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WOA 2017 : Matsch, Bier und 150 Bands: Das war das Wacken Open Air

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Veranstalter des Wacken Open Air ziehen Bilanz und blicken auf 2018. shz.de gibt einen Überblick.

von
erstellt am 05.Aug.2017 | 18:54 Uhr

Wacken | Alles zum Nachlesen vom WOA 2017 gibt es in unserem Liveblog und auf unserer Wacken-Seite.

Auf den Hauptbühnen dröhnten noch die Bässe und Zehntausende feierten ununterbrochen auf den Campingplätzen, als die Veranstalter des Wacken Open Airs (WOA) bereits am Sonnabendnachmittag ein positives Fazit zogen. „Es war eine Riesen-Party, wir beide sind zufrieden“, sprach Festivalchef Thomas Jensen für sich und seinen Kollegen Holger Hübner. Dass die 28. Ausgabe des WOA zum Teil erneut ins Wasser gefallen war, nahm Jensen mit Humor: „In Kurbädern muss man viel Geld für Schlammpackungen bezahlen, das ist hier alles all in.“

Die Bands

Rund 75.000 zahlende Besucher hatten von Donnerstag bis Samstag auf dem größten Metal-Fest der Welt gefeiert, jede Menge Alkohol getrunken und sich im Schlamm gesuhlt. Insgesamt 150 Gruppen und Künstler rockten die acht Bühnen – und erreichten dabei Lautstärken von bis zu 120 Dezibel. Höhepunkte waren unter anderem die Shows der Gruppen Volbeat und Kreator sowie von Metal-Urgestein Alice Cooper. Beim Nachwuchswettbewerb „Metal Battle“ traten Musiker aus 40 Ländern an, Sieger wurde die mexikanische Gruppe „Jet Jaguar“. Zahlreiche weitere Kunst- und Comedy-Darbietungen rundeten das Programm ab, darunter Wrestling und ein Poetry-Slam.

Das Wetter

Nach Veranstalterangaben war das Wetter das größte Problem. Am Donnerstag fielen laut Produktionschef Thomas Hess innerhalb von zehn Minuten 30 Liter Wasser und verwandelten die grüne Wiese in einen sumpfigen Acker, sodass manches Fahrzeug im Schlamm stecken blieb. Insgesamt fielen an den Festivaltagen 140 Liter Regen pro Quadratmeter. Stellenweise mussten Straßen gesperrt werden, weil das Wasser nicht mehr ablaufen konnte.

Der Polizeibericht

Nach Angaben der Polizei, die mit mehreren Hundert Kräften vor Ort war, verlief das Festival weitestgehend friedlich. Insgesamt verzeichnete Einsatzleiter Sven Adomat bis Samstagnachmittag 175 Straftaten, davon fast 100 Diebstähle. „Das lässt sich nicht verhindern“, sagte er. In der gesamten Wacken-Woche bis zum Sonntagmorgen verzeichnet die Polizei rund 270 Verkehrsverstöße, darunter 17 Fahrten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss.

Hinweise auf organisierte Kriminalität gebe es bislang nicht. Auffällig sei, dass die Zahl der Körperverletzungen zurückgegangen sei von 20 im Vorjahr auf acht beim diesjährigen Festival. So wurde unter anderem ein 26-Jähriger festgenommen, weil er eine Frau mit einem Stock ins Gesicht geschlagen haben soll. Zu einem kuriosen Einsatz wurden die Beamten zudem in der Nacht zu Donnerstag gerufen, als sich ein Besucher über zu laute Musik auf dem Campingplatz beschwerte. Die Polizisten empfahlen ihm Ohrstöpsel, um den Rest des Festivals zu überstehen.

Am Samstag war das Besucheraufkommen derart hoch, dass die Hauptstraße um 19.30 Uhr wegen der vielen Fußgänger komplett für den Durchgangsverkehr gesperrt werden musste. Erst gegen 1 Uhr ebbte der Publikumsverkehr wieder ab, so dass der Fahrzeugverkehr in eine Fahrtrichtung wieder fließen konnte.

Die Verletzten

Auch die Zahl der Verletzten hält sich nach Angaben der Rettungskräfte in Grenzen: Am schlimmsten traf es einen 16-Jährigen, der sich beim Anzünden eines Grills mit Spiritus verbrannte und mit einem Rettungshubschrauber in eine Hamburger Klinik gebracht wurde. Insgesamt hätten die 700 Kräfte von Rettungs- und Sanitätsdienst 1600 Patienten mit überwiegend leichten Verletzungen behandelt, so Sprecher Christian Mandel. 190 Mal hätte der Rettungswagen ausrücken müssen. Die Feuerwehrleute hatten in der Nacht zu Dienstag mit acht brennenden Dixi-Klos zu kämpfen, im weiteren Verlauf des Festivals brannten zudem ein Wohnwagen und ein Trafo-Häuschen. „Insgesamt war es ein ruhiges Festival“, sagte der Wackener Wehrführer Matthias Venohr.

Das Bier

Um die Besucher optimal mit Gerstensaft zu versorgen, hatten die Veranstalter in diesem Jahr eine einen Kilometer lange Bier-Pipeline verlegen lassen, die unterirdisch auf das Festivalgelände führt. Aus Sicht von Produktionschef Thomas Hess ein voller Erfolg: Auf diese Weise hätten zahlreiche Lkw-Fahrten vermieden werden und der Boden geschont werden können. Unter den Metal-Fans sorgte die Pipeline für viel Gesprächsstoff. Einige kündigten in den sozialen Netzwerken an, die Leitung ausgraben zu wollen. Das sei aber nicht gelungen, so Hess.

Der Wasserablauf

Ob sich das Drainage-System, das Anfang des Jahres im Bereich des Infields verlegt wurde, müsse man noch analysieren, so Festivalchef Thomas Jensen. Herausforderungen seien nach wie vor, die Zufahrt der Rettungskräfte auf das Gelände zu ermöglichen und das gesammelte Wasser abzuleiten. Daran würde in den nächsten Jahren weiter gearbeitet. „Ich kann versichern, unser Produktionschef kämpft um jeden Grashalm.“

Die Planungen für 2018

Unterdessen laufen bereits die Planungen für das 29. Wacken Open Air. Erste Künstler, die im Jahr 2018 auftreten sollen, gaben die Veranstalter bereits am Sonnabend bekannt, darunter Nightwisch, Sepultura und Running Wild. Der Ticketverkauf startet bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag. In der Vergangenheit war das Festival oft nach wenigen Tagen ausverkauft, in diesem Jahr waren nach einer Preiserhöhung allerdings noch bis Juni Karten zu bekommen.

Die Abfahrt

Eine Geduldsprobe dürfte für viele Fans noch die Heimfahrt am Sonntag werden: Die Polizei rechnet bei der WOA-Abreise mit langen Staus. Am Sonntagvormittag waren noch rund 40 Prozent der Campingflächen belegt, meldet die Polizei. Bereits gegen 6 Uhr machten sich einige Besucher auf den Heimweg. Die ausgewiesenen Abreiserouten sind gut belegt, größere Staus gab es zunächst keine. Zu erwarten sind laut Polizei allerdings erhebliche Behinderungen auf der Autobahn 23 - am Sonntagvormittag staute sich der Verkehr in Richtung Hamburg bereits bis nach Tornesch zurück. Grund hierfür sind Baustellen, ein Liegenbleiber und ein Verkehrsunfall im Bereich Hamburg.

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