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Wacken Open Air 2017 : So lebt man als WOA-Nachbar

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Familie Venohr wohnt in Wacken in Sicht- und vor allem Hörweite der Hauptbühne und stört sich daran nicht im geringsten.

„Ach, das Wacken?“ Das ist fast jedes Mal die erste Frage, wenn jemand erfährt, dass sie im Mekka des Metal leben. Die zweite lautet meistens: „Ist es laut?“ – „Je nachdem, wie der Wind steht“, antwortet dann Familie Venohr. Papa Matthias (47), Mama Angela (39) und die beiden Töchter Melina (12) und Leana (10) wohnen in der Bokelrehmer Straße, direkt neben der Grundschule Wacken und damit gerade mal 200 Meter Luftlinie von der Hauptbühne entfernt. Ob sie das stört? Ganz im Gegenteil.

Über die Bäume, die das Grundstück begrenzen, ragt der metallene Bullenschädel, der die Bühne schmückt. „Mit dem Schlafen klappt es mal so mal so“, sagen Melina und Leana. Aber das stört sie nicht besonders. Dafür genießen sie die Tage viel zu sehr, an denen das Dorf mit seinen knapp 2000 Einwohnern auf das 50-fache an Menschenmasse anschwillt. Denn mit was lässt sich besser angeben, als dass man aus dem Wacken kommt?, findet Melina. Auch die Eltern sind sehr zufrieden mit ihrer Wohnlage. „Wir sind hier mitten drin und doch für uns“, sagt Angela und lächelt breit. Von ihrer Terrasse aus können sie die Musik hören und dabei gemütlich Kaffee trinken. „Besser als VIP“, findet Angela.

Das mit dem für sich sein, ist relativ zu verstehen. Denn die Terrasse ist die Woche über Kaffeestation und sozialer Treffpunkt für das Notfallpersonal. Feuerwehr und Rettungskräfte tauschen sich hier über Einsätze und frisch erlebte Verrücktheiten aus, schnacken über nackte Flitzer und Feiernde, die sich Bierfässer an die Stirn binden.

Nicht nur die günstige Lage macht das Venohrsche Grundstück zum beliebtesten Anlaufpunkt für die Einsatzkräfte. Papa Venohr ist Amtswehrführer. Die leitende Funktion lässt ihm wenig Zeit zum Feiern. Täglich bis zu 100 Mann mit 23 Fahrzeugen hören auf sein Kommando. „Man ist immer angespannt“, sagt er. „Besonders, wenn schlechtes Wetter ist und es hier ‚Land unter‘ heißt.“ Und trotzdem, sagt er, genießt er die Zeit.

Die positive Einstellung zum Festival sei im Dorf sehr verbreitet, so die Venohrs. Die Organisation sei mit den Jahren immer besser geworden. Wirklichen Ärger gebe es praktisch nicht. Und mit dem Trubel, der keine noch so abgelgene Ecke verschont, kämen die allermeisten gut zurecht.

Sogar im Altersheim gibt es Wacken-Fans

Beim Altersheim, sagt Angela, freuen sich die Bewohner über die Abwechslung. Sie bauen ihre Stühle vor der Wohnungstür auf und schauen dem schwarz-bunten Treiben zu. Ausnahmen gebe es natürlich. Und wer es gar nicht aushalte, so Angela, fahre Anfang August in den Urlaub. „Man muss ja auch überlegen, was das Festival für das Dorf bringt“, sagt Matthias. Da seien einmal die direkten Verdienstmöglichkeiten: Anwohner vermieten Standplätze, verkaufen Getränke und Lebensmittel oder arbeiten auf dem Festival als Ordner oder Verkäufer. Ein Klassenkamerad, sagt Melina, habe einmal 200 Euro mit Flaschenpfand-Sammeln verdient. Und was die Veranstalter einnehmen, fließt zum Teil ebenfalls ins Dorf. Davon profitieren Schule und Sportvereine. Das Freibad gäbe es ohne die Unterstützung möglicherweise nicht mehr.

Eine Frage noch: Wie steht die Familie zur Musik? Leana findet sie gut. Melina hat es am liebsten, wenn Santiano spielt. Matthias steht auf die Klassiker: Iron Maiden, Rammstein und besonders deren Bühnenshows. Aber nicht zu Hartes. Angela kann mit Metal nicht viel anfangen – aber egal: Das Besondere am Festival sei nicht die Musik, sondern die Atmosphäre. „Wacken ist für uns wie eine große Familie. Alle kommen zusammen und haben Spaß.“

Verpassen Sie nichts vom Holy Ground in Wacken in unserem Liveblog.

Alle Infos und Artikel rund um das WOA 2017 finden Sie auf unserer Themenseite shz.de/wacken.

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erstellt am 04.Aug.2017 | 13:14 Uhr

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