Blunk im Kreis Segeberg : Vier tote Rotmilane und ein Vergiftungsverdacht

Dieser Facebook-Post zeigt einen der verendeten Jungvögel, am Schnabel ist die ausgewürgte und vermutlich vergiftete Nahrung zu erkennen.

Dieser Facebook-Post zeigt einen der verendeten Jungvögel, am Schnabel ist die ausgewürgte und vermutlich vergiftete Nahrung zu erkennen.

Die toten Königsweihen weisen Vergiftungssymptome auf. Um den Horst rangen sich auch wirtschaftliche Interessen.

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27. Juni 2018, 11:43 Uhr

Blunk | In der Nähe von Blunk im Kreis Segeberg haben Vogelfreunde am 20. Juni mehrere tote Rotmilane gefunden. Zwei Jungvögel wurden zunächst leblos unter ihrem Horst entdeckt, ein weiterer verlor später sein Leben, als man ihn zum Tierarzt brachte. Am Dienstag wurde dann auch einer der Elternvögel der streng geschützten Art auf einer nahen Wiese tot aufgefunden. Verdacht der dort aktiven Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach: Die bedrohten Greifvögel wurden vergiftet, vermutlich über willentlich präparierte Köder, die die Rotmilan-Eltern nichtsahnend ins Nest ihrer Jungen transportierten. Da Vergiftungssymptome erkennbar sind, wurde eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

 

Äußere Verletzungen lägen nicht vor, berichten die „Lübecker Nachrichten“, dafür haben die Naturschützer um Nils Kuhnert-Schumacher aufgewürgte Futterreste in Schnabel und Schlund den Jungvögel registiert, die auf einem Foto deutlich zu erkennen sind. Auch die Rückenlage der Körper deuten auf einen plötzlichen Tod hin, es liegen keine Spuren von einem Kampf vor. Das toxikologische Gutachten wird erst in einigen Wochen erwartet und so sind es bisher lediglich Indizien. Die Gesamtsituation vor Ort betrachtet keimen allerdings schnell Verdächtigungen auf: Denn um den Horst rangen sich wirtschaftliche Interessen.

Ein Rotmilan frisst einen erbeuteten Fisch im Flug. /Archiv
imago/blickwinkel

Ein Rotmilan frisst einen erbeuteten Fisch im Flug. /Archiv

Weil Rotmilane – wie man vor allem in Brandenburg beobachten musste – besonders gefährdet sind durch Windkraftanlagen, müssen neue Anlagen einen Abstand von 1,5 Kilometern zu den Horsten der bedrohten Vögel haben. Areale ganz in der Nähe sind als Windkraftvorrangfläche deklariert: „Beide Horste hätten die Flächen in der Blunkerbach-Niederung und auf dem Daldorfer Geestrücken ernstlich tangiert“, sagt Kuhnert-Schumacher den „LN“. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume soll erst kurze Zeit vorher die Daten an die Landesforsten S.H. gemeldet haben. Jetzt fragen sich die Umweltschützer: Wer hat Zugriff auf diese Daten?

Mit Giftködern bewaffnet hätten die möglichen Mörder der Königsweihe aber auch ohne genaue Koordinaten leichtes Spiel, am Ende könnten ausgelegte Köder auch gegen andere Tierarten ausgelegt worden sein. Die Initiative bittet, den Fund möglicher Köder, die auch Haustiere bedrohen könnten, mit Handschuhen einzusammeln und den Fund zu melden. Hinweise, die zur Ergreifung eines Täters führen, werden mit bis zu 1000,- Euro belohnt. Die Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach ist erreichbar unter 0162-7221386.

Eine zusätzliche Brisanz erhält der Fall dadurch, dass erst zwei Wochen zuvor ein Rotmilan-Brutpaar mitsamt des Nachwuchses in derselben Region verschwunden war. Das vierte gefundene Milanjunge im aktuellen Fall wird im Wildpark Eekholt gepflegt.

Der Jagd- und Artenschutzbericht des Landes registriert jährlich mehrere Vergiftungen von Greifvögeln.

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