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True Metal Stage : "Rammstein": Festival in Flammen

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Für ihre Merchandising-Artikel haben sie einen eigenen Sattelzug auf dem Festival-Gelände abgestellt. Heute Abend spielen "Rammstein" auf der True Metal Stage.

Wacken | Eine Live-Show der Band "Rammstein" ist nicht nur ein akustisches, sondern auch ein optisches, manchmal auch ein körperliches Erlebnis. Da raucht, qualmt, explodiert, flammt es und sprüht Funken an allen Ecken und Enden - ein Spiel mit dem Feuer.
Für derartige Schauspiele sind ihre Fans Feuer und Flamme. DJ Jogi (39) aus Itzehoe beispielsweise legt sonst House-Mix und Trance Dance in Diskotheken auf. Wenn es aber um Konzerte von "Rammstein" geht, ist er nicht mehr zu halten. "Die Konzerte sind das Beste, was ich live jemals von einer Band gesehen habe", sagt er, und Wacken sieht er als Krönung an. Wenn beim gleichnamigen Titel ein "Engel" mit Flügeln von 2,50 Meter Spannweite über die Bühne schwebt und lodernde Flammen heraus schießen, "ist das einfach gigantisch". DJ Jogis Urteil: "Das muss man gesehen haben."

Musikstil "Tanzmetall"

Ihre Shows haben Till Lindemann (Gesang), Richard Zven Kruspe, Paul H. Landers (beide Gitarre), Oliver Riedel (E-Bass), Christoph "Doom" Schneider (Schlagzeug, Perkussion) und Christian "Flake" Lorenz (Keyboard) in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Regisseur choreographiert.
Als die Band 1989 in Berlin gegründet wurde, herrschte gerade Wendestimmung, und es war überhaupt nicht klar, dass sie mit ihrem brachialen Musikstil, den die Bandmitglieder selbst "Tanzmetall" nennen, und ihren kontroversen Texten eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Bands überhaupt werden würden. Nach dem ersten Plattenvertrag 1995 mit ihren Alben "Herzeleid" und "Sehnsucht" erreichten alle seitdem veröffentlichten Studioalben in Österreich und Deutschland die Spitze der Charts, und die Band wurde mit Preisen bis zum Echo überhäuft. Bis 2009 verkaufte "Rammstein" bereits mehr als 15 Millionen Tonträger.

Wohliges Schaudern

Sie sind selbst in Ländern wie den Vereinigten Staaten kommerziell erfolgreich; vielleicht, weil sie mit ihrer düsteren Art die unterschwellige Angst im Ausland vor den Deutschen bedienen, die so empfunden werden, wie die Band Musik macht. Das wohlige Schaudern verkauft sich da wohl am besten.
Genauso nebulös wie ihr Stil ist die Entstehung ihres Bandnamens. Den haben sich drei Bandmitglieder aus Provokation nach einem Flugzeugabsturz bei einer Flugschau 1988 auf der pfälzischen Ramstein Air Base ausgedacht, bei der 70 Menschen ums Leben kamen - nicht bedenkend, dass der Ort nur mit einem und nicht mit zwei "m" geschrieben wird und dieser Name einige Probleme mit sich bringen könnte.

Texte in Chiffren

Ab 1997 kam der Erfolg auch in den USA, nachdem Kultregisseur David Lynch ihre Lieder "Rammstein" und "Heirate mich" im Soundtrack des Films "Lost Highway" verwendete. Als wichtigster Vertreter der "Neuen Deutschen Härte" spannt die Band einen Bogen vom Deutschrock über Hard Rock bis zum Alternative Metal. Ihre einfachen, plakativen Texte sind oft in Chiffren angelegt. Diese Mehrdeutigkeit hängt wohl mit dem Aufwachsen in der DDR zusammen, wo ein Thema lyrisch umschrieben werden musste.
Vor allem Till Lindemanns tiefer, "teutonenhafter" Gesang mit rollendem "R", die mehrdeutigen Texten, der harte Stil brachte den Musikern den Ruf rechter Gesinnung ein, zumal 1998 das Video zum Coversong "Stripped" (im Original von Depeche Mode) mit Filmmaterial der Olympischen Sommerspiele 1936 von Leni Riefenstahl enthielt. Dem versuchte die Band 2001 mit dem Lied "Links 2-3-4" als Ausdruck einer linksgerichteten Einstellung entgegen zu steuern.

Heino zum Konzert eingeladen

Als Folge des Vorwurfs von Gewaltverherrlichung und pornografischen Inhalten wurden mehrere Titel, Videos und Alben indiziert. Sie thematisieren auch weitere schambesetzte Themen von "BDSM" ("Bück dich", "Ich tu dir weh") über Inzest ("Spiel mit mir", "Laichzeit") und sexuellen Missbrauch ("Wiener Blut", "Tier" und "Halleluja") bis hin zur Nekrophilie ("Heirate mich") und der Gewalteinwirkung beim Sexualakt ("Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?").
Jüngster kontroverser Höhepunkt: der von der Boulevardpresse zum "Rockerkrieg" hochstilisierte Streit mit Heino, der in seinem Stil eine CD mit Rocksongs aufgenommen hatte, die auch den "Rammstein"-Song "Sonne" enthielt. Gerüchteweise hat die Band den Schlagerbarden nun zum Konzert nach Wacken eingeladen. Indem sie hier zeigen, dass sie über den Dingen stehen, könnte die Sonne der Band endgültig aufgehen.

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erstellt am 12.Aug.2013 | 09:17 Uhr

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