Aufräumarbeiten : Erst Metal, dann Müll

Für ein sauberes Wacken packen alle mit an: Auch Veranstaltungstechniker Marc Steinbach greift zum Müllsack, um die Felder schnell von den Abfallbergen zu befreien.
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Für ein sauberes Wacken packen alle mit an: Auch Veranstaltungstechniker Marc Steinbach greift zum Müllsack, um die Felder schnell von den Abfallbergen zu befreien.

Nach dem 22. Wacken Open Air müssen die Helfer 800 Tonnen Abfall beseitigen. Unterdessen sind die ersten 10.000 Ticktes für das nächste Jahr bereits verkauft.

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09. August 2011, 09:47 Uhr

wacken | Die letzten Bässe des 22. Wacken Open Airs sind verhallt und Bands sowie 75.000 Fans wieder in Richtung Heimat aufgebrochen. Was bleibt ist jede Menge Müll. Bis Freitag soll die riesige Zeltstadt, die vor drei Wochen aus dem Boden gestampft worden war, vom Abfall befreit sein, damit dort wieder Kühe grasen können.
Am Montag nach dem Metal-Spektakel kreist ein Vogelschwarm über den Koppeln wie Geier in der Wüste über Aas. Die Metaller haben auch allerhand Schmackhaftes zurückgelassen: Spaghetti oder durchgeweichte Eierwaffeln liegen zwischen verlassenen Zelten und Müll. Insgesamt 800 Tonnen Abfall sind während des Festivals zusammengekommen. Die sammeln nun rund 800 Helfer ein. Einer von ihnen ist Marc Steinbach aus Dortmund. Der 34-Jährige ist eigentlich für die Veranstaltungstechnik zuständig, ist sich aber nicht zu schade, um mit Plastiksack und Handschuhen die Hinterlassenschaften der Fans einzusammeln. "Das muss ja gemacht werden." Ein Knochenjob. Von 7 bis 19 Uhr streifen die Trupps über die Felder. In mühevoller Handarbeit wird der Boden von Glasscherben, Plastikmüll und anderem Unrat befreit. Sorgfalt ist hier wichtig, damit hier bald wieder gefahrlos Kühe grasen können. Aber nicht alles, was die Fans zurückgelassen haben, passt in Müllsäcke. Auch Zelte, Sofas oder Kühlschränke bleiben stehen.
Parallel zum Müllsammeln wird abgebaut
Schon während des Festivals wurde fleißig Müll gesammelt, berichtet Produktionsleiter Thomas Hess. Das sogenannte Trash-Team (Müll-Team) soll die Sinne der Metaler für eine bessere Abfall-Entsorgung schärfen. Die Mitarbeiter sammelten pro Tag an die 1000 Säcke Müll zusammen. "Das Ziel ist aber, irgendwann das Dreifache zu erreichen", betont Hess. Unterstützt wurde das Trash-Team von den Rendsburger Werkstätten. "Menschen mit Behinderung, die sonst nicht in das normale Arbeitsleben integriert sind, bekommen hier für ein paar Tage einen Job", erklärt Pressesprecherin Britta Kock.
Während die einen für Ordnung sorgen, verbreiten andere schon wieder Chaos. "Seit Jahren schlitzen Leute die Müllsäcke auf der Suche nach Pfandflaschen einfach auf", so Hess. Das mache die Aufräumarbeiten noch mühseliger. Denn das Geschäft mit dem Leergut lohnt sich. Das hat auch eine 60-Jährige Wackenerin erkannt. Nach nur einer Stunde hat sie bereits so viele Flaschen gesammelt, dass sie sie kaum noch tragen kann.
Parallel zum Müllsammeln wird abgebaut. Bereits um 3.15 Uhr am frühen Sonntagmorgen begannen die Helfer damit, die 35 Kilometer Gitter abzubauen, die ersten der rund 2000 Mobiltoiletten abzutransportieren und die Bühnen abzubauen. Ganz zum Schluss werden die Ortsschilder wieder angeschraubt. Die sind nämlich begehrte Souvenirs unter Metal-Fans, so dass sie vorsorglich entfernt werden.
Dann wird nichts mehr daran erinnern, dass hier vor kurzem die größte Heavy Metal-Party der Welt gefeiert wurde. Bis Juli 2012 wird Wacken ein ganz normales Dorf sein, aber die W:O:A-Fans werden wiederkommen. Die ersten 10.000 Anhänger haben sich ihre Tickets für die 23. Auflage schon gesichert, wie W:O:A-Macher Holger Hübner informiert. "Das X-Mas-Package war bereits in der Rekordzeit von nur 45 Minuten ausverkauft."
(kri, shz)

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