zur Navigation springen

Brüste und Bands in 3D : Ein neuer Festival-Film für Wacken

vom

"Full Metal Village" hat die Messlatte hoch gelegt. Ein Filmemacher will dem Wacken Open Air ein neues filmisches Denkmal setzen.

shz.de von
erstellt am 04.Aug.2013 | 09:50 Uhr

Wacken | Kameras gehören in Wacken zum Bild. Keine Ecke des Festivalgeländes, in der sich nicht Menschen spontan zum Gruppenfoto vor irgendein Objektiv drängeln, kein Konzert, bei dem nicht Hunderte Handys in die Höhe gehalten werden - es ist anzunehmen, dass jede Sekunde des dreitägigen Festivals auf unzähligen Bildern und Filmchen dokumentiert wird.
Diese Kamera aber fällt sofort auf. Sie ist groß und hängt an einem 30 Meter langen Arm aus Stahl, an dem sie über die Köpfe der Menschen hinwegfährt oder direkt auf sie zurast. "Das ist unsere Fette-Bilder-Einheit", sagt Stefan Schubert.

Erfolg "Full Metal Village"

Schubert produziert in Wacken gemeinsam mit Tomas Erhart einen Kinofilm über das Metal-Festival - als Dokumentarstreifen in 3D. Deshalb steht er im blauen Poloshirt unter lauter schwarz gekleideten Gestalten und erklärt, warum er hier ist und diesen Film macht. Denn in Wacken liegt die Messlatte für Festivalfilme hoch, seit die Südkoreanerin Sung-Hyung Cho mit "Full Metal Village" einen Streifen geschaffen hat, der die Marke Wacken in Metal-Takt-Geschwindigkeit rund um den Globus bekannt gemacht hat. Wacken und "Full Metal Village" haben sich gegenseitig auf Kult-Status befördert.
"Wir machen da weiter, wo Sung-Hyung Chos Film aufgehört hat", sagt Schubert. Der Schweiß steht ihm auf der hohen Stirn, es ist ein heißer Tag in Wacken. Schubert will einen Film nur über das Festival machen, über die Besucher und die Musik. Chos Film dagegen sei eher ein Porträt des Ortes, eine Geschichte darüber, was das Festival aus Wacken gemacht hat.

Nicht alles ist jugendfrei

Die beiden Produzenten haben ein großes Projekt auf die Beine gestellt. Neben der Kamera am Stahlarm, die mit einem alten Bundeswehrfahrzeug über das Gelände fährt, sind noch fünf Teams mit Handkameras unterwegs - sie filmen das Leben auf den Zeltplätzen. Zwei weitere Kameras hängen an Kränen im Innenbereich vor den Bühnen, 16 sind auf die Bands gerichtet; alle Bilder laufen direkt auf einen Server. Am Ende des Festivals werden 400 Stunden Rohmaterial entstanden sein, eine Datenmenge von 200 Terabyte.
Nicht alles davon ist jugendfrei. "Wir müssen gerade bei einigen Liedtexten aufpassen, dass wir nicht unfreiwillig eine Altersfreigabe kassieren", sagt Schubert. Aber ansonsten soll das ganze bunte und unverhüllte Festivalleben unzensiert gezeigt werden: "Eine nackte Brust wird uns nicht gleich auf den Index treiben." Auch nicht in 3D, der Technik, die alles plastischer wirken lässt und ein anderes Raumgefühl vermittelt. "Die Technik hat im Live-Musik-Bereich einen tollen Effekt", sagt Schubert. Dann wird die "Fette-Bilder-Einheit" in eine fette Plane gewickelt, der Kamerawagen rollt weiter. Gleich ist Einlass auf das Bühnengelände - neuer Ort, neue Bilder.
Der Film, der im Frühjahr in die Kinos kommt, muss ein Erfolg werden, die gesamte Produktion kostet 2,5 Millionen Euro. Am Abend um kurz vor 10 Uhr folgt dann der erste Test an der Zielgruppe. Vor dem Rammstein-Konzert wird ein kurzer Film mit Probeaufnahmen aus dem vergangenen Jahr gezeigt, 80.000 3D-Brillen sind vorab verteilt worden. Das Publikum reagiert mit wohlwollenden Rufen und wiederholtem Raunen. Einige zücken sogar ihre Handys und filmen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen