Wacken Open Air : Nach Wacken ist vor Wacken

Gute Laune, wo man hinguckt: Feiern, Trinken,  'Head-Banging' (Kopfschütteln), wenn jemand die passenden Haare hat. Foto: dapd
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Gute Laune, wo man hinguckt: Feiern, Trinken, "Head-Banging" (Kopfschütteln), wenn jemand die passenden Haare hat. Foto: dapd

Mit 120 Dezibel fegte ein Metal-Sturm drei Tage lang über Schleswig-Holstein. In der Nacht zu Sonntag endete das Wacken Open Air - doch die ersten Tickets fürs nächste Jahr sind schon verkauft.

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09. August 2011, 09:43 Uhr

Wacken | Am Montag wird nur noch der Müll eingesammelt - und in wenigen Tagen erinnert nichts mehr an das größte Heavy Metal-Festival der Welt. Knapp eine Woche lang beherrschten fast 90.000 Fans, Musiker von 120 Bands, Dienstleister, Helfer und Journalisten die 1900 Einwohner große Gemeinde vor den Toren von Itzehoe. Wacken wurde vorübergehend zu einer der größten Städte Schleswig-Holsteins - mit ausgeklügelter Infrastruktur, eigener Stromversorgung und tausenden von Mobiltoiletten. Die Bilanz von Veranstalter und Behörden fällt durchweg positiv aus.
Die Wacken Open Air-Erfinder Holger Hübner und Thomas Jensen schwärmen von den Einwohnern auch aus den Umlandgemeinden, die die Fans aus aller Welt mit großer Gastfreundlichkeit empfangen hätten. Auch Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sind zufrieden. Es gab diesmal 20 Anzeigen wegen Körperverletzung, 250 wegen Diebstahls. Neun Diebe wurden auf frischer Tat ertappt. "Die Fans haben es uns leicht gemacht", freut sich Polizeisprecher Michael Baudzus über ein insgesamt friedlich verlaufenes Wacken Open Air. Selbst die Abreisewelle sorgte kaum für Probleme. Lediglich auf der Autobahn 23 floss der Verkehr am Sonntag zeitweise etwas zähflüssiger.
Taschendiebe auf Streifzug
Wie schon in den vergangenen Jahren nutzten aber wieder ungebetene Festivalbesucher die Sorglosigkeit vieler Metalfans aus. In mehr als 200 Fällen wurden die Opfer in ihren Zelten bestohlen. Immerhin: Polizeibeamte konnten in der Nacht zu Freitag drei unterschiedlich agierende Tätergruppen auf frischer Tat festnehmen. Hierbei handelte es sich um vier männliche Täter aus Aserbaidschan im Alter von 15, 21, 22 und 31 Jahren, zwei 19 und 20 Jahre alte Österreicher sowie zwei Deutsche (21/23). Bei ersten Durchsuchungen wurden Laptops und Handys beschlagnahmt. Weitere 50 Festivalteilnehmer wurden Opfer von Taschendieben. Die Täter entwendeten die Geldbörsen aus den Hosentaschen der Besucher im Infield des Festivalgeländes. Ein 25-jähriger Rumäne, der bereits 2009 wegen Taschendiebstahls in Erscheinung getreten war, wurde erneut festgenommen.
Neben den Rettungsdiensten, die 3750 Personen behandelten und 320 von ihnen zum Teil vorsorglich in die Klinik brachten, hatte auch die Feuerwehr immer wieder zu tun. Laut Einsatzleiter Matthias Venohr rückten seine Leute zu mehr als 100 Einsätzen aus.
Zwei Todesfälle am Rande des Festivals
Überschattet wurde das Festival durch zwei Todesfälle im Umfeld. So war bei der Anreise eine 18-Jährige aus dem Kreis Plön auf einem Radweg von einem außer Kontrolle geratenen Lkw erfasst und tödlich verletzt worden. Vermutlich Opfer eines Herzversagens wurde Donnerstagabend ein Besucher in der Dorfmitte.
Fest steht übrigens schon jetzt, dass das in den vergangenen Jahren schon Monate im voraus ausverkaufte Festival nicht mehr weiter wachsen wird. Fest steht auch schon der Headliner für das erste Augustwochenende 2012. Dann kommen die "Scorpions", die eine auf Wacken zugeschnittene Show versprechen.
Inzwischen glühen beim Vorverkauf für das Wacken Open Air 2012 bereits die Leitungen. Um 00.45 am Montagmorgen - eine dreiviertel Stunde nach Vorverkaufsstart - waren die ersten 10.000 Tickets bereits weg, wie eine Festivalsprecherin sagte.
(vm, shz)

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