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Thema des Tages

18. Dezember 2017 | 18:07 Uhr

Wo Adel verpflichtet

vom

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Bad Oldesloe | Radfahren in Stormarn, das ist schon eine angenehmes Vergnügen: Es gibt ein gut ausgebautes Streckennetz. Im Detail könnte es natürlich trotzdem immer noch an einigen Stellen besser sein. Aber daran wird gearbeitet. Ausgangspunkt unserer Tour ist der Bahnhof in der Kreisstadt. Wer mit dem Zug aus Hamburg, Lübeck oder Segeberg anreist, kann so sein Rad bequem mitbringen. Über den Bahnhofsvorplatz geht es in die Bangertstraße. Die wird grade aufwändig saniert und zu einer Fahrradstraße umgebaut - der ersten in der Stadt. Man ist ja bemüht.

Weiter geht es durch den Kurpark, ein kleines innerstädtisches Wäldchen, Überbleibsel jener Zeit, als in Oldesloe noch von einer grandiosen Zukunft als Kurort geträumt wurde. Aber irgendwie ist es beim Traum geblieben. Für einige Investoren sind die salzhaltigen Quellen sogar zum Albtraum geworden. Der Kurpark hat nicht mehr den Charme vergangener Zeiten. Im Gegenteil: Wer genau hinschaut erkennt noch Bombentrichter von der schweren Bombardierung kurz vor Kriegsende oder Splitterreste in einigen Bäumen. Heute steht die Ökologie im Vordergrund. Gefällte Bäume bleiben einfach liegen, das wirkt zwar ungepflegt, bietet aber Lebensraum für zahlreiche Kleintiere. Wir folgen der Beste bis zum Rümpeler Weg auf den wir links abbiegen. Wenn man auf der Dorfstraße ist, "erfährt" man, woher Rümpel seinen Namen hat. Das Kopfsteinpflaster bringt auch des beste Fahrrad zum Klappern. Es soll ein böses Gerücht sein, dass Rümpel von Rumpeln kommt. Aber immerhin ist dem Dorf seine Kopfsteinpflasterpiste so wichtig, dass sie ins Wappen aufgenommen wurde. Weil sie für Radfahrer eher eine Qual ist, umfahren wir Rümpel in einem großen Bogen. Wer ein paar Kilometer sparen möchte, kann auch durchs Dorf radeln.

Zwischen Rümpel und Rohlfshagen liegt das Herrenhaus Rohlfshagen. Das ließ sich der erfolgreiche Dompteur Julius Seeth 1907 bauen. Das Gut an sich ist aber viele Hundert Jahre älter und hat eine kuriose Geschichte. Herzog Carl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf starb dort 1739 unter den alten Eiben. Aus seiner Ehe mit Anna Petrovna, Tochter des russischen Zaren Peter dem Großen, stammt Sohn Karl Peter Ulrich, der als Peter III. Zar von Russland die Linie Romanow-Holstein-Gottorf begründete. Bis zur Oktoberrevolution 1917 gingen daraus die Zaren hervor.

In Rohlfshagen ist eine Rast gewissermaßen Pflicht! Die Torten und das rustikale Garten Café von "Schachts Gasthof" sind legendär. Dessen Geschichte geht zurück bis 1820, das heutige Gebäude ist auch schon mehr als 100 Jahre alt. Einziger Nachteil: Es ist leider nur an Sonn- und Feiertagen geöffnet.

Frisch gestärkt geht es weiter. Etwa drei Kilometer folgen wir dem Radweg Richtung Trittau. Nein, diese Etappe ist nicht natürlichen Ursprungs. Wir fahren auf dem ehemaligen Bahndamm der Linie Schwarzenbek - Bad Oldesloe. Sie wurde 1887 von den Preußischen Staatsbahnen aus strategischen Gründen zur Umfahrung Hamburgs gegründet. Knapp 90 Jahre später war dann aber schon wieder Schluss auf der eingleisigen Strecke - erst wurde der Personenverkehr eingestellt und kurze Zeit später auch der Gütertransport. Die Gleisanlagen wurden in der Folge komplett abgebaut. Heute freuen sich Radfahrer über den gut ausgebauten Radweg zwischen Bad Oldesloe und Trittau.

Über eine herrliche Obstbaum-Allee (im Herbst kann man dort Äpfel oder Birnen naschen) verlassen wir formal kurz den Kreis Stormarn. Aber Stubben ist trotzdem gefühltes Stormarn, weil sich die Bewohner dorthin orientieren. So besuchen die Kinder Kindergarten und Schule in Mollhagen, zur Kirche geht man nach Eichede. Im Ortskern liegt das in Schleswig-Holstein architektonisch einmalige "Drei-Giebel-Haus". Gebaut wurde es 1912 als Schule, vor einigen Jahren folge nach viel Streit in der Gemeinde der Umbau zum Gemeinschaftshaus. Unter den alten Bäumen am Dorfplatz lässt sich eine schattige Rast einlegen.

Weiter geht es in Richtung Schmachthagen und Treuholz. Der Weg führt an weiteren Herrenhäusern vorbei. Ein Gummifabrikant aus St. Petersburg ließ das Herrenhaus Hohenholz im gründerzeitlichen Stil errichten. Ein Stück weiter folgt Gut Schulenburg, das heute als Pflegeheim genutzt wird. So schillernde Adelsfamilien wie von Ahlefeldt oder von Luckner, zu denen auch der legendäre "Seeteufel" gehört, der angeblich Telefonbücher zerreißen konnte, zählten zu den Vorbesitzern.

Durch Sehmsdorf nähern wir uns langsam wieder dem Ausgangspunkt. Über den historischen Treidelpfad längs der Trave, die zur Hansezeit eine wichtige Handelsroute von und nach Lübeck war, geht es zurück nach Bad Oldesloe. Wer mag, macht noch einen Abstecher in Innenstadt, wo es mit dem Heiliggeist-Viertel eine romantische Fachwerkhausquartier zu besichtigen gibt.

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