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Aus Milchkrise wird Butter-Boom : Wie es zum höchsten Butterpreis aller Zeiten kam

vom
Aus der Onlineredaktion

Billige Butter ist Geschichte. Der Preis für ein Paket Markenbutter ist zwischenzeitlich um mehr als einen Euro gestiegen.

shz.de von
erstellt am 28.Jul.2017 | 15:55 Uhr

Aarhus/Brüssel | Nach der großen Krise in der Milchviehwirtschaft 2016 und einer zweieinhalbjährigen Abwärtschleife, gefolgt von Bauern-Protesten und Pleiten, haben sich die Preise für Butter mehr als erholt. Der Butterpreis an den internationalen Rohstoff-Börsen hat sich zum Vorjahr mehr als verdoppelt und ist bereits auf den höchsten Wert aller Zeiten geklettert – und der Trend ging noch deutlich weiter nach oben. Deutsche Markenbutter ist im Preis von der Tiefmarke 70 Cent auf ihr ihr Allzeithoch 1,79 Euro für 250 Gramm geklettert.

Das Statistische Bundesamt hatte kürzlich die gestiegene Inflationsrate im Juni auf 1,6 Prozent mit verteuerten Milchprodukten erklärt. Der Milchpreis legte laut Statistischem Bundesamt um etwa 60 Prozent zu.

„Das ist der blanke Wahnsinn. Bisher befanden wir uns nicht einmal in der Nähe solcher Preise, mit denen in den vergangenen Wochen gehandelt wird. Und nichts deutet daraufhin, dass wir hier von einer Preisblase sprechen“, sagte der Wirtschaftsanalytiker und Ratgeber des dänischen Nahrungsmittelkonzerns Uhrenholt, Keld Winther Rasmussen der Agentur Ritzau. Er schätzt, dass die Preise durch eine erhöhte Nachfrage, kombiniert durch eine fallende Produktion die Preise in die Höhe getrieben haben. Die Preisdifferenz zu ausländischen Markenbuttern hierzulande ist inzwischen allerdings so gering, dass der Preis kaum weiter nach oben schnellen wird. Doch woran liegt diese Entwicklung?

In den ersten fünf Monaten von 2017 konnte laut EU-Kommission ein Produktionsrückgang von 6,5 Prozent verzeichnet werden. Viele Bauern hatten wegen der niedrigen Milchpreise im Jahre 2016 die Produktion von Rohmilch zurückgesetzt oder aufgegeben. „Dieser Produktionsrückgang hat den Markt am Anfang des Jahres hart getroffen, als gleichzeitig die Butterpreise stiegen“, so Rasmussen. Liberalisierung der europäischen Milchmärkte hatte über den Wegfall von Quoten zuvor eine Überproduktion begünstigt. Als Folge dieser Entwicklung haben Landwirte inzwischen Probleme an junge Kühe zu kommen – und die Butterproduktion lässt sich nicht mal einfach steigern.

Ein anderer Grund auf der Angebotsseite sind die witterungsbedingten Produktionsengpässe in Export-Ländern wie Australien und Neuseeland. Wirtschaftsanalysten mahnen angesichts der Entwicklung inzwischen vor Butterknappheit, weil auch die Nachfrage in der Weiterproduktion gestiegen ist – was auch mit den niedrigen Preisen im Vorjahr zusammenhängt.

Inzwischen sind die Preise seit dem Rekordtag 6. Juli an den Börsen zwar wieder um zwei Prozent gesunken, aber stabil auf historischem Spitzenniveau.

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