Wacken Open Air : KOMMENTAR: Das jährliche Sommermärchen

Düstere Musik - heiter-friedliche Stimmung: Warum das Wacken Open Air-Festival zum Botschafter des Nordens geworden ist

Avatar_shz von
08. August 2011, 09:42 Uhr

Wacken ist ein Phänomen. Einmal im Jahr überrollt ein musikalischer Tsunami das 1900-Seelen-Dorf. 120 Bands drehen ihre Verstärker so weit auf, dass man auch vier Tage auf der Startbahn in Fuhlsbüttel campieren könnte. Und die Bilanz am Ende: alles friedlich, alles prima. Wie kann so etwas funktionieren?
Jeder andere Ort in Deutschland würde wohl unter der Wucht von 75.000 wie aus dem Nichts kommenden und mitunter durchaus beängstigend aussehenden Fans zusammenbrechen. Nicht so in Wacken. Die Veranstaltung ist über 20 Jahre gewachsen. Die Einwohner aus Wacken und den umliegenden Gemeinden sind fast alle irgendwie mit im Boot - und sei es nur, dass sie sich über eine willkommene Abwechslung freuen. Beklagt sich doch mal einer über die Dauerberieselung von 120 und mehr Dezibel, winken die Veranstalter nicht mit ihren Genehmigungen oder rücken gar mit Anwälten an. Sie suchen das persönliche Gespräch. Insgesamt hat sich das Festival ein Image erarbeitet, nach dem sich manch anderer Großveranstalter die Finger lecken würde. Sicher. Die W:O:A-Macher haben bisher auch viel Glück gehabt. Meist spielte das Wetter mit. Es gab auch kaum Zwischenfälle, die das Festival in ein schlechtes Licht hätten rücken können. Alles geht ausgesprochen friedlich, ja geradezu solidarisch zu. So gab es denn auch aufmunternden Szenenapplaus, als Musiker von der Bühne aus nach Besuchern aus Norwegen fragten und prompt die Landesfarben unserer skandinavischen Freunde geschwenkt wurden.
Mittlerweile ist Wacken zu einem Botschafter des Nordens geworden. Den Namen kennt man auch in China, Brasilien und Israel. Wacken ist eine Art Sommermärchen - und das jedes Jahr.
(vm, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen