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Zukunft der Medien

17. Oktober 2017 | 21:28 Uhr

Jugend : Die Leser der Zukunft

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Wie sieht die Zukunft der Zeitung aus? Die Neuntklässler der Klaus-Groth-Schule in Neumünster müssen es wissen: Sie sind die Leser der Zukunft. Ein Besuch.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2013 | 16:20 Uhr

Die Neuntklässler sind sich einig: Müssten sie sich jetzt für ein Medium entscheiden, das sie mit auf eine einsame Insel nehmen, wäre es ihr Smartphone. Kein Wunder. Denn mit einem Handy kann man mittlerweile viel mehr als bloß telefonieren. Der Mini-Computer vereint alle Mediengattungen. Radio hören: Das Internet macht es möglich. Nachrichten lesen: Das Internet macht es möglich. Fernsehen gucken: Wozu das noch? Es gibt doch Youtube.

Die Jungen und Mädchen aus Neumünster liegen mit ihrer Wahl im Trend: Laut einer Langzeitstudie von ARD und ZDF wird das Internet von 70 Prozent der 14- bis 29-Jährigen genutzt (Stand: 2010). Während Fernsehen, Radio und Zeitung in ihrer Reichweite bei den 14- bis 29-Jährigen stetig abnehmen, zieht das Internet rasant an ihnen vorbei. In einer jahresaktuellen Befragung von Forschern des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung wird der Trend bestätigt. 90 Prozent der befragten 14- bis 29-Jährigen gaben demnach an, dass das Internet für sie eines der wichtigsten Informationsmedien sei.

Geht es um regionale Geschehnisse, ist die Zeitung vorn

Wie soll und kann Zeitung in Zukunft dann konkurrenzfähig bleiben? Die Neuntklässler aus Neumünster überlegen. Was kann ihnen nur die Tageszeitung bieten? "Den Spielbericht von meinem Fußballverein", fällt es einem Schüler ein. Stimmt. Nur die Lokalzeitung informiert detailliert über Geschehnisse aus der Region. Das bestätigen auch Ergebnisse von Uwe Hasebrink und Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut. Wenn es um konkrete Informationsbedürfnisse geht, steht das Internet nicht an erster Stelle. Wenn sich die Befragten über internationale oder nationale Nachrichten informieren, nutzen die meisten das Fernsehen. Geht es aber um regionale Geschehnisse, ist die Zeitung vorn. Über 40 Prozent der 14 bis 29-Jährigen greifen zur Zeitung, wenn es darum geht, sich über Geschehnisse in ihrer unmittelbaren Umgebung zu informieren.

Ein weiterer Faktor rückt die gedruckte Tageszeitung weit nach vorn: die Glaubwürdigkeit. Laut einer JIM-Studie (Jugend, Information und Multi-Media) von 2012 lesen zwar nur 26 Prozent der Jugendlichen täglich Zeitung, doch geht es darum, glaubwürdige Informationen zu bekommen, so bleibt die Tageszeitung für die Mehrheit der Jugendlichen im Alter von zwölf bis 19 Jahren das vertrauenswürdigste Medium.

Bilder in die Luft projizieren

In der Neumünsteraner Klaus-Groth-Schule haben nicht alle Neuntklässler eine Tageszeitung zu Hause. Durch das "Zisch"-Projekt, an dem sie momentan teilnehmen, lernen die Schüler den Holsteinischen Courier besser kennen.

Und wie müsste sich die Zeitung entwickeln, damit sie sie kaufen würden? Die Diskussion darüber entfacht bei einigen Schülern regelrecht ihre Fantasie: "Wie wäre es denn, wenn bewegte Bilder in die Luft projiziert werden?!" Ein weiterer, sowohl fortschrittlicher als auch praktischer Gedanke: Die Zeitung als Audiodatei. Für sehbehinderte Menschen beispielsweise ein willkommenes Angebot.

Das Internet ist bei all diesen Ideen nicht wegzudenken. Ständige Aktualisierungen und technische Raffinessen lassen sich nur online umsetzen. Doch auch eine Kombination der gedruckten und der Online-Zeitung könnten sich die Schüler vorstellen. Denn "lange Texte lassen sich in der Zeitung einfacher lesen, auch weil man das Ende des Textes besser im Blick hat", haben die Schüler beobachtet.

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