Auf Tour mit dem Trash-Mobil : "Wehe, hier räumt jemand auf..."

Müll als ägyptische Kunst: Hier hat sich eine Pyramide aufgetürmt. Foto: Nagar
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Müll als ägyptische Kunst: Hier hat sich eine Pyramide aufgetürmt. Foto: Nagar

Täglicher Tütentransport: Das Trash-Mobil befreit die Camping-Stadt vom Abfall. Dafür gibts Anerkennung von den Campern - aber keinen Schutz vor Schlammfallen.

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05. August 2012, 04:55 Uhr

Wacken | Mit Bierdosen, in Grillsauce eingeweichten Papptellern und den sterblichen Überresten eines Klappstuhls hat die Campergruppe ihr Zeltgrundstück eingefriedet. Ein Knick aus Müll trennt sie vom schlammigen Spazierweg. Harald Sievers wedelt mit einer schwarzen Folie: "Braucht ihr noch eine Mülltüte?" "Nein danke", ruft einer der Camper zurück und grummelt in die traute Frühstücksbier-Runde: "Wehe, hier räumt jemand auf."
"Es gibt welche, die sind ordentlich und halten ihren Platz sauber", erklärt Sievers. "Und es gibt solche, die werfen alles einfach vors Zelt." Der Tonfall deutet an, welche Art Wackencamper ihm lieber ist. Der 35-Jährige taucht jeden Tag für mehrere Stunden den schwarzen Metal-Kosmos ab, um auf den Campingplätzen die Mülltüten einzusammeln und um neue Beutel zu verteilen. "Das erste Mal war schon so eine Art Kulturschock…" Und doch: Nachdem er im vergangenen Jahr für die Rendsburger Behindertenwerkstätten die Müllabfuhrrunde einmal gefahren ist, wollte er in diesem Jahr unbedingt wieder dabei sein.
Anerkennung für die Männer vom Trash-Mobil
Von Dienstag bis Sonntag sind fünf Teams der Werkstätten von 9 bis 16 Uhr auf den Plätzen unterwegs und sammeln volle Tüten ein, die die Camper an den Weg stellen. Viele lassen es sich nicht nehmen, selbst zum offenen Kleinlaster zu gehen um ihren Unrat loszuwerden.
Ein langhaariger Blonder überreicht Sievers seinen Abfall und erhält zwei leere Tüten dafür. "Wir kriegen hier viel Anerkennung", sagt Sievers stolz. ",Ihr seid die besten’, hat einer gesagt." Er wirft locker aus dem Handgelenk einen schwarzen Sack vor ein Zelt, an dem sich der Müll schon tief in die Matsche eingearbeitet hat. "Das Trash-Mobil ist da", ruft er melodisch und geht mit seinem Kollegen Roman Heinz weiter hinter dem Kleinlaster her.
Die Schlamfalle schnappt zu
An einer besonders schlammigen Kreuzung ist für den Kleinlaster plötzlich kein Durchkommen mehr. Festgefahren. Die Räder drehen sich im Schlamm. Heinz und Sievers stemmen sich gegen das Fahrzeug, um es aus der Kuhle zu befreien. "Geil, genau vor unserem Zelt, was für ein Service", feixt ein Camper und genießt das Spektakel. Doch - Ehrensache - die jungen Männer lassen sich nicht lange bitten und schieben mit einer spontanen Gruppe das Trashmobil aus der Schlammfalle.
"Hier auf Wacken macht es mir Spaß. An die Musik kann man sich auch gewöhnen", sagt Sievers. "Aber sonst wäre Müllabfuhr nichts für mich." Sonst macht er für die Rendsburger Werkstätten Gartenarbeiten, sein Kollege Heinz ist in der Tischlerei beschäftigt.
Am Müll, der verstreut herumliegt, stört Sievers sich nicht. "Das gehört ja nicht zu meinem Job." Nach und nach füllen Sievers und Heinz die Ladefläche mit Tüten. "Dienstag war hier ja noch wenig los", bilanziert Sievers. "Aber am Donnerstag hatten wir mittags schon den Wagen voll." Dann fährt der Kleinlaster den Müll zum Container - und die Runde startet erneut. Denn Metal geht auch ohne Müll.

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