WOA 2018 : Staub statt Schlamm – Metal-Fans trotzen der Hitze

Ein Besucher des Wacken Open Air hat sich zur Abkühlung in ein Schlammloch eingraben lassen.

Ein Besucher des Wacken Open Air hat sich zur Abkühlung in ein Schlammloch eingraben lassen.

Das Wacken Open Air gilt als eine große Schlammschlacht. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Wirklich alles?

shz.de von
01. August 2018, 20:08 Uhr

Wacken | Staub knirscht zwischen den Zähnen, Salzkrusten bilden sich im Gesicht, Sonnenschein brennt auf der Haut. Für Abkühlung sorgt ein kleiner Rasensprenger, in dessen Regen sich die anwesenden Festival-Besucher stellen, als würden sie Gottes Segen empfangen: Den Blick zum Himmel, Hände an kraftlosen Armen hängend, den Rücken leicht im Hohlkreuz. Binnen Minuten bildet sich eine rund fünf Meter große Schlammfläche – woraufhin sich die ersten Besucher beinahe sehnsüchtig in den kühlenden Matsch werfen und gegenseitig einreiben.

Was sich in den vergangenen Jahren zum Symbol des Metal-Festivals „Wacken Open Air“ entwickelt hat, ist dieses Mal Mangelware. Schlammschlachten und Menschen, die aufgrund des Matsches an ihren Körpern und ihrer Kleidung kaum als solche erkannt werden, sind ein rares Phänomen, das sogleich zahlreiche Fotografen anzieht.

Schon mehr als 60.000 Metal-Fans in Wacken

Wegen der Hitze seien auf dem Gelände zusätzliche Wasserstellen eingerichtet worden, teilten die Veranstalter bereits vor einigen Tagen mit. Auf dem Infield – der Bereich um die Campingplätze – sei die Anzahl etwa von drei im vergangenen Jahr auf sechs verdoppelt worden. Zudem werde jeder Besucher durch Social Media und Videoleinwände intensiv über den richtigen Umgang mit der Hitze informiert, das Gelände gewässert und der Schichtplan der Mitarbeiter an die Hitze angepasst.

„Die Einsatzzahlen gehen langsam in die Höhe, aber mittlerweile sind ja auch mehr als 60.000 Menschen hier“, sagt Rettungsdienstsprecher Christian Mandel. Massenweise Besucher mit Sonnenstich oder Kreislaufproblemen gebe es nicht. Die meisten Einsätze liefen wegen Insektenstichen oder kaputter Füße. „Angesichts der Besuchermenge sind die Einsatzzahlen völlig normal“, sagt Mandel.

Hitze – normal oder nicht normal?

Wenn man die Wacken-Veranstalter fragt, ist das diesjährige Wetter eher normal als eine Ausnahme. „Der Sommer gehört zu Wacken wie Wacken zum Sommer“, sagt Sprecher Gunnar Sauermann. Nur weil es die vergangenen drei Jahre viel geregnet habe, sei dies nicht der Normalzustand. Beispielsweise sei 2013 ein sehr sonnenreiches und warmes Festival gelungen. Diese drei Jahre hätten unter anderem dazu geführt, dass das Festival 2018 erst wenige Wochen vor Beginn ausverkauft gewesen sei.

Es gab Jahre, da gab es bereits 24 Stunden nach Verkaufsstart keine Karten mehr. Doch der Ausverkauf hat den Worten von Festival-Gründer Thomas Jensen zufolge keinen hohen Stellenwert bei den Veranstaltern: „Wir würden die Party auch mit 60.000 Leuten oder sogar 30.000 Leuten machen.“ Man habe zum Beispiel gar nicht gewusst, wie oft das Event bereits ausverkauft gewesen sei, sagt er mit Blick darauf, dass es bereits vergangenes Jahr hieß, das Festival sei zum zwölften Mal in Folge ausverkauft. Die gleiche Zahl wird auch dieses Jahr genannt.

Dabei strömen die treuen Fans auch 2018 zu Zehntausenden auf das Gelände. Wachsen wird das „Wacken Open Air“ vermutlich jedoch nicht mehr, sagt der Redaktionsleiter des Musikmagazins „Metal Hammer“, Sebastian Kessler: „Ich glaube, man hat auch schon alle Leute abgegriffen, die man abgreifen kann“.

Wacken: das ist Freiheit und Andersartigkeit

Mit 75.000 zahlenden und vielen internationalen Gästen sei das „Wacken Open Air“ aber nach wie vor das internationale Metal-Mekka. Es vermittle ein Gefühl von Freiheit und Andersartigkeit. Viele Besucher hätten normale Jobs als Bankangestellte, Pfleger oder Mechatroniker. Das Gemeinschaftsgefühl verbinde – Wacken sei ein Lebensgefühl.

Und so werden auch im nächsten Jahr wahrscheinlich wieder Zehntausende auf Wacken den Ausbruch aus der Gesellschaft feiern. Denn dies sei ein Ort an dem man gemeinsam anders sein könne, sagt Kessler.

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