Wacken-Apotheke : Metalfans haben keinen Bedarf an Kondomen

Stephanie Lebhelz (35) aus Balingen in Baden-Württemberg und Katharina Jakob (34, rechts) aus Bad Segeberg nutzten die Apotheke von Franziska Dönnecke, um sich Kohle-Tabletten zu besorgen. Foto: Feye
Stephanie Lebhelz (35) aus Balingen in Baden-Württemberg und Katharina Jakob (34, rechts) aus Bad Segeberg nutzten die Apotheke von Franziska Dönnecke, um sich Kohle-Tabletten zu besorgen. Foto: Feye

Zu Festival-Zeiten werden nicht nur die Lebensmittelmärkte gestürmt. Auch in der Apotheke herrscht Hochbetrieb.

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03. August 2008, 01:54 Uhr

Wunddesinfektion, Blasenpflaster, WC-Reinigungstücher, Ohropax, Zahnbürsten und Kondome. In dem extra eingerichteten Wacken-Open-Air-Regal in der Duhorn-Apotheke an der Hauptstraße in Wacken steht in diesen Tagen alles für den Ernstfall bereit.
Franziska Dönnecke hat ihr Team verdoppelt und die Öffnungszeiten verlängert. Acht Kollegen versorgen die Festivalbesucher. Mit einer Liste vom vergangenen Jahr als Anhaltspunkt hat Franziska Dönnecke den Bestand aufgefüllt. Kondome laufen allerdings gar nicht. "Das war in den letzten Jahren auch schon so", sagt die Apothekerin. Dafür waren Rettungsdecken in diesem Jahr aktuell, "weil es so heiß war und sich die Leute die Decken über die Zelte gelegt haben."
Die klassischen Anliegen der W:O:A-Kunden sind Durchfall, Kopfschmerzen, Magen- und Blasenreizungen. Insgesamt 500 Paar Ohrstöpsel gingen in den letzten Tagen über den Ladentisch. Normalerweise sind es weniger als zehn Stück pro Jahr. Aber nicht alles, was die Festivalbesucher kaufen möchten, gibt Franziska Dönnecke heraus, zum Beispiel Glycerin. "Das wird benutzt zum Wasserpfeiferauchen. Das wollen wir nicht unterstützen", sagt sie. Auch Alkohol und Aceton bleiben hinterm Tresen.
Lieber Blasen an den Füßen als barfuß zu laufen
Einen harmlosen Einkauf dagegen haben zum Beispiel Katharina Konkel (24) und Marc Schindler (30) aus Rellingen bei Hamburg gemacht. Für die wunden Füße gab es Blasenpflaster. Marc Schindler sieht das pragmatisch: "Lieber ein paar Blasen holen, als barfuß durch die Urin-Wasser-Bier-Sümpfe auf den Camp-Gebieten laufen."
Knapp 700 Kunden kamen alleine am Donnerstag in die Duhorn-Apotheke. Im Alltag sind es im Durchschnitt 150, an Wintertagen höchsten 200. Grundsätzlich zieht Franziska Dönnecke eine positive Bilanz der W:O:A-Kundschaft: "Es gibt null Stress aggressiver Art. Alles läuft ganz geschmeidig. Wie haben keinen einzigen unfreundlichen Kunden gehabt."

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