WOA : Technik für den Rock-Wahnsinn

300 Meter Bühnenkonstruktion: Hier toben von heute Abend an mehrere 10  000 Anhänger besonders harter Musik. Foto: Michael Ruff
300 Meter Bühnenkonstruktion: Hier toben von heute Abend an mehrere 10 000 Anhänger besonders harter Musik. Foto: Michael Ruff

Alles klar für Wacken: Bevor 75.000 Fans heute das weltgrößte Heavy-Metal-Festival erobern, schrauben die Helfer in dem kleinen Dorf im Kreis Steinburg um die Wette.

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02. August 2012, 08:08 Uhr

wacken | Wer braucht schon Ortsschilder? In Wacken werden die jedes Jahr abgeschraubt - zum Schutz vor Souvenirjägern. Dass man in der weltgrößten Heavy-Metal-Metropole angekommen ist, weiß man jetzt auch so. Denn Wacken macht es wie Hollywood: Auf der Wiese kurz vor dem Ortseingang des kleinen Dorfes im Kreis Steinburg prangt jetzt in riesigen Lettern der Schriftzug des Festivals.
Rund 75.000 Fans reisen in diesen Tagen in die 1900-Seelen-Gemeinde, um ab heute vier Tage lang dem kollektiven Rock-Wahnsinn zu frönen. Auf dem Festival-Gelände gehen die Vorbereitungen derweil in die heiße Phase. Nachdem Dauerregen den Veranstaltern zu schaffen gemacht hatte, blieb es am letzten Tag trocken.
650 Toiletten, 450 Duschen und 40 Kilometer Bauzaun
Insgesamt 1000 Lastwagen rollen im Akkord über das 220 Hektar große Gelände und die rund 5000 Mitarbeiter wuseln mit Autos, Gabelstaplern oder Quads umher wie Ameisen in einem Haufen. An den Bühnen werden die letzten Stahlträger hochgezogen, 650 Toiletten, 450 Duschen und 40 Kilometer Bauzaun werden aufgebaut und die Zelte in der Fressmeile füllen sich nach und nach mit Leben.
Vier Kilometer Leistungskabel und sechs Kilometer flexible Stromleitungen stellen außerdem die Versorgung auf dem gesamten Areal sicher. Bei einer Gesamtleistung von acht Megawatt - das entspricht dem Verbrauch einer Kleinstadt mit 50.000 Einwohnern - eine Mammutaufgabe für die 18 Elektriker, die auf dem Wacken Open Air am Werk sind.
"Wenn es in acht Metern Höhe anfängt zu regnen, wird es richtig rutschig"
Doch nicht nur die Technik muss bis zum Start des Metal-Spektakels einwandfrei funktionieren - auch für die richtige Atmosphäre wird gesorgt. Riesige bunte Leuchtballons mit dem Bullenschädel sollen auf den großen Wacken-Türmen farbige Akzente setzen und den Besuchern zudem als kleine Orientierungshilfe dienen. Beim Aufbau mussten die Mitarbeiter der Firma Air Elements aus Berlin die Schönwetterperioden abpassen. "Wenn es in acht Metern Höhe anfängt zu regnen, wird es richtig rutschig", erklärt Schrauber Tim - Zeit für mehr Worte hat er nicht, er muss weiter werkeln. Romantisches Flair schaffen die zahlreichen W:O:A-Fackeln, die auf dem Gelände verteilt werden. Mit Petroleum befüllt sorgen sie für eine stimmungsvolle Beleuchtung, während am Abend die Bässe durch die Boxen dröhnen.
Von dem hektischen Treiben auf dem Gelände kriegen die Fans jedoch nicht viel mit. Weil der Zeltplatz wegen des schlechten Wetters erst gestern geöffnet wurde, mussten sich einige zu früh angereiste Metalheads spontan um alternative Übernachtungsmöglichkeiten kümmern. Xander Temperman und Bruce und Bryan de Kwant entschieden sich, ihren kleinen Citroen zur Schlafwiese umzufunktionieren. "Nicht gerade gemütlich, aber es ist ja nicht für lange", sagt Bruce de Kwant. Der Holländer und seine beiden Freunde nehmen es gelassen - immerhin sind sie vor allem wegen der guten Stimmung hier. "Die Atmosphäre hier ist einfach grandios und die Menschen sind alle super freundlich."
Auf viele bekannte Gesichter hoffen auch Carsten Jubelt (38) und Mike Rau (35) aus Kassel. Die beiden Metal-Fans sind mit dem Wohnmobil angereist und sind schon seit mehr als zehn Jahren eingefleischte Fans des Wacken Open Air. "Es macht jedes Jahr eine Menge Spaß und man lernt so viele Leute kennen", so Carsten Jubelt. Der 38-Jährige und sein Freund sind bereits am Freitag in das Steinburger Dorf gereist, um das Festival in vollen Zügen genießen zu können. "Das ist wie eine Woche Urlaub für mich", sagt er.

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