Wacken Open Air : Metal-Punktlandung - und 2012 die "Scorpions"

Wenn es Nacht wurde in Wacken - Riesenstimmung vor der Hauptbühne, hier beim Gastspiel von 'Blind Guardian' Foto: Michael Staudt
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Wenn es Nacht wurde in Wacken - Riesenstimmung vor der Hauptbühne, hier beim Gastspiel von "Blind Guardian" Foto: Michael Staudt

120 Band pusteten vier Tage lang den mehr als 75.000 Fans aus aller Welt die Ohren durch - eine musikalische Bilanz.

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08. August 2011, 12:03 Uhr

Wacken | Spritzende Schaumduschen, abstürzende Flugzeuge, krachende Klassiker - auf den Feldern rund um das Dorf sorgte bis Sonnabend auch die 22. Auflage des Wacken Open Air für Furore. Wieder hieß es "Bühne frei!" für 120 internationale Bands, die den mehr als 75.000 Fans dezibelstark die Ohren durchpusteten und die Matten der Fans vor der Bühne kreisen ließen.
Seit Mittwoch vergangener Woche wurde metaltechnisch Gas gegeben, als sich dieses Mal die Exzentriker des Genres auf fünf Open-Air-Bühnen und in zwei Zelten das Mikro in die Hand gaben.
Ozzy Osbourne und die Schaumdusche
Für das erste Ausrufezeichen sorgte Ozzy Osbourne, Ex-Sänger von Black Sabbath, und als "Prince of Darkness" ("Fürst der Dunkelheit") bekannt. Der alte Mann des Heavy Metal ("I cant hear you!" - "Ich kann euch nicht hören!") bescherte den dicht gedrängt stehenden Metalheads in der ersten Reihe als erstes eine Schaumdusche. Der "Godfather of Metal" ("Pate des Metal") präsentierte in seinem eineinhalbstündigen Auftritt, der hier und da auch einige Längen aufwies, alte Black-Sabbath-Klassiker und eigene Songs und erntete damit den größten Applaus in der ersten Nacht, der "Night to remember".
Auch "Judas Priest", die nächste Speerspitze des New Wave of British Heavy Metal (NWoBHM), ließ mit lauten Gitarren und druckvollem Sound den guten alten Heavy Metal der 80er Jahre wieder aufleben. Beide ließen allerdings nur eine ausgewählte Schar von Fotografen im Bühnengraben zu, so dass der Rest unter Zuhilfenahme starker Objektive im wahrsten Sinne des Wortes "in die Röhre" gucken musste.
"Motörhead"schoss den Vogel ab
Den Vogel schoss Mister Ian Lemmy Kilmister mit seiner Band "Motörhead" am dritten Abend ab. In seiner "Bomber"-Show setzte er nach eineinhalb Stunden Auftritt plötzlich zu einer Punktlandung an, als entsprechend dem Titelsong ein riesiger Flieger von der Bühnendecke nach unten krachte. Zum ohrenbetäubenden Flugzeuglärm gingen kurz über der Bühne Positions-Lichter an, Propeller wurden gestartet und zum typisch brummenden Motörhead-Sound wurden die jubelnden Fans lautstark in die Nacht entlassen.
Auch Bands wie Blind Guardian, Helloween, Airbourne und Kreator sorgten mit ihren Shows für Furore bei den Metalheads aus aller Welt. As I Lay Dying, Heaven Shall Burn und Children of Bodom deckten mit Death und Black Metal die düstere Seite des Festivals ab.
"Hammercult" aus Israel gewinnt beim "Metal Battle"
Aber nicht nur die großen Bands kamen bei den Fans riesig an, auch dieses Mal traten im Zelt ("W.E.T. Stage") insgesamt 29 Sieger nationaler Ausscheidungen im "Metal Battle" gegeneinander an. Schließlich kristallisierte sich "Hammercult" aus Israel als Sieger heraus.
"Es war eine Riesen-Erfahrung für uns", sagte auch Gitarrist Adrien von der französischen Band "Noein", die am Metal Battle teilnahm. Dass sie "nur" den zweiten Platz belegten, nahmen sie sportlich: "Wir haben eine Riesenzeit in Wacken, das ist für uns als unbekannte Band mehr als wir uns erträumen konnten", so Sängerin Jenny.
"Metal Chorus" singt Wacken-Hymne
Fünf Sieger des Online-Wettbewerbs "Metal Chorus" aus aller Welt, die mit Grave Digger-Sänger Chris Boltendahl die neue Wacken-Hymne "Wacken will never die!" auf der Bühne intonieren durften, waren begeistert. "Das war cool, vor so vielen Leuten zu stehen und zu singen", sagte Shawn Grech aus Malta. Und Uliana Elina aus Russland fügte an: "Ich war total aufgeregt, aber es war eine schöne Erfahrung."
Nicht nur aus aller Welt, auch aus Itzehoe und Umgebung kamen viele Fans zum Festival. So zeltete Christiane Feßenmayer aus Kellinghusen mit ihrer Freundin Eileen Källner aus Neumünster und 20 weiteren Freunden aus Berlin, Köln, Wilhelmshaven und Emden auf dem Festivalgelände. "Außer Ozzy Osbourne wollen wir uns noch Motörhead und Subway to Sally ansehen", so Christiane. Ihr Fazit zum Fest: "Es ist friedlich, laut und spaßig."
Miss Wet T-Shirt-Contests und Metal Karaoke
Lars Möller, Benjamin Kaage, Imke Trede und Peter Taufenbach aus Itzehoe und Wilster zelteten mit zehn Freunden - und fandens cool. "Das ist eine super Stimmung hier, besser als Urlaub", sagte Peter Taufenbach, bevor ihm einfiel: "Ach ja, wir haben ja Urlaub." Weiterhin wurden die Fans mit täglichen Vorstellungen im Öl-Catchen, Miss Wet T-Shirt-Contests, Metal Karaoke und den Masters of Comedy unterhalten.
Nach dem Festival war schließlich vor dem Festival, als auch schon der Headliner fürs kommende Jahr (Donnerstag bis Sonnabend, 2. bis 4. August 2012) vorgestellt wurde: die "Scorpions". Dazu war eigens Gitarrist Rudolf Schenker angereist.

Zusagen für 2012
Scorpions: Sie haben Musikgeschichte geschrieben und sind eine der erfolgreichsten deutsche Rockbands aller Zeiten Rudolf Schenker, Klaus Meine & Co. wollen es noch einmal wissen und werden im nächsten Jahr bei der Night to Remember ein letztes Mal mit einem Best Of Programm ohne Gleichen den Acker zum Beben bringen.
Ministry: Die Industrial Legende, welche mit ihrem damaligen Werk Psalm 69 den Grundstein zu einem völlig neuen Metalstil legte, ist wieder da.
Hammerfall: Die schwedische Powermetal-Legende kommt wieder nach Wacken: Joacim Cans und seine Mannen waren vor 15 Jahren zum ersten Mal auf der W:O:A Bühne und werden dieses Bühnenjubiläum 2012 in Wacken feiern.
U.D.O: U.D.O sind 2012 ebenfalls wieder am Start.
Amon Amarth: Die Wikinger sind zurück in Wacken, nachdem sich die Jungs im Laufe der letzten Jahre an die Spitze der Viking Metal-Bewegung katapultiert haben.
GammaRay: Auch die deutsche Speed-/PowerMetal Legende gibt sich wieder die Ehre.
Cradle of Filth: Nachdem die Jungs um Danni Filth dieses Jahr leider unverhofft absagen mussten, war es für sie eine Ehrensache für das W:O:A 2012 zuzusagen.


(shz)
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