Kommunalwahl : Wo es spannend wird

2,3 Millionen Schleswig-Holsteiner haben Jobs zu vergeben: 13.300 Mandate für Kommunalpolitiker im Land müssen besetzt werden. Wo es spannend wird – ein kurzer Überblick.

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15. Mai 2008, 07:10 Uhr

Die Wähler dürfen entscheiden, wer in den 1096 kreisangehörigen Gemeinden und den vier kreisfreien Städten zur Gemeindevertretung gehören wird, wer in den elf Kreisen die Kreistage dominiert. Darüber hinaus wird es in einigen Gemeinden und Kreisen besonders spannend.
13 neue Bürgermeister gesucht
Landesweit suchen 13 Gemeinden ihren neuen Bürgermeister: In Büsum (Kreis Dithmarschen) haben sich sogar zehn Kandidaten aufstellen lassen, in Kropp (Kreis Schleswig-Flensburg) gibt es nur einen einzigen Bewerber. Außerdem werden Rathaus-Chefs in Lauenburg und Schwarzenbek, in Eutin, Malente, Ratekau, Bargteheide, in Reinbek, Reinfeld und Trittau gesucht.
Neue Bürgermeister für neue Gemeinden
Zwei neue Kommunen sind im Frühjahr in Schleswig-Holstein entstanden – und auch die brauchen neue Bürgermeister. Aus den Gemeinden Raisdorf und Klausdorf im Kreis Plön bei Kiel ist die Stadt Schwentinental geworden. Beide Bürgermeister haben ihre Ämter verloren, genauso die Gemeindevertretungen. Die Demokratie macht seither kurze Pause in Schwentinental, die Amtsgeschäfte der Bürgermeister erledigt ein Beauftragter der Kommunalaufsicht. Bei der Kommunalwahl treten die beiden bisherigen Bürgermeister gegeneinander an und bewerben sich um den neuen Posten: Susanne Leyk aus Raisdorf, Günther Gröller aus Klausdorf. Gröller tritt auf Vorschlag der CDU an, Susanne Leyk ist parteilos. Für Furore sorgt kurz vor der Wahl eine Wahlempfehlung von 21 CDU-Mitgliedern zugunsten Susanne Leyks.
Auch neu im Land ist die Gemeinde Handewitt bei Flensburg ganz im Norden. Die bisherigen Gemeinden Jarplund-Weding und Handewitt haben sich am 1. März zur neuen amtsfreien Gemeinde Handewitt vereinigt – und die 10.500 Einwohner suchen jetzt einen Bürgermeister. Zur Wahl stehen der bisherige Amtsvorsteher des Amtes Handewitt, Arthur Christiansen, den SPD und CDU gemeinsam vorgeschlagen haben, sowie die unabhängige Kandidatin Britta von der Wehl.
Landräte für Segeberg und Rendsburg-Eckernförde
Zwei neue Landräte wird diese Wahl ebenfalls hervorbringen: Im Kreis Segeberg tritt der amtierende Landrat Georg Gorrissen nicht mehr an, um seine Nachfolge bewerben sich Thomas Stritzl (CDU) und Jutta Hartwieg (SPD). Im Kreis Rendsburg-Eckernförde bemühen sich drei Kandidaten um den Posten als Verwaltungschef des flächenmäßig größten Kreises in Schleswig-Holstein: Amtsinhaber Wolfgang von Ancken möchte weitermachen, hat aber die Unterstützung seiner Partei, der CDU, verloren. Dafür unterstützt ihn jetzt die FDP. Rolf-Oliver Schwemer ist der neue Wunschkandidat der CDU und Frank Martens tritt für die SPD an.
Fusion auf Sylt?
Auch auf Sylt bekommen die Wähler in Westerland und der Gemeinde Sylt-Ost einen Wahlzettel mehr in die Hand gedrückt: Sie sollen in einem Bürgerentscheid darüber befinden, ob die beiden Gemeinden fusionieren sollen - oder nicht.
Sieben Bürgermeister, sieben Gemeindevertretungen, sieben Tourismusbetriebe und Kurdirektoren... Bisher gibt es auf der 100 Quadratkilometer großen Insel Sylt sieben eigenständige Kommunen.
Die Initiatoren des Bürgerentscheids über die Fusion, die "Bürger für Sylt als Einheit", sehen in dem Votum über eine Teilfusion den ersten Schritt zu einem inselweiten Zusammenschluss, in dem es langfristig nur noch einem Bürgermeister, eine Verwaltung und einen Tourismusbetrieb geben soll. Kritiker fürchten dagegen, dass die Interessen der kleineren Gemeinden in einem großen Verbund untergehen könnten. Denn sie hätten im Vergleich mit der Inselmetropole Westerland (knapp 10.000 Einwohner) sehr viel weniger Bürger und damit weniger Stimmen in einem gemeinsamen Inselparlament. Die Sylter stellen am Sonntag also die Weichen für die Zukunft ihrer Insel.
Wenn Bürger keine Wahl haben
könnte das daran liegen, dass ihre Gemeinde zu klein ist. In Gemeinden mit weniger als 70 Einwohnern wird keine Gemeindevertretung gewählt. Hier entscheidet die Gemeindeversammlung unter Leitung des Bürgermeisters über politische Fragen.
könnte es auch Kampen sein
In Kampen auf Sylt stehen genau fünf Bewerber zur Wahl – genau so viele, wie die Bürger Stimmen haben. Die Kampener Wählervereinigung und die CDU haben sich vorher abgesprochen: Sie stellen die fünf Kandidaten gemeinsam auf. Nicht, dass es nicht genügend Bewerber gegeben hätte – die Kampener sind sich schlichtweg einig, was sie wollen. "Wir wollen gemeinsam das Beste für unseren Ort und haben schon vor zwei Jahren darüber gesprochen, für die jetzt anstehende Wahl alles zusammenzulegen“, sagte der bisherige CDU-Gemeindevertreter Dirk Erdmann. Er ist jetzt, wie seine Parteikollegen auch, der Wählervereinigung beigetreten.
Kommunalwahl – auch mitten in der Nordsee
Und auch im Watt ist Wahl: Auf den Halligen werden allerdings keine Gemeindevertretungen gewählt, dafür sind die Kommunen zu klein. An der Kreistagswahl nehmen die Hallig-Bewohner am Sonntag jedoch teil. Auf der Hallig Gröde beispielsweise leben 13 Menschen. Die Wahlurne steht im Wohnzimmer von Bürgermeister Volker Mommsen und die Gröder rühmen sich, stets die ersten im Land zu sein, die ausgezählt haben und das Wahlergebnis an den Wahlleiter melden. shz.de wird vom Wahlabend auf der Hallig Gröde berichten.
Schläger und Einbrecher wollen in Kiel gewählt werden
Lange Vorstrafenregister haben mindestens vier der Kandidaten, die die rechtsradikale NPD in der Landeshauptstadt ins Rennen schickt: Peter von der Born, der im Stadtteil Düsternbrook antritt, ist vorbestraft wegen Körperverletzung. Die Brüder Lars und Filip Jochimsen treten in Wik und Friedrichsort an und sind stehen demnächst wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Gemeinschädliche Sachbeschädigung, Einbruch und illegaler Waffenbesitz werden ihnen auch vorgeworfen. Matthias Lehnecke, NPD-Kandidat in Kiel-Mitte, ist bisher zu mehreren Geldstrafen unter anderem wegen Haus- und Landfriedensbruchs und wegen Volksverhetzung verurteilt worden. „Die Nazis spielen den Biedermann“, sagt Schleswig-Holsteins Innenminister Lothar Hay. Die kriminelle Vergangenheit einiger Funktionäre zeigten deutlich, wie gefährlich die Partei nach wie vor sei.

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