Wacken Open Air : Mehr Kirmes als Heavy Metal?

Kult-Schlagersänger Roberto Blanco hat in der Metal-Szene neue Fans. Foto: dpa
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Kult-Schlagersänger Roberto Blanco hat in der Metal-Szene neue Fans. Foto: dpa

Das "Waackäääään"-Open-Air geht zu Ende - und hat ein kleines Dorf ins Metal-Mekka verwandelt. Doch mancher Fan kritisiert eine Jahrmarktatmosphäre.

shz.de von
07. August 2011, 06:36 Uhr

Der Sommer ist lauter als die Hölle, jedenfalls für die 75 000 Fans, die sich und ihre Musik unter diesem Motto drei Tage beim Wacken Open Air 2011 (W:O:A) gefeiert haben. In der Nacht zum Sonntag geht das Festival zu Ende. Viele Gäste kamen aus Amerika, Japan und Australien in das abgeschiedene kleine Dorf in Schleswig-Holstein. Immer wieder brüllten die Fans ihren Schlachtruf „Waackäääään“.
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Dort waren unter dem Jubel der Anhänger mehr als 120 einschlägig bekannte Bands aufgetreten. „Headliner“ war die internationale Rocklegende Ozzy Osbourne (62) - der selbst ernannte "Godfather of Metal". Bei seiner 90-minütigen Show peitschte er seine Fans mit dem ständig wiederholten Satz "I cant fucking hear you" zu immer lauteren "Ozzy"-Rufen an. Als „Dank“ attackierte der Künstler sie mit einer Schaumkanone und übergoss sie mit mehreren Eimern Wasser.
Wird Wacken zum Jahrmarkt?
Doch auch die Shows deutscher Bands wie "Blind Guardian", "Halloween" und die deutschsprachige Gruppe "Freiwild" wurden von den Fans mit frenetischem Beifall bejubelt. Schreiende Gitarrenklänge und brachiale Schlagzeuge bestimmten den Sound und sorgten mit einer Lautstärke von bis zu 120 Dezibel für Ohrenklingeln.
Erstmals stand auch ein Comedian auf einer W:O:A-Bühne. "Der Türke" Bülent Ceylan aus Mannheim ist nach eigener Aussage selbst überzeugter Metaller und sagte: "Wacken ist das Mekka für Metaller." Er präsentierte in seiner halbstündigen Show eine Mischung aus Comedy und Hard Rock.
Mehrere Besucher kritisierten zum Ende des Festivals, dass das W:O:A nicht mehr authentisch sei. Zahlreiche Marktstände aber auch andere Freizeit-Angebote wie Spielezelte ergänzen das Festival, sorgen bei vielen Fans für gute Laune bis die nächste Lieblingsband spielt. Doch anderen geht das zu weit. Auf dem kultigen Festival für "beinharte Heavy Metal Fans" herrsche eher eine Kirmes-Atmosphäre: "Hier fehlt doch nur noch ein Karussell", sagte der Hamburger Tim Schröder (25). Das Festival sei durch die große Aufmerksamkeit auch in den Medien zum Rummelplatz geworden. Tatsächlich: Manche Gäste kamen weniger wegen der Musik als wegen des Trubels. Fans anderer Musikrichtungen mischen sich immer mehr unter die Metal-Jünger. "Das nahm schon in den letzten Jahren immer mehr zu! Natürlich sind Metaller weltoffene und friedliche Leute, und dennoch tut es nicht Not, dass sich zunehmends Schlagerfans und Raver dort breitmachen", stimmt Martin Wolter über die shz.de-Facebook-Seite zu. "Es liegt allein an den Veranstaltern, dem Einhalt zu gebieten, sonst bleiben die echten Hardcore-Fans bald weg ..."
Zugleich wehrten sich zahlreiche Besucher gegen das vielfach vermittelte Bild, das Festival bestehe nur aus "saufen und randalieren".
(dpa, shz)

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