist Thorsten Falke im Flughafen Hannover. An seiner Seite agiert eine Neue - die taffe Oberkommisarin Julia Grosz.

Hamburg/Berlin | Eine Leiche fällt vom Himmel, Bundespolizei-Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) bekommt eine neue Partnerin zur Seite gestellt, IS-Terroristen drohen mit einem Anschlag in Norddeutschland: Im „Tatort“-Krimi „Zorn Gottes“ (Sonntag, 20. März, um 20.15 Uhr im Ersten) ist ohne Zweifel eine Menge los. Trotzdem kommt die als brisant aktuell angelegte Story nach dem Drehbuch Florian Oellers unter der Regie von Özgür Yildrim („Tatort“-Folge „Feuerteufel“) kaum als Action-Thriller daher. Sondern bemüht sich kammerspielartig um hautnahe Begegnungen und Hintergrund-Erklärungen.

Der „Tatort“ ist eine Institution im deutschen Fernsehen. Die Krimi-Reihe hat viele Fans. Im Norden ermitteln - neben Wotan Wilke Möhring - auch Sabine Postel (als Inga Lürsen) in Bremen und Til Schweiger (als Nick Tschiller) in Hamburg. In Kiel ist das Duo Sibel Kekili (Sarah Brandt) und Axel Milberg (Klaus Borowski) dem Verbrechen auf der Spur. Aus Hannover wird es noch mindestens drei neue Fälle von Maria Furtwängler alias Charlotte Lindholm geben.

Mit interessantem, aber nicht gleichmäßig packendem Ergebnis. Denn manche Darstellungen der Produktion der Wüste Medien GmbH im Auftrag des NDR gerieten betont politisch korrekt und nicht eben horizonterweiternd. Im Visier steht das Schreckensregiment islamischer Fanatiker: Am Flughafen Hannover wartet der junge deutsche Schleuser Rocky (Christoph Letkowski) auf Dschihadisten aus dem Nahen Osten, die nach Europa zurückkehren wollen. Doch es kommt zu einer Verwechslung, ein arabischer Mann stirbt dabei.

 

Nicht weit davon entfernt wird Falke von Sicherheitsbeamten festgenommen, die ihn für einen Terroristen halten. Dabei testet er nur die Flughafen-Security. Um sich schon bald als Ermittler gegen Schleuser sowie IS-Kämpfer einer „Braunschweiger Brigade“ wiederzufinden, die in einem Video mit einem Anschlag drohen. Denn schnell wird klar, dass es einen zweiten Flugpassagier und potenziellen Selbstmordattentäter gibt, der illegal nach Deutschland zurückgekehrt ist - einen türkischstämmigen Mann namens Enis Günday (Cem-Ali Gültekin), der sich in der Gewalt von Rocky befindet. Sein Vater und seine Schwester - ehrenwerte, gut in die Gesellschaft integrierte Menschen - haben seit zwei Jahren nichts von ihm gehört. Nun erhalten sie einen Handy-Anruf von ihm.

Um Ausgewogenheit bemüht und um Vorurteilen gegenüber Bürgern mit Migrationshintergrund keinen Vorschub zu leisten, schildert der „Tatort“ unter anderem augenfällig das Leid der Angehörigen: Vater und Schwester beweinen Enis' kriminelle Absichten und versuchen verzweifelt, der Polizei zu helfen. Das Krimigeschehen ist in seiner Bildsprache fast immer in Dunkelheit getaucht, höchstens von Kunstlicht ein wenig beleuchtet. Klaustrophobisch enge Räume - Keller, Küchen, Krankenhausflure, Wartehallen oder Wohnzimmer - vermitteln dazu ein Gefühl von Unbehagen. Und ermöglichen persönliche Kontakte zwischen Tätern, Opfern und Ermittlern.

Als Motive für seinen Terrorismus werden dem IS-Kämpfer dumpfe islamistische Parolen und Allgemeinplätze über einen imperialistischen Westen in den Mund gelegt. Falke, der allein in Hamburg lebende Single, hat bei seiner Suche nach Aufklärung nach dem Abschied von Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) nun wenigstens eine neue Partnerin an der Seite: die kühle blonde Polizeioberkommissarin Julia Grosz (Franziska Weisz, „Die Fremde und das Dorf“). Die spricht kein Wort zuviel und verrät erst spät, dass sie seit einem Afghanistan-Einsatz Schweres zu verkraften hat.

Dabei scheint sich anzubahnen, dass beide einmal zu einem guten Team zusammenwachsen. Vielleicht sogar privat? Dem Innenleben Falkes wollen die „Tatort“-Macher in Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenken. Dem Milch trinkenden, eher Bauch-betonten Ermittler wäre schon deshalb mehr persönliches Glück zu wünschen, weil es auch in Hannover mit der Annäherung an seinen halbwüchsigen Sohn nicht klappt.

Der Film des Stormarner Regisseurs Özgür Yildirim wird am 20. März auch im Marstall in Ahrensburg gezeigt. Für ihn sei es etwas Besonderes eine Tatortfolge zu drehen, weil die Serie halt „so etwas wie einen Kultfaktor besitzt“, sagt Yildirim. Auf der anderen Seite sei es für ihn wichtig, einen eigenen Stil einbringen zu können und das optische und inhaltliche Konzept ein wenig zu verändern. „Aus meiner Sicht ist unser Tatort kein klassischer Krimi geworden. Außerdem haben wir den Charakteren eine gewisse Tiefe gegeben. Auch ein Hintermann im Schleuserbereich hat oft eine Familie, Motivationen, eine Geschichte. Wir malen nicht schwarz/weiß oder zeigen Monster“, sagt Yildirim. Natürlich sei die begrenzte Zeit einer Tatortfolge aber auch nicht ausreichend, um das komplexe Thema komplett zu durchleuchten.

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erstellt am 16.Mär.2016 | 10:50 Uhr

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