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Zukunft der Medien

13. Dezember 2017 | 12:38 Uhr

Crowdfunding : Die Masse macht's

vom

Kann mit Crowdfunding Journalismus finanziert werden? Zwei Volontäre unseres Verlags haben es ausprobiert - mit dem Magazin "Wie glaubt der Norden?"

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2013 | 17:27 Uhr

Ein Magazin über die künftigen Leser finanzieren? Kein Problem: Wir suchen uns ein spannendes Thema, etwa Glaube und Religion in Norddeutschland, drehen ein passendes Video dazu und präsentieren das ganze auf einer Internetseite, und das Geld - 2500 Euro für den Druck - haben wir im Handumdrehen zusammen. Das dachten wir zumindest.

Doch es kam alles ganz anders: Nachdem wir das Projekt am 22. Februar auf der Internetplattform krautreporter.de freigeschaltet hatten, sah zunächst alles gut aus. Der rote Balken, der den Fortschritt der Finanzierung anzeigt, wuchs jeden Tag ein bisschen mehr. Doch nach zehn Tagen: Stillstand. Warten. Enttäuschung. Gerade einmal 440 Euro hatten wir zusammen. Kam die Idee bei den Lesern nicht gut an? Machten wir zu wenig Werbung? Man müsse die Leute schon direkt ansprechen, hatten uns die Macher von Krautreporter schon im Vorfeld geraten.

Wird die Summe nicht erreicht, gibt es auch kein Magazin

Doch auch eine Info-Veranstaltung in Itzehoe, bei der wir unser Vorhaben präsentierten, war eher ernüchternd - es kamen ganze sieben Leute. Die waren zwar hochinteressiert, bekamen sich  bei der Diskussion über die Rolle des Islams fast in die Haare, aber die Finanzierung unseres Magazins konnten sie nicht alleine stemmen. Auch die Aufrufe in den sh:z-Tageszeitungen, auf Facebook, Twitter und shz.de blieben ungehört. Wir sahen unsere Felle schon davon schwimmen. Denn beim Crowdfunding gilt das Prinzip: Alles oder nichts. Soll heißen: Wird die Summe nicht erreicht, gibt es auch kein Magazin. 

Immerhin, die Kollegen vom NDR schien das Thema zu interessieren - in einem Beitrag über krautreporter.de holte das Medienmagazin "Zapp" unser Projekt vor die Kamera. So stiegen die Klickzahlen auf unserer Seite wieder ein wenig, aber der rote Balken wollte immer noch nicht vom Fleck kommen.

Der rote Balken stieg wieder an

Eine neue Strategie musste her. Wir mussten Antworten suchen auf die wichtige Frage, die uns immer mehr potentielle Leser entgegenbrachten: "Wie soll euer Magazin denn aussehen? Was soll denn da drin stehen?" Bislang hatten wir nur eine grobe Vorstellung davon: Wir wollten Schamanen und Pfarrer, Esoteriker und Atheisten, Buddhisten und Moslems interviewen, ihre Geschichten und Vorstellungen hören und darüber berichten. Aber wir hatten noch nichts in der Hand. Deshalb zogen wir los und suchten sie: Die Karma-Arbeiter, die meditierenden Buddhisten, die Aktivisten in den Kirchengemeinden, die religiösen Vorreiter und die Gläubigen im Verborgenen, die wir dann auf unserer Facebook-Seite vorstellten. Und wenn wir einen gefunden hatten, entdeckten wir gleich drei weitere. Und siehe da: Der rote Balken stieg wieder an.

Wir erzählten von unserem Projekt: am Telefon, in persönlichen Gesprächen, nach Gottesdiensten und bei Veranstaltungen. "Ich finde gut, dass ihr so etwas mal auf Schleswig-Holstein bezogen macht", sagte uns ein Interessent, "aus Hamburg lesen wir schon genug." Am nächsten Tag trudelte eine größere Summe von ihm auf unserem Konto ein. Und damit war er nicht der einzige. Viele andere taten es ihm gleich - mal mit fünf Euro, mal mit 100, und in einem Fall sogar mit ganzen 300 Euro.

Jubel, Glück und Vorfreude auf spannende Recherchen

Einen weiteren großen Fortschritt brachte die Möglichkeit, nicht nur per PayPal, sondern auch per Überweisungsträger zahlen zu können. Die herkömmliche Zahlungsweise schien dem Gros unserer Zielgruppe am meisten zuzusagen. Am Ende jedenfalls hatten 55 Prozent aller Unterstützer eine klassische Überweisung getätigt.

Dass auf diese Weise selbst schleppend anlaufende Ideen noch zum Erfolg führen können, zeigt unser Beispiel. Am Ende erreichten wir sogar ein bisschen mehr als die benötigten 2500 Euro. Für uns hieß das: Jubel, Glück und vor allem Vorfreude auf spannende Recherchen, Interviews und tolle Geschichten.

Es steht fest: Crowdfunding funktioniert - auch auf Umwegen, auch für Nicht-Internetnutzer. Aber es ist kein Selbstläufer, keine Kugel, die einfach weiterrollt, wenn man sie einmal angestoßen hat und erst recht kein schnell verdientes Geld. Vielmehr muss das Projekt mit persönlichem Einsatz am Laufen gehalten werden - die künftigen Leser wollen überzeugt werden.

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