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Zukunft der Medien

18. Oktober 2017 | 17:12 Uhr

Augenblicke : Die Macht der Bilder

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bilder sind mehr als optisches Beiwerk in der Zeitung. Fotos sind emotional - sie erzählen eine eigene Geschichte, sie rütteln auf und im Idealfall werden sie zum Symbol.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2013 | 16:26 Uhr

Fotos sind ein fester Bestandteil des Lebens. Sie begegnen uns großflächig auf Plakatwänden, in Zeitschriften und morgens in der Tageszeitung. Ein gutes Foto spricht den Betrachter emotional an und kann die verschiedensten Gefühle auslösen: Freude, Bewunderung, Mitleid, Abneigung, aber auch Wut, Unverständnis, Enttäuschung oder Ekel.

Die Zeitung möchte ihre Leser umfassend informieren, aber zwischen Informationspflicht und Sensationsgier besteht ein erheblicher Unterschied. Bei einem Verkehrsunfall mit Verletzten und Toten beispielsweise stellt sich die Frage, welche Bilder man zeigen kann. Müssen es die Nahaufnahmen mit viel Blut und Leichen sein? Nein - natürlich muss über das Ereignis berichtet werden, auch mit Fotos, aber nicht alles muss gezeigt werden. Es müssen ethische Grundsätze eingehalten werden.

Ein Foto als Synonym für die Eroberung des Weltraums

Doch manchmal haben schockierende Bilder auch positive Effekte. Da bewirkt ein Foto mehr, als es Hunderte von Artikeln mit all ihren Fakten vermögen. Ein kurzer Augenblick des Lebens wird unsterblich, wenn der Fotograf die Kamera im richtigen Moment auslöst. Das Foto stellt dann mehr als nur ein Abbild der Wirklichkeit dar, es erzählt eine ganze Geschichte. Das kleine nackte vietnamesische Mädchen, das schreiend und mit schweren Verbrennungen vor einem Napalm-Angriff flüchtet. Ein Bild, das um die Welt ging. Es war am 8. Juni 1972 als der Fotograf Nick Út auf den Auslöser seiner Kamera drückte und diesen Moment auf Film bannte. Ein Dokument der Zeitgeschichte, das auf unzähligen Titelseiten gedruckt wurde. Es rüttelte auf, führte zu einem Umdenken in der Bevölkerung. Mit diesem erschütternden Foto wurde der Welt und ganz besonders der amerikanischen Öffentlichkeit gezeigt, wie grausam dieser Krieg war und welche Leiden er für die Zivilbevölkerung brachte. Für die Protestbewegung in den USA wurde das Foto zu einem Symbol - und es half, den Verlauf des Vietnamkrieges zu verändern. Die amerikanische Bevölkerung war nicht länger bereit, den sinnlosen Tod Tausender junger Menschen hinzunehmen.

Auch so etwas simples wie das Foto eines Fußabdrucks kann zu einem Symbol werden. Der berühmte Stiefelabdruck im Mondstaub, den Buzz Aldrin am 20. Juli 1969 fotografiert hat, erzählt die Geschichte der ersten Mondlandung. Es dokumentierte sowohl eine technische Höchstleistung, als auch in der heißen Phase des Wettrüstens einen wichtigen politischen Erfolg um die Vorherrschaft im All. Dieses Foto wurde zum Synonym für die Eroberung des Weltraums durch den Menschen.

Bild und Text ergänzen sich

Die schrecklichen Bilder aus den Konzentrationslagern, die die Greueltaten des Nazi-Regimes in all ihrer Brutalität aufzeigten. Der wohl berühmteste Sprung in die Freiheit, als der junge NVA-Soldat Conrad Schumann über die noch provisorische DDR-Grenzanlage sprang. Uwe Seeler, der 1966 mit gesenktem Kopf im Wembley-Stadion vom Platz ging. Willy Brandts Kniefall vor dem Ghetto-Denkmal in Warschau. Jedes dieser Bilder erzählt eine Geschichte.

Während ein Text Wort für Wort aufgenommen wird, wirkt das Bild unmittelbar, innerhalb von Sekundenbruchteilen. Es weckt Neugier und Interesse - bei richtigem Einsatz ist ein Bild das "Tor zum Textverständnis". Das journalistische Foto liefert zusätzliche Informationen, die über den Text allein nur schwer zu vermitteln sind. Bild und Text ergänzen sich, machen die Aussage eindeutiger und verständlicher.

Die Authentizität von Bildern zu prüfen gehört zum Alltag

Der technische Fortschritt bescherte uns nicht nur eine Fülle von Bildern, sondern auch die Möglichkeit zur Manipulation. Die digitale Nachbehandlung von Fotos ist sehr schön in jedem Hochglanzmagazin zu betrachten. Stars und Sternchen ohne jeden Makel. Die sogenannte "Barbiefizierung" zeigt ein völlig unrealistisches Schönheitsideal. Aber auch der ambitionierte Hobbyfotograf hat heute mit Bildbearbeitungsprogrammen viele Möglichkeiten, seine Fotos zu verändern. Ein makabres Beispiel dafür ist ein Foto, das kurz nach den Anschlägen des 11. September 2001 auftauchte: Im Hintergrund eines Urlaubsfotos nähert sich ein Flugzeug, welches sich unterhalb der fotografierten Person befindet. Dieses Foto soll den Zeitpunkt direkt vor dem Einschlag des ersten Flugzeuges zeigen. Es gab wilde Spekulationen über dieses Bild - doch schnell wurde es als Fälschung entlarvt. Auch früher schon gab es solche Bildverfälschungen, nur waren sie ungleich schwieriger auszuführen. Die Authentizität von Bildern zu prüfen und zu hinterfragen, aus welcher Quelle das Foto kommt, gehört mittlerweile zum Alltag in einer Redaktion.

Bildveredelungen sind dagegen an der Tagesordnung. Sie dürfen allerdings niemals die Bildaussage verändern. Ein schiefer Horizont wird begradigt - oder ein ablenkendes Detail wird durch geschickten Bildschnitt weggelassen, damit der Betrachter schneller auf die Kernaussage gelenkt wird. Dies ist übrigens auch auf dem berühmten Vietnam-Kriegsfoto mit dem schreienden Mädchen geschehen. Im Originalausschnitt ist noch ein Kameramann zu sehen, der in aller Seelenruhe einen Film wechselt. Dies hätte aber die dramatische Aussage des Bildes abgeschwächt. Da ein Foto stets nur einen begrenzten Ausschnitt abbilden kann, die Aussage des Bildes nicht verfälscht worden ist, sondern nur in der Bildwirkung verstärkt, ist diese Art der Bildbearbeitung legitim.

Fotos sind das Salz in der Suppe

Bilder besitzen Macht, mit ihnen lassen sich nicht nur Ereignisse dokumentieren, sie provozieren Stimmungen und transportieren Emotionen. Man darf darüber aber nicht vergessen, das Fotos, ähnlich den Berichten von Zeitzeugen, die Interpretation eines Ereignisses aus einem bestimmten Blickwinkel zeigen.
Im Lauf von Jahrzehnten haben sich die Seh- und Lesegewohnheiten verändert, lange Texte werden immer weniger gelesen, der Trend geht zu kürzeren Artikeln und mehr Variation. Mit einem Text wollen Journalisten Fakten vermitteln, aber eine randvoll mit Text gefüllte Seite ermüdet den Leser schnell - er liest nicht bis zum Ende. Da sind Fotos das Salz in der Suppe.

Ein Printmedium wie die Tageszeitung, ist nach wie vor stark textbasiert, aber ohne aussagefähige Bilder gar nicht mehr vorstellbar. Zum Einen erzeugen sie Aufmerksamkeit und lockern die Seite auf, in dem sie für Abwechslung sorgen. Zum Anderen dienen sie der Unterstützung der textlichen Berichterstattung. Sie vermitteln das Gefühl, ein Ereignis miterleben zu können. Deswegen gilt die alte Aussage "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" nach wie vor.

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