Youtube : Y-Titty: Werbe-Skandal statt Lachnummer

Die Comedystars bestreiten die Vorwürfe. Sollten sie sich bewahrheiten, stehen das Vertrauen und die Sympathien der Fans auf dem Spiel.
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Die Comedystars bestreiten die Vorwürfe. Sollten sie sich bewahrheiten, stehen das Vertrauen und die Sympathien der Fans auf dem Spiel. Foto: DPA

Den deutschen Internet-Stars Y-Titty wird Schleichwerbung vorgeworfen. Ein Kieler Fachanwalt sieht dabei ein generelles Problem im Internet.

shz.de von
27. März 2014, 14:31 Uhr

Kiel | Ihre Videos erreichen ein Millionenpublikum, von dem so manche Fernsehsendung träumt: Die Bayrische Comedy-Truppe Y-Titty ist mit ihren Liedern, Parodien und Sketchen auf dem Videoportal Youtube bei jungen Internetnutzern gefragt. 2,85 Millionen Nutzer haben ihren Videokanal abonniert. Doch statt mit Lachnummern, müssen sich die drei Jungs aktuell mit unangenehmer Kritik auseinandersetzen. Aus dem öffentlich-rechtlichen Lager kommen Vorwürfe gegen die Künstlergruppe, illegale Schleichwerbung verbreitet zu haben. Nach Recherchen des Südwestrundfunks (SWR) präsentierten Y-Titty Produkte von Samsung, McDonalds und Coca-Cola in Videos, ohne dabei die Zusammenarbeit mit den Firmen zu kennzeichnen. Auch zwei weiteren deutschen Youtube-Stars will das Magazin Report Mainz Schleichwerbung nachgewiesen haben.

Konkret geht es dabei um ein Video von einem Musikfestival. Dort stehen Matthias Roll und der gebürtige Kappelner Philip Laude von Y-Titty mit Handys in der Hand. Die sollen besonders robust sein, verspricht der Hersteller. Also schmeißen die beiden Entertainer die Handys auf den Boden. „Und? Nichts passiert!“, sagt Laude und hält das Gerät in die Kamera.

 

Der Rechtsanwalt der Künstlerformation weist die Vorwürfe zurück und erklärt: „Videos unserer Mandanten erhalten weder Kaufaufforderungen noch rücken sie Produkte werbend in den Mittelpunkt.“ Wenn Videos unterstützt würden, dann werde dies in gebotenem Umfang deutlich gemacht. Dennoch hat die zuständige Bezirksregierung Mittelfranken aufgrund des TV-Berichts ein Prüfverfahren eingeleitet. Landesmedienanstalten-Chef Jürgen Brautmeier erklärte gegenüber „Report Mainz“, dass die Art und Weise der Produktdarstellungen den Verdacht auf Gesetzesverstöße nahe legen: „Wenn da Absicht dahintersteht und auch Geld fließt und ein Auftrag erteilt wird, dieses Produkt zu zeigen, das ist Schleichwerbung. So ist es auch bei den YouTube-Videos, die wir uns angesehen haben.“ Der SWR-Bericht vermittelt den Eindruck, dass die zuständigen Aufsichtsbehörden Videoplattformen wie Youtube bisher nicht ausreichend kontrollieren. Und das, obwohl diese bei Jugendlichen die klassischen TV-Programme gerade ablösen. Bezeichnender Weise sagte Philip Laude im Interview mit unserer Zeitung noch vor einem Jahr: „Die ältere Generation kann auch bei der Geschwindigkeit, die das Internet an den Tag legt, kaum mithalten.“

Der Kieler Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht Stephan Dirks hält den Vorwurf der Schleichwerbung für nachvollziehbar und erklärt: „Egal, ob bei der Zeitung, dem Fernsehen oder dem Internet: Überall gilt das Trennungsgebot. Danach müssen die Zuschauer und Leser klar zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten unterscheiden können.“ Wenn man die Videos von Y-Titty mit Sendungen im Fernsehen gleichstellt, könne man durchaus zu der Ansicht kommen, dass es sich bei den genannten Beispielen um Schleichwerbung handelt. „Da können seitens der Landesmedienanstalten Bußgelder von bis zu 50 000 Euro fällig werden“, so der Fachmann für Werberecht. Er glaubt jedoch, dass Y-Titty viel schneller Probleme mit ihren Mitbewerbern als mit den Behörden bekommen könnten. Wenn Youtube-Kanäle Schleichwerbung anbieten, sei das auch ein Wettbewerbsverstoß. Kanäle, die sich auf erlaubte Werbeformenen beschränken wären dann im Nachteil. „Zusätzlich zu den Behörden-Bußgeldern könnten sie also auch von Mitbewerben abgemahnt und verklagt werden. Das kann sehr schnell gehen“, sagt Dirks.

Die Diskussion um Y-Titty und andere Youtube-Stars ist keine Einzelfall. Schleichwerbung sei gängige Praxis im Internet. „Fast jeder der einen etwas bekannteren Blog betreibt, bekommt von zwielichtigen Agenturen dubiose Angebote. Dann soll ein Produkt unauffällig beworben werden, ohne dass die Nutzer es merken“, sagt Dirks, der selber einen Fachblog betreibt. Er warnt vor diesen Angeboten: „Das können auch verdeckte Versuche von Mitbewerbern sein. Werden Fälle von Schleichwerbung erst einmal bekannt, verspielt man auch schnell das Vertrauen und die Sympathien der Nutzer.“

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