zur Navigation springen

Online-Umsätze : Mit Paywalls gegen die Kostenlos-Kultur

vom

Zeitungen in Dänemark setzen auf Bezahlschranken für ihre Artikel im Internet. Doch die Öffentlich-rechtlichen Sender des Landes könnten diese Strategie mit kostenlosen Angeboten untergraben.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 10:25 Uhr

Zeitungen in Dänemark haben ernste Probleme: Die Auflagen sinken jährlich um fünf bis zehn Prozent. Auch die Anzeigeneinnahmen brechen weg - wegen der Wirtschaftskrise und wegen des allgemeinen Strukturwandels. Im Jahr 2012 mussten die dänischen Tageszeitungen laut der Statistik der Branchenorganisation "Dansk Oplagskontrol" den stärksten Rückgang im Anzeigenumsatz seit drei Jahren hinnehmen. Er betrug elf Prozent. Experten erwarten für das laufende Jahr weitere Verluste.
Aber neben den schlechten Nachrichten gibt es auch positive Meldungen. Sie kommen vom digitalen Markt. Der Onlineumsatz steigt trotz des kühlen Wirtschaftsklimas stetig um rund zehn Prozent jährlich. Das zeigen Zahlen von der Organisation der Zeitungsverlage Danske Medier.

Hauptprofiteur bisher: Google

Das Problem besteht - aus Sicht der Zeitungen - darin, dass der Zuwachs nur in bescheidenem Umfang den traditionellen Medien zugutekommt. Vom Gesamtumsatz des dänischen Onlinemarkts von 600 Millionen Euro 2012 profitieren in erster Linie ausländische Akteure. Google war im letzten Jahr für etwa 40 Prozent der gesamten dänischen Onlineanzeigen zuständig, schätzt der dänische Medienexperte Frank Aagaard Andersen von der internationalen Werbeagentur Omnicom Media Group nach Informationen des Nachrichtenportals business.dk.
Den Weg aus der Krise suchen die dänischen Medienhäuser durch die Neuerfindung ihres traditionellen Geschäftsmodells. Sie setzen massiv auf Abonnementseinnahmen - jetzt allerdings im Netz und nicht mehr nur bei gedruckten Zeitungen.

Erfolgsmodell "New York Times"

"Unser Geschäft ist es im Grunde, Geld mit journalistischen Inhalten zu verdienen. Die Leser kommen im Netz zwar in großer Zahl, aber der Anzeigenumsatz kam nie auf ein Niveau, das den sinkenden Druckumsatz ausgleichen konnte. Und so, wie auch die Herstellung jeder anderen Ware Geld kostet, ist auch die Produktion von Journalismus mit Kosten verbunden. Dafür müssen wir also Geld bekommen", sagt Peter Orry, verantwortlicher Chefredakteur und Vorstandsvorsitzender des dänischen Kooperationspartners des sh:z, Syddanske Medier, der neben vielen anderen Aktivitäten auch die Tageszeitung "Jydske Vestkysten" im südlichen Teil von Jütland herausgibt.
Die beiden großen landesweiten Zeitungen "Politiken" und "Berlingske" haben sich vom Erfolg der "New York Times" inspirieren lassen. Beim "Metered"-Modell haben die Leser kostenlosen Zugriff auf eine bestimmte Anzahl von Artikeln - bei politiken.dk 25 im Monat. Erst nachdem diese Quote verbraucht ist, muss bezahlt werden.

Erfolg trotz Leserrückgang?

Bei "Politiken" und "Berlingske" sind das bescheidene rund sechs Euro für ein Monatsabonnement. Die dritte große landesweite Zeitung, "Jyllands Posten", hat einen anderen Weg gewählt. Hier kann der allgemeine Nachrichtenstrom weiterhin kostenlos gelesen werden, während Spezialprodukte im Netz gekauft werden müssen.
Die Berlingske-Tochter "Midtjyske Medier", die sechs Lokalzeitungen in Mitteljütland herausgibt, ist radikaler. Seit November letzten Jahres sind sämtliche lokalen Inhalte hinter Paywalls gewandert, nur die laufenden Meldungen der Presseagentur BNB sind noch kostenlos. Das Ergebnis war ein massiver Rückgang der Besucherzahlen. Die Zahl der Leser auf den Internetseiten der sechs Zeitungen sank um 60 Prozent. Dafür wurden im ersten Monat nach Einführung der Bezahlpflicht mehr als 1000 digitale Abonnements zu einem Preis von 6,50 Euro pro Stück verkauft. Erfolg oder Fiasko?"

Journalistische Inhalte kosten Geld

Das ist schwer zu sagen. Wir sind die ersten Lokalmedien, die es in Dänemark tun, darum ist das nicht einfach zu beurteilen, ob es ein Erfolg ist oder nur einfach okay. Aber wir freuen uns natürlich grundsätzlich darüber, dass rund 1300 Personen aktiv gezeigt haben, dass sie für den Inhalt bezahlen wollen", sagte Dorthe Carlsen, Chefredakteurin von "Midtjyske Medier" dem Branchenportal mediawatch.dk.
"Syddanske Medier" verlangt ab kommendem Herbst Geld für große Teile der Inhalte von jv.dk, der Newssite der "Jydske Vestkysten". "Syddanske Medier" hat sich von der norwegischen Zeitung Fædrelandsvennen inspirieren lassen. Das bedeutet, dass praktisch die gesamte journalistische Produktion nicht nur der Online-, sondern auch der Zeitungsredaktion ins Netz gestellt wird. Der gewöhnliche Nachrichtenstrom der Onlineredaktion mit Meldungen über lokale Ereignisse bleibt weiterhin kostenlos. Die journalistischen Inhalte der Zeitung werden dagegen zukünftig auch im Netz Geld kosten.

Öffentlich-rechtliche Sender als Wettbewerber im Netz

Besorgnis erregen bei den Zeitungshäusern jedoch starke Wettbewerber an der Nachrichtenfront. Die staatlichen elektronischen Medien Danmarks Radio und TV2 bieten ihre Inhalte kostenlos im Netz an. Und im Gegensatz zur Lage in Deutschland ist die öffentlich rechtliche Berichterstattung in Dänemark umfassend. Danmarks Radio und TV2 haben auch regionale und lokale Meldungen auf ihren Homepages, wo sie übrigens eifrig aus den Zeitungen zitieren, die jetzt versuchen, ihr Geschäft durch Paywalls zu schützen.
"DR und TV2 Regionerne sollten sich auf das konzentrieren, zu dem sie geschaffen wurden: öffentlich-rechtliches Radio und TV zu produzieren und mit Webauftritten lediglich den Radio- und TV-Teil zu unterstützen. Es ist eine Herausforderung für die Aboeinnahmen der privaten Medien im Netz, dass sowohl DR-Fernsehen, DR-Regionalradio als auch TV22 Regionerne ihre Nachrichtenseiten weitgehend mit Zitaten oder Plagiaten aus den privaten Medien betreiben", heißt es u. a. in dem Diskussionspapier von Danske Medier, die ohne politischen Eingriff eine Zukunft fürchten, in der die Staatsmedien, mehr oder weniger, ein Monopol für die Information der Dänen bekommen.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen